Vor wenigen Tagen gelang dem Schotten Will Bosi die Wiederholung der Route Mutation im Peak District. Es handelt es sich um die erste Wiederholung der Route seit der ersten freien Begehung vor 23 Jahren durch Steve McClure. Will Bosi wertet die Route im Schwierigkeitsgrad auf. Einmal mehr stellt sich die Frage: Müssen die Geschichtsbücher umgeschrieben werden?

Wir schreiben das Jahr 1998. Steve McClure gelingt die freie Begehung der Route Mutation und schlägt als Schwiergkeitsgrad 9a vor. Seither ist es ruhig geworden um die Route. Immer wieder wurde die Route zwar versucht, doch niemand konnte den Umlenker sturzfrei clippen. Bis vor wenigen Tagen.

40 Versuche verteilt über vier Jahre investiert

Wenige Tage nach seinem erfolgreichen Bouldertrip in die Schweiz stattet Will Bosi dem Klettergebiet Raven Tor einen Besuch ab. Er möchte einmal mehr in die Route einsteigen. Mutation ist schon länger auf dem Radar des Schotten und kostete ihn bis zum erfolgreichen Durchstieg rund 40 Sessions verteilt über 4 Jahre. Nichts also mit „Kam, sah, siegte“, dem Credo, mit dem er vor Kurzem in der Schweiz schwerste Boulder abhackte.

Letzte Woche hat dann aber offensichtlich alles zusammengepasst. Die körperliche Fitness als auch die äusserlichen Bedingungen. Will Bosi holt sich 23 Jahre nach der ersten freien Begehung die erste Wiederholung der Route.

„Ich kann es immer noch nicht glauben. Danke vielmals Steve McClure für das Einrichten dieser epischen Linie. Meiner Meinung nach war es damals unbestritten die schwierigste Route der Welt.“

Will Bosi

Im Zuge der Kommunikation über seine Rotpunktbegehung der Route meinte Will Bosi, Mutation sei zur Zeit der ersten freien Begehung durch Steve McClure unbestritten die schwierigste Route der Welt gewesen. Implizit gibt er der Route damit 9b. Trotzdem kommuniziert er explizit 9a+ als Grad. Was ist nun Sache?

Will Bosi bei der Begehung von Mutation. (Bild Band of Birds)
Will Bosi bei der Begehung von Mutation. (Bild Band of Birds)

Will Bosi: Ist Mutation die erste 9b der Welt?

Fakt ist, dass Will Bosi im Verhältnis zu anderen Routen im neunten Franzosengrad deutlich mehr Sessions in die freie Begehung investieren musste. Für die Rotpunktbegehung der 9b-Route Capella vor einem Jahr benötigte Will lediglich drei Sessions. Im Bezug auf die Route Mutation führt Will aus, dass der erste Teil (Evolution) als bestätigte 8c+ gilt. Die Verlängerung sei nochmals im Bereich 8c+ einzustufen. Kombiniert man die zwei Teile, so ergibt sich schlicht und ergreifend keine 9a, führt Will Bosi aus. Das führt ihn argumentativ dahin, dass Mutation deutlich schwerer als 9a sein muss.

„Ist Mutation die erste 9b der Welt? Vielleicht. Die Zeit und künftige Wiederholer werden es zeigen. Für den Moment belasse ich die Route bei 9a+“

Will Bosi

Die Route mit 9b zu bewerten, traut sich Will also noch nicht und gibt vorerst 9a+ als Schwierigkeit an. Sollte sich der Grad zukünftig jedoch 9b einpendeln, so wäre Mutation die weltweit erste Route in diesem Grad – womit die Geschichtsbücher umgeschrieben werden müssten.

Will Bosi im Gespräch mit Tom Randall über die Begehung von Mutation

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Credits: Titelbild Band of Birds

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