Der zwölfjährige Leo Cea hat am 27. August mit Trip Tik Tonik in der Gorges du Loup seine vierte 9a abgehakt. Vergangenes Jahr hatte der deutsch-chilenische Nachwuchskletterer seine ersten beiden Routen in dem Schwierigkeitsgrad geklettert.
Wenn es eine 9a-Route gibt, die sich in den vergangenen Jahren als Benchmark für die ganz jungen Klettertalente erwiesen hat, ist es Trip Tik Tonik. Die Linie in der Gorges du Loup ist für ihre Größenfreundlichkeit bekannt und wird regelmäßig von immer jüngeren Athleten begangen. Den bisherigen Rekord hielt zuletzt der französische Nachwuchskletterer Théo Blass, dem die Linie 2024 mit zwölf Jahren und neun Monaten gelang.
Jetzt hat Blass Gesellschaft aus Chile bekommen: Vergangene Woche punktete auch Leo Cea die Sportkletterroute – im exakt gleichen Alter. «Leo war von der Ästhetik und dem Stil der Route fasziniert», sagt sein Vater René Cea. Für den 1,43 Meter großen Ausnahmekletterer bot die von Cédric Lo Piccolo eingerichtete Route außerdem einen sehr ungewohnten Stil mit vielen Knieklemmer und Pinches. Verteilt auf 30 intensive Meter mit einer komplexen und steilen Crux verlangte Trip Tik Tonik Leo und seinen 1,48 Metern Armspannweite einiges ab.
Leo weiß trotz seines jungen, aber bereits erfahrenen Alters, dass man nicht immer auf den perfekten Tag warten muss.
Vater René Cea
Der Ausflug in die Gorges du Loup war auch der allererste Trip nach Frankreich für Leo. Dort herrschten nicht gerade idealen Bedingungen – sondern eine Luftfeuchtigkeit von konstant über 75 Prozent. «Trotzdem wusste Leo, dass er die Route durchsteigen kann», sagt René Cea.
Wie so oft war dann der letzte Versuch der beste: Am Tag vor der Rückreise nach Deutschland gab der Zwölfjährige nochmal alles und klippte am am 27. August nach insgesamt sechs Tagen den Umlenker von Trip Tik Tonik. Wenige Wochen zuvor war in der Route ein wichtiger Griff für die Crux teilweise ausgebrochen, was die Crux-Sequenz noch zusätzlich erschwerte.
Leo Cea: jüngster 9a-Kletterer aller Zeiten
Leo Cea sorgte vergangenes Jahr für Aufsehen, als er erst Tecnoking (9a) in Las Chilcas (Chile) und später Era Vella (9a) in Margalef wiederholte. Mit elf Jahren und drei Monaten wurde Cea zum jüngsten Menschen jemals, dem eine Route im neunten Franzosengrad gelungen ist. Dieses Jahr hat der Zwölfjährige mit Tecnoqueen außerdem seine erste 9a-Erstbegehung vorgelegt – eine Variante von Tecnoking.
Von Chile ins Frankenjura
Mit seinen beiden ersten 9a-Routen ist Leo Cea 2024 schlagartig auf der Bildfläche der Klettercommunity aufgetaucht. Dabei hat der Deutsch-Chilene für sein Alter auch schon eine beachtliche Anzahl schwerer Routen im achten Franzosengrad auf dem Buckel. Die meisten davon liegen in der südamerikanischen Heimat seines Vaters René, wo Leo ab seinem zweiten Lebensjahr aufgewachsen ist und auch zum Klettersport kam.

Künftig kommen wohl noch einige Routen aus dem Frankenjura dazu: Da Ceas Mutter aus Deutschland stammt, zog es die fünfköpfige Familie im Mai 2025 zurück in Leos Geburtsland – für vorerst unbestimmte Zeit. In Erlangen hat Leo nicht nur eine neue Heimat und viele Felsprojekte gefunden, sondern auch einen Mentor in Form von Alex Megos.
Wenn er das nächste Mal in der Gorges du Loup ist, möchte Leo Cea die Route Ultimate Sacrifice (8c+) probieren. Laura Rogora kletterte sie kürzlich als erste Frau aller Zeiten onsight. Auch PuntX (9a+) hat der junge Deutsch-Chilene schon probiert: «Beide machen großen Spaß und ich glaube, ich habe gute Chancen.»
Uncut-Video: Leo Cea klettert Trip Tik Tonik (9a)
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Credits Titelbild: Leo Cea/René Cea






