Mit mentalem Training schneller von Verletzungen erholen

Der Kopf spielt nicht nur beim Durchstieg einer Route oder eines Boulders eine zentrale Rolle. Mentale Aspekte sind auch im Heilungsprozess nach Verletzungen von grosser Bedeutung, wie neueste Studien zeigen.

Ein Gastbeitrag von Marc Wetter – Mentaltrainer & Sportphysiotherapeut

Bänderrisse, Zerrungen und Verstauchungen sind die häufigsten Verletzungen. 400’000 Sporttreibende verletzen sich pro Jahr (www.bfu.ch).

Der Kopf spielt im Genesungsprozess eine wichtige Rolle, die häufig vernachlässigt wird. Durch unsere Gefühlslagen und Gedanken können wir unterschiedliche hormonelle und nervale Systeme aktivieren. Diese setzen Botenstoffe, Nervensignale und Hormone frei, die zum Beispiel die Durchblutung der Beine oder Arme beeinflussen, die Sauerstoffaufnahme verbessern und somit die Wundheilung optimieren.

Gedachte Bewegungen werden im Gehirn wie ausgeführte Bewegungen abgebildet. Das Gehirn kann dies nicht unterscheiden (Carpenter Effekt). So kann das Betrachten eines Vorgangs das gleiche Aktivitätsmuster auslösen, wie die Handlung an sich (Spiegelneuronen).

Mentales Training am Beispiel eines Boulderers mit verstauchtem Fuss

Ab dem ersten Tag nach der Verletzung kann für den Boulderer ein individuelles Entspannungstraining sinnvoll sein. Neue Zielsetzungen und Informationen zur Verletzung helfen, den Körper zur Ruhe kommen zu lassen.

In der Entzündungsphase (0 bis 5 Tage) sind schmerzlindernde Visualisierungen, Entspannungstraining, Atemübungen und ideomotorisches Training absolut sinnvoll.

Das mentale Training in Kombination mit aktiver Rehabilitation ist am effektivsten. Progressive Muskelrelaxationen oder Achtsamkeitstraining eignen sich bei Kraftsportarten sehr effektiv zur Unterstützung der Wundheilung. Mentales Techniktraining, Bewegungsabläufe im Kopf mit Einbezug von allen Sinnen (ideomotorisches Training) zusammen mit den sportphysiotherapeutischen Interventionen wie zum Beispiel Koordinationstraining, Taping sind ab dem fünften Tag lohnenswert.

Ebenso können Angst vor Wiederverletzung, Motivationsprobleme, Ärger und Wut oder ein mögliches Karriereende als Themen im Rahmen des mentalen Trainings aufgegriffen werden. Das mentale Training muss individuell ausgearbeitet sein, denn ein allgemeingültiges Rezept gibt es nicht. Jeder Sportler und jede Sportlerin sollte die Techniken des Mentaltrainings bewusst beherrschen.

Das müsst ihr wissen:

  • 2017 konnte man bei knieoperierten Patienten nach vier Wochen feststellen, dass sich durch die Kombination von Physiotherapie und mentalem Training die Kraft im Oberschenkel verbesserte, die Schmerzen geringer ausfielen und die Beweglichkeit besser war als in der Kontrollgruppe ohne mentales Training (The therapeutic role of motor imagery during the acute phase after knee arthroplasty, 2017).
  • Es gibt viele Mentaltrainer. Als Gütekriterium dienen die Ausbildung Psychologisches und mentales Training im Sport, CAS ZHAW oder die Liste des Verbandes Sportpsychologie SASP.
  • Das Mentaltraining ist eine Selbstzahlerleistung. Zu Beginn ist ein persönliches Treffen oder Telefongespräch wichtig, damit die Anliegen und Erwartungen erfasst werden können.

Über Marc Wetter

Marc Wetter ist Leiter Therapien und Komplementärmedizin am Zentrum für Medizin & Sport medbase in Abtwil und ausgebildeter Mentaltrainer & Sportphysiotherapeut. www.marcwetter.ch

Marc Wetter - Leiter Therapien und Komplementärmedizin - Medbase
Marc Wetter

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Credits: Text Marc Wetter, Titelbild Alex Puccio

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1 Kommentar

  1. Danke für die guten Tipps!
    Ich schneide Bäume von oben nach unten, bin 68 Jahre. Ich hab keine Angst dabei, stell mir das Klettern und Arbeiten mit der Motorsäge immer schon vor! Und es gelingt! Dafür bin ich sehr dankbar!

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