Der Schweizer Kletterer Samuel Ometz schildert im Gespräch mit LACRUX die Höhen und Tiefen der Rotpunktbegehung der 9a-Route L’Oeuvre im Wallis.

Mehrere starke Kletterer versuchten sich schon an der von Cyrille Albasini eingerichteten Route in der Westschweiz. Erstmals entschlüsseln konnte sie der Amerikaner Shawn Raboutou, der sonst eher an den Blöcken als in den Klettergärten anzutreffen ist.

Langzeitprojekt endlich abgeschlossen

Etwas mehr als ein weiteres Jahr hat es gedauert, bis die Route ein zweites Mal rotpunkt begangen wurde.

“L’Oeuvre ist die ästhetischste Route, die ich je sah und hat mich länger beschäftigt, als alles zuvor. Umso glücklicher bin ich, die zweite Begehung dieser Traumroute geholt zu haben.”

Samuel Ometz

Samuel hat die Route erstmals im November 2018 gemeinsam mit Shawn probiert. Bis dahin wagte sich Samuel nicht in das alte Projekt von Cyrille Albasini, denn die Route wurde als 9a+ oder gar 9b gehandelt.

Samuel Ometz in der 9a-Route L’Oeuvre. (Bild Jean-Elie Lugon)

“Als ich dann mit Shawn in die Route einstieg, hat es sich gar nicht so schwer angefühlt. Ein paar Tage später punktete Shawn die Route und ich war sehr nahe am Durchstieg.”

Samuel Ometz

Samuel dachte, er würde die Route sehr bald punkten, doch es kam anders als geplant. Die trockene Zeit mit perfekten Bedingungen ging zu Ende und er musste bis Frühling 2019 warten, bis er wieder in die Route einsteigen konnte. Samuel stieg etliche Male in die Route ein, fiel aber wiederholt am vorletzten Zug, bei einigen Versuchen sogar beim letzten Zug. Häufige Regenfälle und die oft nicht komplett trockene Route machten ihm den Durchstieg auch nicht einfacher.

Auch der Herbst 2019 machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Ein einziges Mal konnte er in der Route klettern, weil sie sonst immer nass war. So verging die Zeit und er kam am 20. März 2020, bei perfekten Verhältnissen, zurück ins Gebiet. Der Zeitdruck war gross, denn Samuel wusste nicht, ob aufgrund der Corona-Krise bald mehrere Monate Schluss mit Klettern sein wird.

“In der zweiten Session dieses Jahres, nach zwei Stürzen beim letzten Sprung, konnte ich L’Oeuvre endlich rotpunkt klettern.”

Samuel

Insgesamt investierte Samuel rund 12 Tage verteilt über zwei Jahre in die Route L’Oeuvre im Wallis. Da ihm schon von Beginn weg beinahe der Durchstieg gelang, wusste er, dass es möglich war und konnte die nötige Motivation aufrecht erhalten.

“Auf der pychologischen Ebene war es eine grosse Herausforderung, immer an der gleichen Stelle zu fallen und trotzdem wieder motiviert in die Route einzusteigen. Doch zum Glück sind die Route und die Umgebung wunderschön und ich hatte motivierte Freunde, die mitkamen.”

Samuel Ometz bei der Begehung von L’Oeuvre (9a)

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Credit: Titelbild Jean-Elie Lugon

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