Seit dem tödlichen Kletterunfall auf Kalymnos im Frühjahr hat die Routensanierung auf der griechischen Insel angezogen. Wie die lokale Initiative Rebolt Kalymnos mitteilt, wurden 383 Routen vollständig neu eingerichtet – mit Titan statt Edelstahl.
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Fast 5.000 Routen gibt es auf Kalymnos – viele davon sind sanierungsbedürftig. Für fast 400 von ihnen gibt es nun wieder grünes Licht. Die 2025 gegründete Organisation Rebolt Kalymnos hat die letzten Monate damit verbracht, bedenkliche oder bereits unbenutzbare Routen mühevoll zu sanieren.
Tragischer Unfall treibt Sanierungen voran
Rebolt Kalymnos saniert seit über einem Jahr alte Routen auf der Insel. Der tödliche Unfall eines 60-jährigen Mannes diesen März schockierte die Klettergemeinschaft – und rief den dringenden Instandhaltungsbedarf auf Kalymnos schmerzhaft vor Augen. Das Unfallopfer war etwa 15 Meter auf einen Felsvorsprung abgestürzt, nachdem sowohl die Bohrhaken des Umlenkers als auch zwei weitere Haken einer 24 Jahre alten Route ausgebrochen waren.
Nach dem tödlichen Unfall (…) ist die Notwendigkeit einer systematischen Wartung dringlicher denn je geworden.
Rebolt Kalymnos
Aktuelle Materialtests, die derzeit in Australien durchgeführt werden, weisen darauf hin, dass die Bohrhaken selbst defekt waren – „auch wenn noch weitere Prüfungen nötig sind“, so die Organisation. Weil das maritime Klima dennoch für verstärkte Korrosion sorgt, setzt Rebolt Kalymnos inzwischen inselweit auf Titanklebehaken bei der Sanierung.
Mammutaufgabe für ehrenamtliches Team
Die fast 5.000 Routen von Kalymnos langfristig in sicherem Zustand zu halten ist ein echtes Großvorhaben für Rebolt Kalymnos. Die Initiative besteht aus etwa einem Dutzend erfahrener lokaler Kletterinnen und Erschließer und arbeitet darüber hinaus mit Freiwilligen zusammen.
Bei den Sanierungen geht es auch um die Kostenfrage – eine einzelne Route zu sanieren kostet etwa 250 Euro an reinem Material, ohne zusätzliche Kosten. Die Organisation bezieht zwar eine zeitlich begrenzte staatliche Förderung, bleibt jedoch auf Spenden angewiesen. Insgesamt brauche es eben kein gelegentliches Neuabsichern von Touren, sondern „einen systematischen und langfristigen Ansatz für die Instandhaltung“, so ein Sprecher von Rebolt Kalymnos. Dieses System gelte es jetzt zu etablieren.
Wie jede Infrastruktur, die kontinuierlich genutzt wird, erfordert auch die Kletterinfrastruktur regelmäßige Kontrolle, Wartungen und gegebenenfalls Neuabsicherungen.
Rebolt Kalymnos
Historisch gewachsene Wartungslücke soll schrumpfen
Rebolt Kalymnos wurde zwar erst 2025 ins Leben gerufen, aber erste Sanierungen fanden auf Kalymnos schon in den frühen 2000er Jahren statt. Zu dem Zeitpunkt gab es allerdings nur 200 Routen auf der Insel – diese Zahl stieg bis 2010 auf mehr als 1.600 an. In den Jahren darauf wuchs die Beliebtheit von Kalymnos als Kletter-Hotspot und damit die Anzahl der Routen immer weiter. Die Sanierungsbemühungen kamen schlicht nicht hinterher. Ab 2015 wurde der größte Teil der Neuabsicherungen von den Kletterern selbst durchgeführt.
Im Frühjahr 2025 wurde die gemeinnützige Kalymnos Climbing Association, bekannt als Rebolt Kalymnos, gegründet. Die Initiative priorisiert Routen anhand von Alter und Zustand der Bohrhaken, Material, Beliebtheit sowie der von Kletterern eingereichten Meldungen.
Zuerst führte man dringende Wartungsarbeiten mit Edelstahl-Spreizankern an etwa 100 Routen durch. Dank Unterstützung aus der Klettergemeinschaft erfolgte dann der Wechsel auf zertifizierte Titan-Klebehaken. Diese sind korrosionsresistenter, waren aber zuvor für einen großflächigen Einsatz zu teuer gewesen.
In der zweiten Hälfte des Jahres 2025 konnte Rebolt Kalymnos zwei komplette Sektoren mit mehr als 80 Routen nahezu vollständig neu absichern. In den fünf Monaten nach dem tödlichen Unfall im Frühjahr 2026 sanierte die Initiative Hunderte weitere Routen in vielen weiteren Sektoren, darunter in Kalyna, Symplegades oder Summertime. Der Sanierungsfortschritt ist öffentlich auf der Website von Rebolt Kalymnos einsehbar.
Initiative fordert langfristige und systematische Sanierungen
Seit seiner Gründung hat Rebolt Kalymnos fast 400 Routen mit Titan-Hardware und Epoxidharz neu abgesichert. Kostenpunkt: mehr als 100.000 € in der Materialbeschaffung sowie Tausende Stunden ehrenamtlicher Arbeit. Seit April 2026 ist mit Bolt Beta ein zentrales Meldesystem online, in dem Kletterer Probleme melden können.
Perspektivisch geht es aus der Sicht von Rebolt Kalymnos darum, das vorhandene Know-How auf der Insel in ein langfristiges Konzept zu integrieren. „Es braucht ein umfassendes, wissenschaftlich und technisch fundiertes Programm zur Neuabsicherung, das auf Planung sowie klaren Kriterien und Prioritäten basiert,“ so ein Sprecher der Initiative. Wichtig sei außerdem, Routen nicht nur anhand der Umlenkungen zu beurteilen – und ein vollständiger Umstieg auf Titan-Klebehaken. Die Organisation zeigt sich offen für die Zusammenarbeit mit Partnern.
Die Neuabsicherung kann nicht länger als gelegentliche Wartungsmaßnahme betrachtet werden. Bei fast 5.000 Routen ist sie eine Voraussetzung und eine dauerhafte Verpflichtung, wenn das Klettern auf Kalymnos eine Zukunft haben soll.
Rebolt Kalymnos
„Es geht um die Sicherheit der Kletterer, aber auch um den Ruf von Kalymnos“
Dass weiterhin Kletterinnen und Kletterer nach Kalymnos strömen, ist für die griechische Insel und seine rund 16.000 Einwohner extrem relevant. „Der Klettertourismus ist eine der wichtigsten Säulen der lokalen Wirtschaft von Kalymnos und eine Lebensader für viele“, heißt es in dem Statement von Rebolt Kalymnos.
Die Klettersaison auf Kalymnos ist mit acht Monaten im Jahr relativ lang – viele lokale Unternehmen sind direkt oder indirekt vom Klettertourismus abhängig. Beim Thema Routensanierung geht es deshalb neben der Sicherheit der Kletterer also auch um den Ruf und die Zukunft von Kalymnos als internationales Kletterziel.
Wer die Sanierungsarbeiten von Rebolt Kalymnos unterstützen möchte, findet hier mehr Informationen: How to help – Rebolt Kalymnos.
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Credits Titelbild: Rebolt Kalymnos

