Sieben Teile aus der Summit Series von The North Face, eine Woche im Mont-Blanc-Massiv: Wie performt die Serie im alpinen Einsatz? Unsere Redakteurin Gwen hat die Kollektion auf Hochtouren und in Mehrseillängen getestet und dabei festgestellt, dass das beste Kompliment an Bergbekleidung ein ziemlich unspektakuläres ist.
Eine Woche Chamonix, das heißt Hochtouren und Klettern bis die Muskeln einen zum Ruhetag zwingen, denn die Touren im „alpinen Mekka“ enttäuschen nicht. Gletscher, Gipfel und griffiger Gneis, dazu noch Traum-Konditionen: Sonnig und frischer Wind. Wir waren rund um die Aiguille du Midi unterwegs. Außerdem noch mehrere Tage in diversen Mehrseillängen im Index-Gebiet an der Flégère. Kein Härtetest für die Kollektion, aber definitiv genug Touren um sie auf Herz und Nieren zu testen.

Die Jacke: Summit Off Width
Mein Lieblingsteil der Kollektion, und vielleicht sogar meine neue Lieblingsjacke. Die Summit Off Width Jacke war auf Hochtouren (fast) den ganzen Tag meine äußerste Schicht. Bei den milden Temperaturen, ohne Niederschlag oder Schnee und in Bewegung wäre eine Hardshell Jacke mir schnell zu warm geworden.
Das Material ist WindWall, 170 g/m², 89 % recyceltes Nylon mit 11 % Elastan. Das WindWall-Prinzip ist der Grund, warum ich von dieser Serie überhaupt so begeistert bin: Es hält den Wind zuverlässig ab und speichert Wärme, ohne dass man überhitzt. In Rückenmitte und Unterarmen sitzt ein deutlich leichteres FlashDry-Panel mit 91 g/m². Das ist die eingebaute Belüftung. Deshalb kann man die winddichte Jacke den ganzen Tag tragen, ohne darin zu kochen.

Weiter geht es mit dem Schnitt: Ärmel exakt bis zum Handgelenk, sauberer Abschluss an der Hüfte. Verglichen mit einer Hardshell liegt die Jacke wie eine zweite Haut auf. Die Kapuze ist helmtauglich und lässt sich hinten mit einem Gummizug enger ziehen. Was mich außerdem begeistert hat, ist, wie gut sie mit dem Gesicht abschließt: anliegend, aber nicht eng, und kaum Wind, der durchkommt.



Details der Summit Off Width Jacke: sauberer Ärmelabschluss und helmtaugliche Kapuze im Einsatz auf Hochtour und beim alpinen Klettern.
Sie ist extrem dünn und sehr leicht. Beim Abstieg in Flégère, als es unten wieder warm wurde, war sie in Sekunden verstaut. Beim alpinen Klettern und auf Hochtouren ist die Jacke, in meinen Augen, eine super gute Wahl. Der Transparenz halber aber auch der einzige Kritikpunkt: Die Taschen sind mit angelegtem Klettergurt nicht mehr erreichbar. Der Hüftgurt blockiert sie leider. Vom Kauf hält mich dieses Detail aber nicht ab, dafür ist die Jacke tatsächlich einfach zu gut.
Der Baselayer: Summit Pro 120
Der Summit Pro 120 Langarm-Baselayer war an der Aiguille meine wärmende Schicht unter der Windjacke – beim Aufstieg für eine Weile auch die einzige. Er besteht aus DotKnit, einem doppelt gestrickten Gewebe aus 100 % recyceltem Polyester, 132 g/m². Die Konstruktion soll Feuchtigkeit aktiv von der Haut ableiten und nach außen transportieren, und genau das macht sie auch: trotz schwitzen war das Shirt praktisch sofort wieder trocken.

Spannend ist auch das, was The North Face „geruchshemmende Technologie“ nennt. Ich hab den Baselayer mehrere Tage am Stück auf Hochtouren getragen – wie oben beschrieben ist es kein Merino, sondern reine Kunstfaser und trotzdem gab es kein Geruchsproblem.
Das Teil liegt eng an, wie ein Baselayer es soll. Unter dem Klettergurt habe ich keine Naht gespürt, TNF setzt hier auf eine bewusst minimale Nahtkonstruktion, gedacht fürs Tragen unter mehreren Schichten. An den Schultern hätte ich mir das Langarmshirt minimal breiter gewünscht, aber ich habe auch für eine Frau eher breite Schultern.



DotKnit-Gewebe, Daumenlöcher und Reflektoren an Handgelenken und Rücken: die Details des Summit Pro 120.
In Kombination mit einem Fleece-Midlayer und einer Hardshell wird der Baselayer bei mir auch in Zukunft bei kälteren Touren zum Einsatz kommen. Die Wärmeregulierung in dieser Serie gefällt mir nämlich wirklich gut.
Das T-Shirt: Summit High Trail
Das Summit High Trail T-Shirt hatte ich an der Aiguille an, als es etwas wärmer war, um den Vergleich zum Baselayer zu haben. Außerdem trug ich es die meiste Zeit beim Klettern.

Kurz gesagt: Man kann da gut reinschwitzen, es stinkt nicht, es trocknet schnell. Auch hier saß Größe S gut, aber auch hier dieselbe Sache mit den Schultern. Im Zusammenspiel mit dem Rest der Serie ergibt sich ein Layering-System, das über eine ganze Woche schlüssig funktioniert hat.
Die Hose: Summit Off Width
Die Summit Off Width Hose ist eine top Hose für den alpinen Bereich, Punkt. Sie hat mich in einer Woche Dauereinsatz kein einziges Mal gestört. Nichts hat gescheuert, Falten geworfen oder gezwickt. Sie fühlt sich an wie eine zweite Haut.
Bei der Passform wird es für kleinere Frauen interessant. Die Hose gibt es in acht Bundweiten und drei Längen: kurz, standard, lang. Ich habe kurz genommen, und endlich sitzt eine Kletterhose bei mir genau so wie sie soll: Die Summit Off Width kommt mit Oberschenkeln und Hüfte zurecht. Oben schließt sie sauber an der Taille ab, was man mit dem integrierten Gürtel auch noch feinjustieren kann, an den Oberschenkeln sitzt sie nicht zu eng und an den Knöcheln gibt die Hose genau so viel Luft, dass man sie angenehm über die Bergstiefel bekommt. Wer also klein ist und Kurven hat, sollte sich diese Hose definitiv mal ansehen. Die Oberschenkeltasche mit Reißverschluss fand ich besonders gut. Sie wird vom Klettergurt nicht blockiert und ist geräumig genug für Handy oder ähnliches. Die Hose bietet außerdem sehr viel Bewegungsfreiraum, sie fühlt sich fast wie eine Leggings an, nur aus angenehmerem, stark atmungsaktivem Material.

Bei der Summit Off Width kommt ebenfalls die WindWall-Technologie zum Einsatz, ebenso wie ein dünneres, atmungsaktiveres FlashDry-Panel am Oberschenkel als eingebaute Belüftung. An der Aiguille bei fünf bis sieben Grad sorgte das für die perfekte Temperatur in Bewegung und bei Pausen – ohne Baselayer darunter. Wird es kälter oder nasser, gehört ein Baselayer drunter oder man muss auf die Hardshell wechseln.

Nach einer Woche Dauereinsatz sieht sie noch aus wie neu: kein Pilling, keine Risse vom Felskontakt. Mein einziger Kritikpunkt: Die verdeckte Rückentasche erreicht man im Gurt nicht. Ehrlicherweise habe ich sie die ganze Woche nicht einmal wahrgenommen. Die Hose ist für den alpinen Einsatz konzipiert und funktioniert genau in diesem Feld auch wirklich gut: Fürs alpine Klettern und für Hochtouren bekommt sie von mir eine Eins mit Sternchen.
Die Zustiegsschuhe: Verto
Auch über die Verto Zustiegsschuhe kann ich nur gutes berichten. Die Sohle ist eine Vibram Megagrip mit 3,5 mm Stollen. Und Megagrip trifft es: In Geröllfeldern, auf leichten Schneefeldern, auf normalen Wanderwegen – überall gut. Ich konnte springen und steigen, wie ich wollte. Kantengehen funktioniert, Reibung auf Platten ist ebenfalls tiptop. Der Schuh besteht aus einem Obermaterial aus Wildleder. Er hat einen internen Stabilitätsschaft im Mittelfuß und eine verstärkte Gummi-Zehenkappe, die über die Zwischensohle hinausgeht. Bequem war der Schuh tatsächlich vom ersten Tag an. Auch nach längeren Zu- und Abstiegen (zum Teil mehrere Stunden) hatte ich weder Blasen, noch schmerzende Füße.

The North Face gibt „normale Passform“ an, ich würde sie einen Tick kleiner einordnen, denn bei mir hätten sie noch minimal größer sein dürfen. Im Zweifel anprobieren. Was ich nach einer Woche nicht beurteilen kann ist, wie lange das Wildleder-Obermaterial im Dauereinsatz durchhält. Das wäre ein Fall für einen Langzeittest.

Die Socken: Trail Run Merino Crew
Die Trail Run Merino Crew Socken sind eigentlich fürs Trailrunning gemacht, haben sich aber auch am Berg gut geschlagen. Sie sitzen eng, rutschen nicht, und die leichte Verstärkung am Knöchel sowie die Kompression sind mir angenehm aufgefallen.
Ich hab sie auch in meinen Bergstiefeln (La Sportiva Aequilibrium) auf der Midi getragen: Sie reichen knapp hoch genug und rutschen nicht runter. Zwei Tage am Stück im Gebrauch (darf man das zugeben?) mit Auslüften über Nacht – geruchlich unauffällig.
Der Rucksack: Phantom 38
Beim Phantom 38 muss ich kurz ausholen. The North Face positioniert ihn als Rucksack fürs Skibergsteigen und tatsächlich kenne ich ihn auch aus eben diesem Bereich: Ein Freund hatte ihn Anfang des Jahres auf einer Splitboardtour im Pitztal dabei und ich war damals schon sehr überzeugt.

Er ist ultraleicht, und man merkt es. Das Material ist 210D recyceltes Nylon mit Spectra Ripstop, der Boden zusätzlich TPU-beschichtet. Spectra ist eine ultrahochmolekulare Polyethylenfaser, gewichtsbezogen stärker als Stahl – als Ripstop-Gitter eingewebt verhindert sie, dass Risse weiterlaufen. Das ist der Trick hinter „superdünn und trotzdem robust“.
Nach einer Woche Dauereinsatz hat der Rucksack zwei kleine Löcher an der Seite. Woher die kommen, kann ich mir nicht wirklich erklären. Stört mich nicht weiter, ich flicke die sie einfach zu – aber es ist aufgefallen und so konnte ich mir zumindest die Ripstop-Technologie mal genauer ansehen. Der Ripstop verhindert tatsächlich sichtlich, dass die Risse sich fortsetzen; gegen punktuelle Durchstiche hilft es aber leider nicht.

Was mich von Anfang an (also schon bei der Splitboard-Tour im März) überzeugt hat: die Möglichkeiten ihn zu packen und die Vielfalt der Außenschnallen. Man kann außen alles auf- und zumachen und dranclipsen. Für Eisäxte oder Eisgeräte ist es super, dass sich die Verschlussriemen komplett öffnen lassen. Der Pickel sitzt am Rucksack wirklich fest und wird ohne zerren und zurren befestigt. Beim Seil geht es ebenso gut. Hier merkt man deutlich, dass der Rucksack für die Berge gemacht ist, und dass an Skibergsteiger:innen gedacht wurde: Ski wie Splitboard bekommt man ebenfalls ohne große Probleme am Phantom befestigt.




Oben: So lässt sich Ausrüstung außen am Rucksack befestigen. Unten: Das Trinksystem mit Platz für eine Drei-Liter-Blase war an manchen Tagen mein bester Freund.
Außerdem bietet der Rucksack Platz für eine Trinkblase mit Trinksystem, eine kleine Hüftgurttasche für Sonnencreme oder Snacks und hat 360-Grad-Reflektoren. Ein Detail, das ich außerdem smart finde: Man kann die Deckeltasche nach innen einpacken und den Rucksack trotzdem gut verschließen, so komprimiert er schön. Man kommt an alles ran, wenn man smart packt. Zwei Einschränkungen aber: Packt man die Deckeltasche nach innen statt oben drauf, kommt bei Regen oder Schnee Wasser in den Rucksack – lösbar, indem man sie oben lässt, dann sieht der Rucksack aber eventuell nicht aus wie aus dem Werbekatalog. Außerdem muss man ihn generell sehr ordentlich packen, damit er in Form kommt.
Für Ski- und Hochtouren ist er wirklich top: Leicht, vielseitig und angenehm zu tragen. Das Preisargument spricht hier übrigens auch klar für ihn.
Die Kollektion – kurz und knapp:
Was mir an der Serie so gefällt, lässt sich auf zwei Dinge eindampfen: WindWall und die Leichtigkeit des Materials. Es trägt sich wahnsinnig angenehm, es ist leicht, es ist dünn und es reguliert trotzdem Wärme, hält Wind ab und atmet. Diese Kombination bekommt man nicht geschenkt, aber am Berg fand ich sie ziemlich stark. Meine Lieblingsteile? Die Jacke, definitiv. Und wahrscheinlich auch die Hose.

Beim Schreiben dieses Berichts habe ich mich gefragt, was denn nun der prägendste Eindruck war, den die Summit Series bei mir hinterlassen hat. Und tatsächlich ist es der unspektakulärste: Ich musste die ganze Zeit nicht über meine Ausrüstung nachdenken, sondern war einfach zufrieden. Bei Bergbekleidung ist das eigentlich das höchste Lob.
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