Mitte August eröffnete der Bündner Dave von Allmen einen neuen Boulder im Schweizer Bouldergebiet Magic Wood: Shazam.

Angesichts der zahlreichen bereits existierenden Linien könnte man meinen, das Potenzial im Magic Wood sei ausgeschöpft. Das dem nicht so ist, beweisen zahlreiche aktive Kletterinnen und Kletterer immer wieder von Neuem. Einer der aktivsten Kletterer im Magic Wood ist der Bündner Dave von Allmen.

Vor wenigen Wochen gelang ihm die Erstbegehung einer neuen Linie im Magic Wood – eine verdammt lange Linie. Beim neuen Boulder Shazam handelt es sich um einen Highball, denn der Ausstieg befindet sich in rund zehn Metern Höhe. Wir haben mit Dave über seinen jüngsten Coup im Averstal gesprochen.


Wann hast du die Linie entdeckt?
Ich bin neben dem Versuchen einiger meiner schweren Projekte (potentielle Erstbegehungen sowie etablierte Probleme) konstant auf der Suche nach neuen Linien. Die massive Wand oberhalb von «New Base Line» war stets präsent für mich, bisher aber nie ein konkretes Ziel. Da es aktuell oft zu warm für die richtig schweren Sachen ist, habe ich vor rund zwei Wochen beschlossen die Wand wieder mal zu besuchen.

Die Wand ist 10 Meter hoch und eher strukturlos.

Dave von Allmen

An diesem Tag sind wir lediglich einige Minuten der Wand entlang gegangen und haben versucht Linien zu erkennen. Die Wand ist circa 30 Meter breit und hat neben den existierenden alten Linien Potential für mehrere neue Linien. Diese vom Boden aus zu erkennen ist jedoch äusserst schwierig und braucht etwas Vorstellungskraft, da die Wand knapp 10 Meter hoch ist und im Grossen und Ganzen eher strukturlos wirkt. Deshalb habe ich mich eine Woche später einfach mal über die Wand abgeseilt und angefangen zu putzen. Putzen und eine Sequenz durch die Wand zu finden war dann der Inhalt der nächsten drei Tage. Effektiv «entdeckt» war die Linie also erst am Ende dieser harten Arbeit.

Wann hast du damit begonnen, die Linie zu projektieren?
Ich habe bereits während des Putzens stets Sequenzen probiert. Diese haben über die Tage jedoch stets wieder geändert, da sich gewisse Sequenzen kaum zusammenfügen liessen. Am 15. August habe ich dann am Seil begonnen eine konkrete Sequenz zu versuchen, welche sich von einem schwierigen Mantle einige Meter über Boden bis zum Ausstieg klettern liess. Diese Sequenz habe ich dann soweit optimiert, dass ich mich am Samstag 17.8 so weit fühlte, ohne Seil einzusteigen.

Man muss die Züge absolut perfekt ausführen.

Dave von Allment

Ich konnte dann nach einigen Versuchen vom Start am Boden in den Mantle klettern und diesen dann nach etwas herantasten auch machen. Nach dem Mantle steht man auf kleinen Tritten, die ganz okay sind, in der Platte und hat eine der anspruchsvollsten Passagen im ganzen Wald vor sich. Die Griffe sind klein und die Tritte noch kleiner. Man muss diese Züge absolut perfekt ausführen um nicht aus der Platte zu kippen (und nähere Bekanntschaft mit einem der grössten Bäume im Wald zu machen). In diesem Moment muss man sich absolut auf das Nötigste fokussieren und den Plan eiskalt und perfekt durchziehen. Stürzen in der Platte ist keine Option. Deshalb habe ich mich entschlossen «kontrolliert» abzuspringen.

Wann genau hast du die Linie geklettert?
Nach diesem Absprung war mir einerseits klar, dass ich die Linie klettern konnte, andererseits wurde mir klar, dass ich mental besser vorbereitet sein musste. Nach diesem Versuch habe ich also zusammengepackt und bin nach Hause gefahren, um mich mental vorzubereiten.Dieser Prozess ist schwierig zu beschreiben und trotz der Ruhe die man dabei ausstrahlen mag sehr intensiv. Am nächsten Tag, Sonntag 18.8.2019, früh Nachmittags, habe ich «SHAZAM!» dann erstbegangen.

Ich habe zusammengepackt und bin nach Hause gefahren, um mich mental vorzubereiten.

Dave von Allmen

Mit welcher Schwierigkeit bewertest du die Linie?
«SHAZAM!» ist eindeutig der schwerste und vor allem technisch und mental anspruchsvollste Highball den ich bisher geklettert habe. Eine solche Linie mit derart vielseitigen Anforderungen ist kaum im klassischen Sinne zu bewerten. Der mentale Aspekt und die Perfektion die diese Art von Kletterei verlangt wird bei üblichen Bewertungen der reinen «Schwierigkeit» völlig vernachlässigt, sind hier aber essentielle Bestandteile der «Schwierigkeit». Wenn ich das alles in einen Bouldergrad verpacken muss, lautet die Antwort 8a+/8b. 

Wo befindet sich Shazam?
«SHAZAM!» befindet sich rund vierzig Meter oberhalb von «Zilliman» in der Nähe von «New Base Line».

Welchen Tipp gibt’s du potenziellen Wiederholern und Wiederholerinnen?
Keine Flash-Versuche. Am besten mit mir mitkommen, wenn ich dort den rechten Sitzstart-Linkup versuche, dann haben wir mehr Pads. Im Ernst: Ich hatte keine Spotter oder Pad-Sherpas dabei. Während das eine bloss mühsam war, war das andere «dumm». Ich weiss genau was ich tue und hoffe, jeder der sich an solche Linien wagt, tut das auch. Spotter können bei «SHAZAM!» nicht viel machen, aber wichtig sein wenn etwas richtig schief läuft! Mit diesen Infos noch Spotter zu finden ist dann wieder eine andere Sache.

Video: Dave von Allmen bei der Erstbegehung des Highball-Boulders Shazam im Magic Wood

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Credits: Titelbild Dave von Allmen / Video