Blinder Kletterer Javier Aguilar punktet 7c-Route

Mit der Route To Su Pu** Madre A Caballo in Los Cahorros, Granada (Spanien), klettert der blinde Paraclimber Javier Aguilar die erste 7c-Route seiner Karriere.

Ein Beitrag von Franziska Helfer

Der 37-Jährige ist blind geboren. Das hielt ihn jedoch nie davon ab, über seine Grenzen hinauszugehen. Javier war paralympischer Schwimmer und nahm an der Weltmeisterschaft in Sydney im Jahr 2000 teil. Als er seine Karriere als Schwimmer abschloss, suchte er nach einem neuen Sport und begann mit 30 Jahren zu klettern. 2019 gewann er die Silbermedaille bei der Paraclimbing-Weltmeisterschaft in Briançon, und jetzt klettert er erstmals eine 7c-Route rotpunkt.

Die Welt des Paraclimbings hat mich sehr beeindruckt: Ich habe Menschen mit nur einem Arm oder einem Bein kennengelernt, die sich trotzdem nicht vom Klettern abhalten liessen. Jetzt möchte ich Menschen wie mir Mut machen, dass man auch als Blinde/r klettern kann.

Durch das Klettern traf er Urko Carmona, einen einbeiniger Paraclimber, der selbst 8a+ klettert. Er wurde zu Aguilars Coach und engem Freund. Zusammen mit Urko begann Javier seine Klettertechniken zu weiterzuentwickeln.

Javier Aguilar beim Indoor-Training

So geht Javier Aguilar beim Projektieren von Routen vor

Bei neuen Projekten klettert Aguilar zuerst im Toprope und mit der verbalen Hilfe seines Sichernden, der ihn auf Griffe und Tritte aufmerksam macht. Dann tastet er den Fels ab und prägt sich die Klettersequenz ein. Erst wenn er sich die Route eingeprägt hat und gut vorbereitet fühlt, beginnt er mit Vorstiegsversuchen.

Ich habe mich für To Su Pu** Madre A Caballo als meine erste 7c entschieden, weil sie 15m lang, leicht überhängend und körperlich sehr anspruchsvoll ist. Kurze Routen kann ich mir einfacher einprägen und Kraft kann man besser trainieren.

Javier Aguilar (links) nach der Begehung seiner ersten 7c-Route. (Bild Migue Sancho von Rock & Joy)

Nach zehn Toprope-Versuchen fühlte sich Javier bereit für die Rotpunktversuche: „Das Klippen hat meine Sequenz etwas durcheinandergebracht. Ich habe ein paar Exen verlängert, konnte aber nicht klippen und bin einmal gestürzt.“ Das Fallen macht dem gebürtigen Madrider keine Angst, und bei seinem zweiten Versuch gelingt ihm am 16. Juni 2020 die Rotpunktbegehung der Route To Su Pu** Madre A Caballo.

Ich fordere mich gern selbst heraus, aber finde Bescheidenheit sehr wichtig. Mein Ziel ist es, beim klettern Spaß zu haben. Auch wenn es sehr schwierig für mich ist, will ich versuchen, eines Tages eine 8a-Route zu klettern.

Für die spanischsprachigen unter euch findet ihr hier ein ausführlicheres Interview des spanischen Podcasts Rock & Joy mit Aguilar.

Das könnte dich interessieren

+++
Credits: Text Franziska Helfer, Bildmaterial Migue Sancho von Rock & Joy

Aktuell

Trad, Bouldern, Sportklettern: 5 Downgrades, die unsere Szene geprägt haben

Ein Griffausbruch, neue Beta oder schlicht eine Meinungsverschiedenheit: Die Abwertung von Bouldern oder Routen kann verschiedene Gründe haben. Wir haben fünf Downgrades gesammelt, die für besonderes Aufsehen gesorgt haben – oder historisch für die Szene wichtig waren.

„King Kang“ (9b+): Jules Marchaland knackt Ondras Dyno-Projekt

Der französische Kletterer Jules Marchaland hat in der Hanshelleren-Höhle bei Flatanger das alte Ondra Projekt „King Kang“ erstbegangen. Für die dynamische Linie schlägt der 25-Jährige eine Bewertung von 9b+ vor.

„WoGü“ im Rätikon: Zangerl und Larcher jeweils im ersten Versuch

Babsi Zangerl und Jacopo Larcher haben im Rätikon „WoGü" (8c) frei geklettert – an zwei aufeinanderfolgenden Tagen und jeweils im ersten Durchstiegsversuch. Barbara Zangerl verbucht hiermit außerdem die erste Frauenbegehung der Route.

Giovanni Placci: Vier 9a an vier aufeinanderfolgenden Tagen

Der italienische Kletterer Giovanni Placci hat Mitte September an vier aufeinanderfolgenden Tagen vier verschiedene 9a-Routen geklettert: drei im Piemonteser Gebiet La Stazione, eine in Albenga. Einen Flash verpasste er erst im letzten Zug.

Trad, Bouldern, Sportklettern: 5 Downgrades, die unsere Szene geprägt haben

Ein Griffausbruch, neue Beta oder schlicht eine Meinungsverschiedenheit: Die Abwertung von Bouldern oder Routen kann verschiedene Gründe haben. Wir haben fünf Downgrades gesammelt, die für besonderes Aufsehen gesorgt haben – oder historisch für die Szene wichtig waren.

„King Kang“ (9b+): Jules Marchaland knackt Ondras Dyno-Projekt

Der französische Kletterer Jules Marchaland hat in der Hanshelleren-Höhle bei Flatanger das alte Ondra Projekt „King Kang“ erstbegangen. Für die dynamische Linie schlägt der 25-Jährige eine Bewertung von 9b+ vor.

„WoGü“ im Rätikon: Zangerl und Larcher jeweils im ersten Versuch

Babsi Zangerl und Jacopo Larcher haben im Rätikon „WoGü" (8c) frei geklettert – an zwei aufeinanderfolgenden Tagen und jeweils im ersten Durchstiegsversuch. Barbara Zangerl verbucht hiermit außerdem die erste Frauenbegehung der Route.