Der für seine Vorliebe für Trad-Touren und Expeditionen by fair means bekannte Schweizer Kletterer und Bergsteiger Silvan Schüpbach hat im heimischen Gefilde zugeschlagen. Gemeinsam mit Janluca Kostner, respektive mit Michel Kipf und Tizian Tobler hat er im Berner Oberland zwei neue Mixedrouten erstbegangen.

„Die anhaltend tiefen Temperaturen liessen mich diesen Winter Bergsteiger-Ziele in tiefen Lagen suchen“, erzählt Silvan Schüpbach. So habe er im Februar und im März zwei grosse Nordwände klettern können, die wahrscheinlich noch unbegangen waren.

Ämighorn Nordwand, 1000 Meter, M6+

„Die Ämighorn-Nordwand thront beeindruckend über dem Kiental“, erzählt Schüpbach. Und seit Jahren staune er, dass sie wahrscheinlich noch niemand geklettert habe. Dies wollten er und Seilpartner Janluca Kostner ändern.

Am 5. März ziehen sie los. Im Trittschnee im unteren Wandteil kommen sie gut voran. „Ein paar kurze Mixedstellen kosteten etwas Zeit, aber um 17 Uhr waren wir dann beim geplanten Biwakplatz.“ Weil es kalt und auch noch hell ist, klettern sie noch eine Seillänge und fixieren diese mit dem Seil. Den Schlafplatz beschreibt Schüpbach zwar als sehr komfortabel. Die Nacht sei mit -20°C aber sehr unangenehm gewesen.

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Sie sind darum froh, am nächsten Morgen endlich wieder losklettern zu können. Der obere Wandteil stellt sich als sehr anspruchsvoll heraus. „Die offensichtliche Rinne, der wir folgten, war nicht wie erwartet ein Kamin, sondern eine plattige Rinne.“

„Die offensichtliche Rinne, der wir folgten, war nicht wie erwartet ein Kamin, sondern eine plattige Rinne.“

Silvan Schüpbach

100 Meter vor dem Gipfel hat es ein paar sehr schöne Verschneidungen, die direkt zum Gipfel führen. Schüpbach und Kostner entscheiden sich aber für die schnellere Variante über Schneebänder nach rechts zum Gipfelgrat. Anschliessend seilen sie über die Wand ab, da sie ihr Biwakmaterial zurückgelassen haben. Ein Abstieg über die Westflanke schien aber auch möglich zu sein.

Silvan Schüpbach empfiehlt Wiederholenden, eigenes Material für Abseilstände mitzunehmen. „Unsere sind sehr minimalistisch, teilweise sind wir auch abgeklettert.“ Zudem betont er, dass das Ärmighorn im Jagdbanngebiet liege. „Das bedeutet, dass Schneesport ausserhalb definierter Routen verboten ist, Campieren ebenfalls.“ Zudem dürften für den Zustieg keine Schneesportgeräte verwendet werden.

Nüschleten Nordwand, 1100 Meter, M4

Fünf Kilometer hinter dem Haus von Silvan Schüpbach steht der Nüschleten. Lange Zeit hat er den Berg nicht beachtet. Erst auf einer Feierabend-Skitour fällt ihm die logische Linie durch die Nordwand auf: Eine Steilrinne mit senkrechten Aufschwüngen und einem tief eingeschnittenen Couloir in der Wandmitte. Die regelmässigen Lawinenabgänge sorgen für perfekten Trittschnee, aber auch entsprechende Gefahren.

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Am 26. Februar ist die Lawinengefahr sehr tief. Da Silvan Schüpbach zu dieser Zeit Berner Oberländer Nachwuchsbergsteiger ausbildet, nutzt er die Gelegenheit, um die Wand mit Michel Kipf und Tizian Tobler zu klettern. „Die beiden Jungen kletterten alles im Vorstieg und ich konzentrierte mich aufs Coaching.“ Die Kletterei bereitet dem Trio grossen Spass. In griffigem Schnee, gefrorenem Gras und ein paar Mixed-Seillängen kommen sie gut voran.

„Die beiden Jungen kletterten alles im Vorstieg und ich konzentrierte mich aufs Coaching.“

Silvan Schüpbach

„Die Aussicht aus der düsteren Wand auf den blauen Thunersee und die grünen Weiden sorgen für ein spezielles Ambiente“, schwärmt Schüpbach. Die letzten 300 Meter der Tour sind deutlich einfacher und so verstauen die Drei ihre Seile im Rucksack.

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Credits: Titelbild Silvan Schüpbach

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