Beta-Breaks, Drama und Überraschungen auf dem Podium: Wir haben euch alle Ergebnisse zum Boulder- und Lead-Weltcup in der tschechischen Hauptstadt zusammengefasst.
In Prag sichert sich Sorato Anraku in einem brutalen Boulder-Finale seinen vierten Sieg in Folge, bei den Damen gewinnt Annie Sanders beide Disziplinen. Der Überraschungssieger im Lead der Herren: Putra Tri Ramadani aus Indonesien.
Anraku gewinnt brutales Boulder-Finale mit nur einem Top
Schon im Boulder-Halbfinale der Herren wurde deutlich: Diese Runde hat es in sich. Zum ersten Mal in dieser Saison genügten bereits vier Zonen, um den Sprung unter die besten Acht zu schaffen. Und auch das Finale am Freitagabend blieb dem hohen Schwierigkeitsniveau treu. Insgesamt brachte die Runde lediglich drei Tops ein – allesamt Flashes. Zwei der vier Finalboulder blieben sogar komplett ungelöst.
Mit einem Top und zwei Zonen sicherte sich Sorato Anraku sein viertes Boulder-Gold in Folge. Das gab es in dieser Disziplin bei den Herren noch nie. Der 19-jährige Japaner ist damit auf dem besten Weg, alle sechs Events dieser Boulder-Saison zu gewinnen. Beirren lässt er sich davon allerdings nicht.
Der Rekord ist mir nicht so wichtig. Ich liebe es einfach, Wettkämpfe zu klettern.
Sorato Anraku
Silber und Bronze gingen an die beiden einzigen anderen Athleten, die im Finale jeweils einen Boulder toppen konnten. Der Koreaner Dohyun Lee (Silber) flashte wie auch Anraku den Power-Boulder, benötigte aber insgesamt mehr Versuche für seine drei Zonen. Mejdi Schalck (Bronze) aus Frankreich gelang der einzige Flash bzw. Top im Koordinations-Boulder – mit einem spektakulären Beta-Break, wobei er mehrere Griffe auf dem Weg zum Top ausließ.



Ergebnisse Bouldern Herren

Erstes Weltcup-Finale für Rising Star Lucas Trandafir
Für Lucas Trandafir aus dem Climbing Team Germany ging in Prag ein Traum in Erfüllung: Der 18-Jährige stand erstmals in seiner Karriere in einem Weltcup-Finale. Mit einem Top im Halbfinale hatte er sich als Vierter souverän qualifiziert.
Im Finale erreichte der junge Deutsche mit drei Zonen einen starken siebten Platz. Vor ihm landete der Franzose Max Bertone, der ebenfalls sein Weltcup-Finaldebüt feierte.
Für das deutsche Team war es zugleich die erste Finalteilnahme in einem Boulder-Weltcup seit Innsbruck 2024. Damals belegte Elias Arriagada Krüger Rang fünf. Trandafir war außerdem der einzige Deutsche, der dieses Jahr in Prag das Halbfinale erreichte.

Drittes Boulder-Gold für Annie Sanders
Bei den Damen waren Tops deutlich häufiger zu sehen als bei den Herren – sowohl im Halbfinale als auch im Finale. Für die letzte Runde qualifizierten sich fast ausschließlich Athletinnen, die in dieser Saison bereits mehrfach vorne mitgemischt hatten.
Als Favoritinnen gingen die Britin Erin McNeice und die Französin Zélia Avezou ins Finale, nachdem beide im Halbfinale alle vier Boulder getoppt hatten. Am Ende setzte sich jedoch die US-Amerikanerin Annie Sanders durch. Die 18-Jährige war lediglich als Siebte ins Finale eingezogen, zeigte dort aber eine beeindruckende Leistung.
Wie die zweitplatzierte Erin McNeice flashte Sanders die Boulder drei und vier. Sanders toppte jedoch als Einzige den ersten Boulder und benötigte dafür weniger Versuche als McNeice im zweiten Problem. Platz drei ging an die Chinesin Yuetong Zhang, die bei ihrem ersten Weltcup-Finale überhaupt direkt den Sprung aufs Podium schaffte.
Der erste Boulder hat mir extrem gut getaugt. Bei der Besichtigung dachte ich: Den mache ich auf jeden Fall.
Annie Sanders



Ergebnisse Bouldern Damen

Riss-Boulder spaltet das Teilnehmerinnenfeld
Das Rennen um Silber und Bronze entschied sich im letzten Boulder des Abends: einem Rissproblem, das sich nur mit entsprechender Technik meistern ließ. Für Oceania Mackenzie kam dieser Boulder mehr als ungelegen. Die Australierin hätte als einzige Finalistin Sanders noch einholen können, aber verzweifelte an dem Riss – ebenso wie Frankreichs Zélia Avezou.
Diese ungewöhnliche Entscheidung des Routenbauteams weckt Erinnerungen an den Weltcup in Meiringen 2021. Damals meisterte Adam Ondra als einziger Finalist den Rissboulder. Dass Team Japan seitdem auch in dieser Technik versiert ist, ist kein Zufall.


Mag keine Risse: Oceania Mackenzie | Bilder: Lena Drapella/World Climbing
Annie Sanders gewinnt auch im Lead Gold
Sollte Annie Sanders noch vom Boulder-Finale und -Halbfinale des Vortags erschöpft gewesen sein, merkte man ihr im Lead-Finale nichts an. Die US-Amerikanerin kletterte zwar nicht wie so oft bis zum Umlenker, aber bis ganz kurz davor. Damit sicherte sich Sanders in Prag ein Doppel-Gold in beiden Disziplinen. Das haben nur wenige Athletinnen und Athleten bisher geschafft – etwa Colin Duffy oder Janja Garnbret.
Es fühlt sich ziemlich surreal an. Ich bin jetzt wirklich ziemlich müde, aber sehr glücklich.
Annie Sanders



Sanders gewinnt auch im Lead – vor Seo und Avezou | Bilder: Lena Drapella/World Climbing
Auch Zélia Avezou wirkte keinesfalls müde vom Boulder-Finale des Vorabends. Die Französin kletterte sich ebenfalls auf das Podium auf Rang drei – ihre erste Lead-Medaille in dieser Saison. Noch vor Avezou erreichte Chaehyun Seo Platz zwei. Die Koreanerin kletterte zwar deutlich schneller als Konkurrentin Sanders, fiel aber schließlich zwei Züge früher.
Mit Jain Kim und Jessica Pilz kletterten außerdem zwei hochdekorierte und erfahrene Athletinnen im Finale. Gleichzeitig feierten die Newcomer Ella Fisher (USA) und Hana Koike (Japan) ihr Debüt in einem Weltcup-Finale. Für die Bulgarin Aleksandra Totkova war es außerdem der erste Final-Auftritt seit Briançon 2024.
Ergebnisse Lead Damen

Putra Tri Ramadani schlägt Schubert, Ondra und Suzuki im Lead
Bei den Herren war das Finalfeld extrem hochrangig besetzt. Sowohl Publikumsliebling Adam Ondra als auch Jakob Schubert, Sorato Anraku, Satone Yoshida, Luca Potocar und Neo Suzuki zogen unter die besten Acht ein – sie alle haben bereits einen oder mehr Lead-Weltcups gewonnen.
Umso überraschender kam der Sieger des Abends: Putra Tri Ramadani kletterte deutlich weiter als die Konkurrenz und ließ erst von der Wand ab, als ihm in der Headwall der linke Fuß rutschte. Für den 20-jährigen Indonesier ist es die allererste Medaille und erst sein zweites Weltcup-Finale überhaupt.
Ich bin sehr glücklich und hoffe, dass ich mich beim nächsten Mal noch verbessern kann.
Putra Tri Ramadani

Der Zweitplatzierte Neo Suzuki, Sieger des ersten Lead-Weltcups in Wujiang, kletterte ebenfalls bis in den obersten Teil der Wettkampfwand. Für die letzten Meter reichte die Ausdauer des Japaners nicht, aber er konnte sich knapp vor Österreichs Jakob Schubert durchsetzen. Schubert sprang freiwillig von der Wand ab, nachdem er die letzte Exe nicht mehr klippen konnte.


Jakob Schubert meldete sich mit Bronze hinter Neo Suzuki zurück auf der Weltcup | Bilder: Lena Drapella/World Climbing
Prags Boulder-Sieger Sorato Anraku erreichte ausnahmsweise nicht das Podium, sondern fiel beim Übergang in die Headwall. Auch sonst hatte Team Japan ungewöhnlich viel Pech: Satone Yoshida rutschte schon beim Einstieg ab. Klettern ließ man ihn trotzdem, aber am Ende musste sich der Lead-Spezialist mit einem Score von 2 Punkten begnügen.
Auch Adam Ondra hatte bei seinem Heim-Weltcup vermutlich auf mehr als Platz 5 gehofft – die Unterstützung des Publikums war ihm aber trotzdem in jedem Moment auf der Bühne sicher.
Ergebnisse Lead Herren

Auch zwei Deutsche im Lead-Halbfinale
Von Team Deutschland erreichten Yannick Flohé und Sebastian Halenke das Halbfinale. Flohé erreichte mit einer Wertung von 28+ Platz 18, Halenke platzierte direkt dahinter mit 28 Punkten auf Rang 19. Bei den Damen konnten sich die beiden Lead-Starterinnen Roxana Wienand und Annika Müller nicht in der Qualifikation durchsetzen.
Nächste Station: Innsbruck
Nach einer Woche Verschnaufpause geht es für die Athletinnen und Athleten weiter nach Innsbruck, wo der Weltcup im Bouldern und Lead (17. Juli – 21. Juli) sowie im Paraclimbing (15. – 16. Juli) ausgetragen wird.
Alle Termine zur laufenden Saison 2026 findet ihr hier.

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Credits Titelbild: Lena Drapella/World Climbing

