Vor einigen Wochen haben wir Giuliano Cameroni im Tessin und am Teufelsstein in der Zentralschweiz getroffen. Im Interview mit LACRUX erklärt er, warum er dem Wettkampfklettern den Rücken gekehrt hat und wo er den Klettersport in zehn Jahren sieht.

Giuliano Cameroni im Interview mit LACRUX

Giuliano, was ist der erste Klettermoment, an den du dich erinnern kannst?
Als ich sechs Jahre alt war, nahmen mich meine Mutter und mein Vater mit zum Bouldern in Chironico. Ich sah, wie eine Gruppe von Leuten einen Plattenboulder probierte, der ungefähr mit der Schwierigkeit 6a+ bewertet ist. Mir gefiel der Boulder, so wagte ich ebenfalls einen Versuch – mit Erfolg. Ich durchstieg ihn und war ziemlich erstaunt, dass nicht alle der Gruppe den Boulder klettern konnten. In meiner kindlichen Naivität dachte ich, wenn ich das kann, dann müssen es die anderen doch auch können.

Seither sind 14 Jahre vergangen. Was war denn bisher der grösste Moment, den du beim Klettern erlebt hast?
Das war wohl der Durchstieg des Boulders «Dreamtime» in Cresciano imTessin. Fred Nicole hat ihn im Jahr 2000 erstbegangen, er ist einer der berühmtesten Boulder der Welt. Für mich war es aber vor allem eine traumhafte Linie. Und ich war motivierter als je zuvor, Zeit in einen Boulder zu investieren. Ziemlich viel Zeit. An 25 Tagen über zwei Jahre verteiltfeilte ich an den einzelnen Bewegungen von «Dreamtime», bis ich die für mich optimale Lösung gefunden hatte und die äusseren Bedingungen wie Temperatur und Feuchtigkeit perfekt waren.

Deine Mutter kletterte als eine der ersten Frauen eine 8a. Dein Vater prägte die Tessiner Kletterszene mit zahlreichen Erstbegehungen. Wie haben deine Eltern dich beeinflusst?

Klar, ohne meine Eltern würde ich heute wohl nicht klettern. Als Familie waren wir fast jedes Wochenende draussen in der Natur auf der Suche nach neuen Blöcken und eröffneten neue Boulder. Das machte mir bereits als Kind riesig Spass. Obwohl meine Eltern passionierte Kletterer waren, hatte ich aber nie das Gefühl oder den Druck, dass ich ebenfalls klettern müsse. Doch sie haben ihre Begeisterung für den Sport an mich weitergegeben und mich stets unterstützt.

Das spürt man. Du scheinst vor Motivation und Begeisterung fürs Klettern zu sprudeln. Kannst du dir ein Leben ohne Klettern überhaupt vorstellen?

Bouldern hat in meinem Leben einen sehr hohen Stellenwert. Allerdings gab auch Phasen, in denen ich nur selten am Fels anzutreffen war. Mit 16 Jahren bin ich oft Skateboard gefahren. Doch ziemlich schnell habe ich gemerkt, dass es mir am meisten Spass macht, in den Wäldern des Tessins neue Felsblöcke zu suchen und zu klettern.

Hast du darüber nachgedacht, voll und ganz auf die Karte «Bouldern» zu setzen?

Klettern zu meinem Beruf zu machen, ist für mich ganz klar ein Ziel. Ich möchte so viel wie möglich klettern und dem Sport etwas zurückgeben, indem ich neue Routen eröffne und Gebiete entdecke. Auf der Fahrt hierher zum Interview habe ich auch mit meinem Vater über die Zukunft gesprochen. Wir waren uns einig, dass es wohl langweilig und eintönig wird, wenn man nur noch klettert und jeden Tag am Fels verbringt. Ich beginne im Herbst ein Studium, auch um für den Moment vorzusorgen, an dem ich die Lust am Klettern verliere. Aber wir sprechen hier wirklich von der Zukunft. Nach Abschluss des Studiums werde ich sicherlich zuerst ein Leben als Profiathlet verfolgen.

Aber Profikletterer haben auch gewisse Zwänge gegenüber ihren Sponsoren. Du musst spektakuläre Linien oder hohe und riskante Boulder begehen, die sich vermarkten lassen. Was würdest du nie machen, wo liegen für dich die Grenzen?

Ich habe bereits einige Highballs erstbegangen, weil es einfach wunderschöne Felsformationen und Boulderrouten waren. Doch wenn ich riskante Boulder klettere, bin ich nicht auf der Suche nach dem Adrenalin-Kick. Wenn der Ausstieg eines Felsblocks hoch ist, übe diese Bewegungen zehn, vielleicht zwanzig Mal, um wirklich sicherzustellen, dass ich nicht stürze. Was ich sicher nie machen würde ist Free-Solo-Klettern. Ich will mein Leben beim Klettern nicht aufs Spiel setzen.

Die meisten Profiathleten nehmen an Wettkämpfen teil. Du hast vor vier Jahren dem Wettkampfbouldern den Rücken gekehrt. Warum?

Mir gefällt das Klettern oder in meinem Fall Bouldern an Plastik nicht. Ich bin lieber draussen in der Natur. Am Fels sind Tritte und Griffe nicht farblich vorgegeben und der Kletterstil ist ganz anders als in den Kletterhallen. Vor allem bei den Wettkämpfen entfernt sich der Stil der Routen immer mehr von den Bewegungen und Abfolgen am Fels. Wer einen Wettkampf mitverfolgt – und das ist sehr spannend und unterhaltsam – der stellt fest, dass sich die Boulderrouten durch spektakuläre Sprünge und dynamische Bewegungen auszeichnen.

Draussen am Fels bist du top, in der Halle flop. Warum?

Wie schon gesagt, koppelt sich das Indoorbouldern immer weiter ab. Wer an Wettkämpfen erfolgreich sein will, muss sehr spezifisch und sehr intensiv trainieren. Viele Wettkampfsportler trainieren mehrere Stunden pro Tag in der Boulderhalle, respektive im Fitness-Studio. Das ist einfach nicht mein Ding. Gäbe es Wettkämpfe am Fels, würde ich sofort mitmachen – und wäre sicher auch erfolgreicher, als ich es beim Wettkampfklettern war.

Wie schätzt du das Gleichgewicht zwischen Indoor- und Outdoorklettern ein?

Der aktuelle Trend zeigt klar in Richtung «Plastikklettern», wie ich es gerne nenne. Viele Leute beginnen heute in Kletterhallen und wagen jedoch nie den Schritt an den Fels. So wird Klettern quasi zur Alternative des reinen Fitnesstrainings an Geräten. Ich hoffe sehr, dass sich im Profi- als auch im Amateurbereich Indoor- und Outdoorklettern auch in Zukunft die Waage halten, so wie es auch derzeit noch der Fall ist. Ich wünsche mir für zukünftige Klatterer-Generationen, dass auch sie die Faszination des Felskletterns in der freien Natur erkennen – und so viel Zeit wie möglich draussen verbringen. Zu dieser Faszination möchte ich mit dem Eröffnen neuer Routen einen kleinen Beitrag leisten und hoffe sehr, dass mir das gelingt.

Wo siehst du den Klettersport in zehn Jahren?

Im Herbst 2016 hat mein Freund Nalle Hukkataival mit Burden of Dreams den schwersten Boulder der Welt geklettert (9a Fb auf der Schwierigkeitsskala). Wir werden sicherlich noch mehr Begehungen in diesem Schwierigkeitsgrad erleben. Eine weitere Entwicklung sehe ich in der Spezialisierung. Der Franzose Charles Albert, oft auch Mowgli genannt, ist hier ein gutes Beispiel. Er klettert barfuss und begeht schon jetzt Boulder mit einer Schwierigkeit von 8c+. Ich bin überzeugt, dass er noch Routen klettern wird, die niemand sonst klettern kann, weil sie so spezifisch sind.

Für euch ausgewählt: Produkte von Prana und FrictionLabs

Die Anzahl Kleiderhersteller im Outdoorbereich ist nicht gerade klein – ganz im Gegenteil, sie steigt stetig. Immer mehr Marken nehmen Klamotten in ihr Sortiment mit auf. Eine Marke die bereits seit über 25 Jahren Klamotten für Kletterer und Boulderer produziert, ist Prana aus Kalifornien. Das Unternehmen ist seit seiner Gründung bestrebt stets bewusst, sozial und ökologisch nachhaltig zu handeln. Nicht umsonst stehen Klettergrössen wie Chris Sharma oder Paul Robinson für die Marke ein. Auch Giuliano Cameroni ist Teil der Prana-Familie. Wir nehmen dies zum Anlass, euch einige ausgewählte Produkte von Prana vorzustellen.

Ezer T-Shirt – Prana (Herren)

Das Ezer T-Shirt ist aus leichtgewichtigem Baumwoll-Mischgewebe mit gutem Feuchtigkeitstransport und hat einen grossen Berg-Print auf der Front.
Das Ezer T-Shirt ist aus leichtgewichtigem Baumwoll-Mischgewebe mit gutem Feuchtigkeitstransport und hat einen grossen Berg-Print auf der Front.

Zander Short – Prana (Herren)

Zander Short - Prana Hose (Herren)
Kletter- und Bouldershorts aus elastischem Baumwoll-Mischgewebe, mit zwei Einschubtaschen und einer Gesässtasche. Elastischer Bund mit Kordelzug.

Bedrock Top – Prana (Damen)

Klettertop für Damen mit doppelten Trägern und relaxtem Schnitt. Aus leichtem, schnelltrocknendem Material. Intregriertere BH mit herausnehmbaren Pads
Klettertop für Damen mit doppelten Trägern und relaxtem Schnitt. Aus leichtem, schnelltrocknendem Material. Intregriertere BH mit herausnehmbaren Pads

Avril Pant – Prana (Damen)

Boulderhose für Damen aus elastischem, langlebigem Baumwollcanvas. Vorgeformte Knie. Strickbund mit Taillenkordel. Zwei Eingrifftaschen und zwei Gesässtaschen. Seitliche Beinschlaufe für das Fixieren des Bürstchens
Boulderhose für Damen aus elastischem, langlebigem Baumwollcanvas. Vorgeformte Knie. Strickbund mit Taillenkordel. Zwei Eingrifftaschen und zwei Gesässtaschen. Seitliche Beinschlaufe für das Fixieren des Bürstchens

FrictionLabs Magnesium

Die Zahl der Magnesium-Hersteller ist immens, ebenso die entsprechende Auswahl. Im Magnesium vieler Billighersteller ist ein hoher Anteil an Calciumcarbonat (Kreide) enthalten. Beim Chalk von FrictionLabs hingegen handelt es sich um nahezu reines Magnesium. Entsprechend vermag das Magnesium mehr Feuchtigkeit binden und schmiert weniger als alternative Produkte.

Perfekte Reibung dank FrictionLabs-Magnesium
Perfekte Reibung dank FrictionLabs-Magnesium

Informationen zum Interview mit Giuliano Cameroni

Das Interview führte Remo Schläpfer vom Klettermagazin LACRUX. Ein grosses Dankeschön geht an Bächli Bergsport und Prana (Schweiz) für die Unterstützung dieses Beitrages.


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