Der Film „Renaturierung“ von John Thornton begleitet Silvan Schüpbach nach Wilderswil. Dort hat er eine vergessene Sportkletterroute von ihren rostigen Bohrhaken befreit und sie anschließend clean geklettert. Ein Film über Stil, Klettermoral und darüber, was Klettern jenseits der Maximalschwierigkeit bedeuten kann.
Ein vergessener Sektor im Wald
Wilderswil im Berner Oberland ist kein Ort, an dem man Schlagzeilen erwartet. Der Sektor liegt nordseitig im Wald, dunkel, feucht, voller Leben. Die Routen stammen aus einer anderen Zeit: Old-School-Linien, die kaum jemand mehr klettert, moosbewachsen und über die Jahre schlicht in Vergessenheit geraten. Nun wurde dieser Ort zur Bühne für einen Film, der eine Frage stellt, die in der Kletterszene seit Jahrzehnten für Diskussionen sorgt: Wie viel Absicherung braucht eine Route eigentlich?

Dalton Joe – ohne Bohrhaken
Anfang 2025 gelang Silvan Schüpbach die Begehung von Dalton Joe (7c+). Für sich genommen ist das keine Schlagzeile – der Berner Alpinist und Kletterer hat deutlich Schwierigeres vorzuweisen. Bemerkenswert ist aber der Kletterstil.
Wenn die Route gebohrt gewesen wäre, hätte ich sie geklettert und vergessen. So hat sie mich über einen sehr langen Zeitraum begleitet.
Silvan Schüpbach

Die Bohrhaken der Route waren vergessen und dem Rost überlassen. Silvan Schüpbach entfernte sie und entschied sich dagegen, sie zu ersetzen. Er brachte die Linie damit in ihren ursprünglichen Zustand zurück und kletterte sie anschließend traditionell abgesichert, mit mobilen Sicherungsmitteln.
Klettern mit dem Kopf
Der zweite Erzählstrang des Films ist persönlicher. Schüpbach spricht darüber, älter zu werden. Der maximale Schwierigkeitsgrad lässt sich irgendwann nicht mehr beliebig nach oben schrauben. Das muss aber kein Verlust sein. Sein Fokus hat sich verschoben: weg von der reinen Schwierigkeit, hin zum Lesen des Felsens, zum Einschätzen von Risiko, zum Klettern mit dem Kopf. Das traditionelle Klettern bietet ihm genau die Spielwiese.

Für viele Kletterinnen und Kletterer dürfte das ein vertrautes Gefühl sein. Nicht jede Entwicklung im Klettern muss in Zahlen messbar sein.
Dauerdiskussion Bohrhaken
Das Entfernen von Bohrhaken ist und bleibt ein heikles Thema. Wo für die einen ein Stück Klettergeschichte und ein Zugang für viele verloren geht, sehen die anderen einen Fels, der seine natürliche Form zurückerhält. „Renaturierung“ liefert auf diese Stilfrage hin keine Antwort, darum geht es aber auch nicht. Der Film macht vielmehr sichtbar, dass Stil eine Entscheidung ist, die jede Generation von Kletternden neu treffen muss.
Das Entfernen der Bohrhaken polarisiert. Manche finden es toll, andere richtig schlecht.
Silvan Schüpbach
Hier gehts zum Film auf YouTube:
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Credits: Alle Bilder: John Thornton

