Kurz vor dem Beginn der Saison steht der Betrieb am Mount Everest still. Ein rund 30 Meter hoher Serac versperrt die Normalroute durch den Khumbu-Eisbruch und zwingt die Icefall Doctors, ihre Arbeit einzustellen. Im Basislager warten bereits hunderte Bergsteiger:innen auf grünes Licht.
Stand: 28. April 2026
Schlüsselpassage durch Serac gesperrt
Am 10. April 2026 entdeckten die Icefall Doctors – jenes erfahrene Sherpa-Team, das Jahr für Jahr die Normalroute zum Dach der Welt durch den Khumbu-Eisbruch einrichtet – einen instabilen Eisblock, etwa 300 Meter unterhalb von Camp 1. Der Serac ist laut Berichten ungefähr 30 Meter hoch und hängt direkt über der geplanten Aufstiegslinie zu Camp 1. Am 24. April erklärten die Behörden den Abschnitt offiziell für unpassierbar. Seither ruhen die Arbeiten an Fixseilen und Leitern. Eine sichere Umgehung gibt es bislang nicht.

Drohnen und 3D-Modelle gegen den Serac
Laut Adriana Brownlee, Mitinhaberin der Expeditionsfirma AGA Adventures, setzen die Icefall Doctors neben ihrer langjährigen Erfahrung auch auf moderne Technik, darunter Drohnen und 3D-Bildgebung, um den Serac zu vermessen und besser einschätzen zu können, wann er kollabieren könnte.
Erinnerung an 2014
Der Khumbu-Eisbruch ist die berüchtigtste Passage der Südroute. Der Gletscher fliesst hier täglich knapp einen Meter talwärts, ständig öffnen sich neue Spalten, ständig kippen Eistürme. Am 18. April 2014 starben hier 16 Sherpas, als ein Serac kollabierte. Auch im Herbst 2019 musste Garrett Madison von Madison Mountaineering eine Expedition wegen eines instabilen Seracs abbrechen. Gelje Sherpa, ehemaliger Icefall Doctor und Mitgründer von AGA Adventures, weist gegenüber CNN darauf hin, dass die Klimaerwärmung die Lage verschärft habe: Der Eisbruch sei heute deutlich gefährlicher als noch vor wenigen Jahren.
Sorge um Stau am Everest
Trotz der erhöhten Permit-Gebühr von 15.000 US-Dollar (zuvor 11.000) hat Nepal in dieser Saison bereits 410 Besteigungsgenehmigungen ausgestellt. Da die Nordseite in Tibet weiterhin geschlossen ist, konzentriert sich der gesamte Gipfelverkehr auf die Südroute. Üblicherweise ist die Route durch den Eisbruch ab Mitte April fixiert, sodass die Akklimatisationsrotationen beginnen können. Erste Gipfelerfolge fallen meist auf die ersten Maitage. Aktuell liegt man rund zwei Wochen hinter dem Zeitplan.
Eine aktuelle Entwicklung könnte einen Durchbruch bringen: Wie der Expeditionsveranstalter Imagine Nepal auf Instagram berichtet, hat ein gemischtes Team den blockierenden Eisblock überstiegen und in Richtung Lager 1 Leitern und Fixseile installiert. Mit dabei waren drei Sherpas von Imagine Nepal – Pema Waiba, Dawa Tenzing und Dipen Gurung – sowie Saila Mingma von AltiPro, Phuri Kitar von Elite Exped und der polnische Alpinist Bartek Ziemski. Kurz vor Lager 1 musste das Team wegen eines Whiteouts umkehren. Laut Imagine Nepal ist die Route »fast komplett«.
Die Einschätzung ist allerdings nicht unumstritten: Die offiziellen Icefall Doctors und das von der Expedition Operators Association entsandte Team hatten zuletzt erklärt, keine sichere Linie gefunden zu haben. Auch Saila Mingma selbst äußerte sich gegenüber ExplorersWeb zurückhaltend: Wegen schlechter Sicht habe man die Route noch nicht abschließend bewerten können. Eine offizielle Freigabe durch die Icefall Doctors bzw. das Sagarmatha Pollution Control Committee (SPCC) steht weiterhin aus.
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