Auf den Tag genau 13 Jahre nach der Erstbegehung durch Adam Ondra hat der norwegische Kletterer Leo Bøe die Route »Change« in Flatanger wiederholt. Es ist die erste 9b+ des 25-Jährigen aus Bergen, der damit gleichzeitig den Grad 9b überspringt.
Es dürfte in puncto Klettergrad der bisher größte Sprung in seiner Karriere sein: Leo Bøe hat mit Adam Ondras »Change« (9b+) in der Hanshelleren-Höhle seine erste Route in diesem Grad geklettert. Der Norweger hatte erste vergangenes Jahr seine erste 9a+ getickt: »Change P1«, die erste Seillänge der 9b+. Mit dem Durchstieg seines großen Projekts überspringt Bøe jetzt den Grad 9b vollständig.
Monatelange Arbeit haben sich in Gefühle aufgelöst, als ich endlich den Umlenker geklippt habe. Ich bin so stolz und erleichtert!
Leo Bøe

In knapp drei Jahren von 8c+ zu 9b+
Seit fast drei Jahren geht es bei Leo Bøe gefühlt nur in eine Richtung: aufwärts. Das gilt nicht nur für seine Projekte, sondern auch für die Progression durch die Schwierigkeitsgrade am Seil. Im Januar 2023 gelang dem jungen Kletterer aus Bergen mit »JoeDan« in Lleida seine allererste 9a. Am Ende des Jahres 2023 sollten es bereits sieben Linien in diesem Grad sein – gesammelt in Spanien, Mexiko und in seiner Heimat Norwegen.
Mittlerweile hat Leo Bøe ganze 18 Routen im Grad 9a oder 9a+ angesammelt. Dass ihm jetzt eine 9b+ noch vor einer 9b gelungen ist, könnte auch mit der vielen Zeit zusammenhängen, die der 25-Jährige zuletzt in Norwegens wohl bekanntester Höhle verbracht hat.

Auch Bøe nutzt Kneepads für »Change«
Trotzdem musste sich Leo Bøe für seine sturzfreie Begehung von »Change« (9b+) pushen wie noch in keinem anderen Projekt zuvor – körperlich und mental. Im Interview mit 8a.nu berichtet der sechsfache Norwegische Lead-Meister von seinem »extrem lehrreichen« Prozess in Adam Ondras 55 Meter-Ausdauertestpiece, das der Tscheche 2012 als erste 9b+ der Welt beging.
Ich habe so viele wertvolle Lektionen durch diese Erfahrung gelernt.
Leo Bøe
Einen entscheidenden Unterschied zum Erstbegeher teilt sich Bøe mit allen bisherigen Wiederholern von »Change«, zu denen seit 2020 Stefano Ghisolfi, Seb Bouin, Alex Megos und Jorge Díaz-Rullo gehören: Wie sie alle nutzte auch der Norweger bei seiner Begehung Kneepads, auf die Adam Ondra vor 13 Jahren verzichtet hatte.
Auch bei der Beta orientierte sich Bøe entsprechend an seinen Vorgängern. Vor allem das Legen von Kneebars mit Kneepad reduziert laut Bøe das erste Boulderproblem der Route von einer 8B+ auf etwa 8A+. Auch Alex Megos sagte nach seiner Rekordtempo-Begehung vergangenen Sommer: «Das Kneepad macht die Crux der ersten Seillänge etwas einfacher als die ursprüngliche Beta von Adam Ondra.»
Trotz »leichterer« Beta und dem Einsatz von Kneepads steckte Bøe nach eigenen Angaben insgesamt zweieinhalb Monate Arbeit in die Linie. Statt spezifischem Training für die Route ging es für den Norweger vor allem darum, die richtige mentale Einstellung für sein Riesenprojekt zu finden. »Ich war irgendwann einfach psychisch erschöpft nach so vielen Tagen in der Route«, so Bøe im Interview mit 8a.nu.
Was ihm im schließlich half, die rund 185 Züge von »Change« zu bewältigen: mit der eigenen Performance dann zufrieden zu sein, wenn er selbst das Gefühl hatte, alles gegeben zu haben. Am Ende reichte es mit dieser Herangehensweise für den perfekten Fokus und schließlich für das Top seiner ersten 9b+.
Persönliche Bewertung steht noch aus
Leo Bøe hat noch nicht bekanntgegeben, ob er sich die Route wie etwa Ondra und Megos als 9b+ ticken wird – oder wie Díaz-Rullo als softe 9b+ oder doch gar als 9b/+. Fest steht aber schon jetzt: Selbst im Fall eines Slash-Grades ist es die schwerste Route seiner Kletterkarriere, die gerade so richtig Fahrt aufnimmt.
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Credits Titelbild: Doug McConnell



