Aidan Roberts klettert zwei potenzielle 9A-Boulder

Der britische Boulderspezialist Aidan Roberts konnte zwei seiner Langzeitprojekte klettern: Das Midnight Project in Chironico sowie das Helvellyn Project im Lake District. Beide Linien – Midnight und Spots of Time – sind absolute Highend-Boulder und werden als mögliche 9A’s gehandelt.

Aidan Roberts zählt unbestritten zu den besten Boulderern der Welt. Er hat zahlreiche schwierige Boulderprobleme im oberen achten Schwierigkeitsgrad erstbegangen, mit Momentum 8B+ geflasht oder als erster Alphane (9A) wiederholt.

Der Brite ist aber auch bekannt dafür, sich nicht mit Graden zu schmücken, sondern einfach hart zu klettern. Dies hat er in der jüngsten Vergangenheit getan und dabei zwei seiner Langzeitprojekte gelöst.

Rectangle_Knatsch im Magic Wood

Spots of Time: Herausforderung vor der Haustüre

Das Helvellyn Project entdeckte Aidan Roberts 2023 nach einem längeren Aufenthalt in der Schweiz, als er sich eine Herausforderung in der Nähe suchte und diese direkt vor seiner Haustüre im Lake District fand. «Der Boulder ist sehr hart. Glatte, kleine und flache Kanten erfordern gute Bewegungen und eine komplexe Körperspannung», schwärmt Roberts. Er habe einige Tage gebraucht, um die 8-Züge-Sequenz zu verstehen, und noch mehr, um diese Züge auszuführen.

Immer wieder motivieren mich diese einmaligen Klettereien von solcher Schwierigkeit. Klettereien, bei denen die physikalischen Gegebenheiten nahe genug an unseren Grenzen liegen, um so viele Verbesserungen zu erfordern.

Aidan Roberts

Video: Aidan Robert projektiert das Helvellyn Project

Laut UKC investierte Aidan Roberts rund 30 Tage in das Helvellyn Project und begann im Februar mit ernsthaften Versuchen. Das Boulderproblem, das jetzt Spots of Time heisst, entschlüsselte er mehrheitlich alleine. Rund zehn Tage flossen in die Perfektionierung der finalen Sequenz.

Im The Careless Talk Climbing Podcast bezeichnete Aidan Roberts die Erstbegehung von Spots of Time als eine der wichtigsten für ihn: «In Anbetracht meiner bisherigen Klettereien glaube ich, das ich auf diese Erfahrung am stolzesten bin. Ich habe das Gefühl, dass es etwas ganz Besonderes ist, dass ich diesen Boulder so nah an meinem Zuhause gefunden habe.»

Midnight: Maximal am Limit

Das zweite Langzeitprojekt, welches Aidan Roberts erstbegehen konnte, befindet sich in Chironico unweit des Boulders From Dirt Grows The Flowers (8C). Roberts wurde 2022 das erste Mal auf das Midnight Project aufmerksam.

Während eines ausgedehnten Tessin-Trips im Frühling 2023 konzentrierte sich der Brite primär auf diese Linie, welche ziemlich gut seinem bevorzugten Kletterstil entspricht: Kontrollierte Bewegungen aus stabilen Positionen an winzigen Leisten.

Video: Aidan Roberts projektiert das Midnight Project

Nach weiteren Sessions zusammen mit Shawn Raboutou im November 2023 kehrte Aidan Roberts diesen Frühling nach einem harten Wintertraining in die Schweiz zurück und konnte das Midnight Project in seiner dritten Session durchsteigen.

Die Begehung sei jedoch verglichen mit Alphane oder Spots of Time alles andere als mühelos gewesen, sagt Roberts in seinem Podcast. «Es sind viel einfachere Züge dort oben, aber ich habe mich an diesen Griffen total verausgabt. Ich hätte nie erwartet, dass sich diese Züge so am Limit anfühlen würden… wahrscheinlich die härtesten, die ich je beim Klettern gemacht habe.»

Vieles spricht für 9A-Bewertung

Aidan Roberts hat sich noch nicht zum Schwierigkeitsgrad seiner beiden neuen Erstbegehungen geäussert. Klar ist, dass sich Spots of Time und Midnight im absoluten Highend-Bereich bewegen. Gut möglich, dass die Boulderwelt bald um zwei 9A-Linien reicher ist.

Dafür spricht, dass Aidan Roberts, der normalerweise harte Boulder innert kürzester Zeit wiederholt, für seine Verhältnisse ziemlich lange an den Erstbegehungen arbeiten musste. In Spots of Time investierte er ungefähr 30 Tage. Und das Midnight Project bezeichnet er als das Härteste, was er je geklettert ist.

Zieht man den bestätigten 9A-Boulder Alphane als Vergleich herbei und berücksichtigt dabei, dass Aidan Roberts die zweite Begehung verhältnismässig schnell schaffte, so dürften seine zwei neuen Linien kaum einfacher bewertet werden. Wir sind gespannt auf seine Ausführungen.

By the Way: Derzeit probiert Aidan Roberts in Finnland Burden of Dreams. Vielleicht kehrt er bald mit einer weiteren 9A im Gepäck nach Hause zurück und hat entsprechend noch mehr Referenzen in der Beurteilung von schwierigen Bouldern.

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Credits: Titelbild Wedge Climbing

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