Gastautorin Jeannine Zubler hat den britischen Risskletterer Tom Randall im berühmten Gritstone-Gebiet getroffen und mit ihm über die Route Black Mamba, Verletzungen und Mentaltraining gesprochen.

Ein Gastbeitrag von Jeannine Zubler

Die Wide Boyz, Pete Whittaker und du, ihr habt als erste die Route Black Mamba mit der Schwierigkeit 5.14b (8c) in Utah durchgestiegen. Warum diese?
Wir wussten bereits seit einigen Jahren von dieser Route. Wir konnten uns aber nie vorstellen, sie zu schaffen. Mit hartem Training in den vergangenen Jahren erschien mir Black Mamba dann plötzlich machbar.

Kannst du die Route beschreiben?
Black Mamba ist eine der härtesten Rissrouten, die wir je geklettert sind! In dem 50 Meter langen Rissdach ist alles dabei: enge Finger Cracks bis hin zu Offwidth-Kletterei; dazu mehrere Schlüsselstellen. Die letzten zehn Meter sind die härtesten – beim allerletzten Zug im Dach hast du die grösste Chance rauszufliegen.

Ihr seid bekannt dafür, mit möglichst wenig Sicherungen auszukommen. Wie war das bei Black Mamba?
Wir haben nur das absolut Nötigste mitgenommen, gerade so, dass man nicht auf den Boden knallt. Trotzdem waren das dann noch drei bis vier Kilo an Gewicht.

Das ist bestimmt sehr gefährlich?!
Ich fühlte mich immer sicher. Aber es ist sehr subjektiv, wieviel Sicherungen es braucht, um eine Route sicher klettern zu können.

Wie darf man sich euer Training auf die Route vorstellen?
Wir haben sehr viel im Keller unter meinem Haus trainiert. Pete und ich bauen Rissvolumen, welche wir an Kletterhallen verkaufen. Wir installierten einfach alles, was wir finden konnten, bei mir im Keller. Wahrscheinlich habe ich den teuersten Indoor-Kletterraum der Welt!

Video oben: Tom Randall in seinem umfunktionierten Keller

Wie lange habt ihr gebraucht, bis ihr die Route klettern konntet?
Wir trainierten drei Monate im Keller. Am Fels konnten wir die Route am fünften Tag durchsteigen.

Du hast dich auf das Rissklettern spezialisiert – warum?
Ich liebe das Gefühl, Dinge richtig gut zu beherrschen. Wenn ich beim Klettern alles unter Kontrolle habe, die Art wie ich klettere, wie schnell, meine Emotionen, die Bewegungsmuster. Es macht mich zufrieden, vom Anfänger zum Profi zu werden.

Dass meine Wahl auf Rissklettern fiel ist Zufall: Vor zehn Jahren habe ich mich am Finger verletzt und musste mich neu fokussieren. Seither jame (verklemme) ich…

“Ich liebe das Gefühl, etwas richtig gut zu beherrschen.”

Tom Randall

Was ist der grösste Unterschied vom Rissklettern zu anderen Arten des Kletterns?
Die Technik. Fürs Rissklettern reichen Stärke und Kraft nicht aus. Die Balance zwischen Technik und Kraft muss beim Rissklettern perfekt stimmen.

Auf deiner Seite schreibst du, Risskletterer mögen Schmerzen
Wenn du an der Spitze mitklettern willst, musst du Schmerzen und Verletzungen in Kauf nehmen, ja.

Wie schaffst du es, nach einer Verletzung wieder schnell fit zu werden?
Ich höre nie ganz auf mit dem Training. Ich fokussiere mich in einer Verletzungsphase darauf was funktioniert. Ich trainiere bewusst die gesunden Teile meines Körpers. Habe ich etwa das linke Handgelenk gestaucht, trainiere ich Rumpfstabilisation und One-hand-problems mit meinem rechten Arm. So bleibe ich motiviert und mache Fortschritte in einem anderen Bereich. Du musst kreativ sein! Ich sehe Probleme als Chance. So kann ich die besten Resultate aus den schlimmsten Situation rausholen! Darin bin ich gut, ich bin sehr anpassungsfähig.

Nach einer Woche Fingerlocking sieht das Gelenk bei Tom auch mal so aus. (Bild Tom Randall)

Das klingt jetzt sehr einfach…
Einfach ist es nicht, da hast du recht. Ich hatte auch schon sehr schwere Zeiten. Aber mit der Zeit klappt diese Einstellung immer besser. Ich werde jedes Mal produktiver und glücklicher als Mensch. Das ist wirklich mein ganzer Trick.

Machst auch du Mentaltraining?
Ich analysiere sehr gerne, wie ich mich fühle, was ich tue; zudem lese ich sehr viel und höre Podcasts und versuche, daraus zu lernen. Ich bin konstant auf der Suche nach neuen Ideen, um mich weiterzuentwickeln, besser zu werden und von den Erfahrungen anderer zu lernen.

Wie bleibst du motiviert?
Wie bleibst du motiviert, Schokolade zu essen? Das Klettern gibt mir tolles Feedback, ich liebe es – da brauche ich keine zusätzliche Motivation. Wenn ich mehr Lust habe, mit Freunden auf ein Bier zu gehen, dann mache ich das, so einfach. Ich frage mich: Was brauche ich im Moment? Motivation kann langfristig nur aus dem Innersten kommen, sonst hält man nicht lange durch.

Ist immer wieder für eine verrückte Aktion zu haben. (Bild Mike Hutton Images)

Über Tom Randall

Tom Randall ist Profi in Sachen Training. Mit seinem Trainingskonzept «Lattice Training» berät und trainiert er Kunden auf der ganzen Welt. Kletterer absolvieren einen standardisierten Test im speziell dafür entwickelten Griffgitter in einer Partner-Kletterhalle von Lattice. Gemessen werden Fingerkraft, Ausdauer, Bewegungsmuster und vieles mehr. Die Resultate werden bei Lattice analysiert und daraus ein individueller Trainingsplan entwickelt. Darüber hinaus hat Lattice eine App für Kletterinnen und Kletter entwickelt, die Trainingspläne enthält und die Entwicklung analysiert. Mehr dazu unter Crimpd.com.

Über die Autorin dieses Artikels

Jeannine Zubler ist freischaffende Journalistin und Texterin. Sie verbringt jede freie Minute in den Bergen und beim Klettern und schreibt über alles, was sich in der Vertikalen abspielt. www.jeanninezubler.com

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Credits: Text Jeannine Zubler, Bilder Tom Randall und Mike Hutton Images

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