Zwei Mal 9A in sieben Tagen: Zach Galla räumt ab!

Nachdem Galla sich am 4. Dezember mit einer Wiederholung von »Shaolin« (9A) einen Platz in den Reihen der 9A Boulderer gesichert hat, wiederholt er diese Meisterleistung nur eine Woche später, am 11. Dezember, mit »Return of the Sleepwalker« (9A). Damit tickt er zwei der härtesten Boulder der Welt – innerhalb von sieben Tagen.

Was für ein verdammter Kampf. Kein anderer Boulder hat mich jemals so herausgefordert wie Shaolin. 

Zach Galla

Präzisionsboulder »Shaolin« (9A)

Shaolin wurde 2024 von Sean Bailey im First Creek Canyon in den Red Rocks erstbegangen. Damals war es noch als das »Trieste Project« bekannt, da Shaolin sich am selben Block wie der 8B+ Boulder »Trieste« befindet. Die Linie startet mit einer 8B-Sequenz, die aus fünf Zügen besteht. Danach folgt die Crux: ein dynamischer Sprung an eine schmale Felslippe, gefolgt von einem weiteren Sprung an einen extrem schwer zu haltenden Sloper. Besonders diese beiden dynamischen Züge nach der Anfangssequenz gelten als gradbestimmend und rechtfertigen für die Begeher den vorgeschlagenen Grad 9A.
Im März diesen Jahres, gut ein Jahr nach der Erstbegehung, gelang Noah Wheeler die erste Wiederholung. Er bestätigte den Grad, bezeichnete Shaolin jedoch als eine eher softe 9A.

Zach Gallas erster 9A Boulder 

Zach Galla arbeitete bereits in der vergangenen Saison intensiv an Shaolin. Während der gesamten Zeit im Projekt war er absolut zuversichtlich, dass er den Boulder schaffen würde – doch ein Zug stellte sich ihm immer wieder in den Weg. Vor allem der zweite Sprung wurde zum mentalen und physischen Stolperstein. »Es war unglaublich frustrierend,« schreibt der 25-Jährige auf Instagram. »denn nach so vielen Trainingseinheiten war die Schwierigkeit der Kletterei nicht mehr vor allem körperlicher, sondern auch mentaler Natur.« Als er das Projekt diese Saison wieder aufnahm, änderte sich zunächst wenig: Wieder und wieder stürzte er beim letzten Zug. In seiner vierten Session schaffte der Amerikaner jedoch endlich den Durchstieg.

Als ich endlich den letzten Griff erwischte, war das ein absolut elektrisierendes Gefühl. Mit Sicherheit einer der schwierigsten und besten Boulder, die ich je probiert habe. 

Zach Galla

Return of the Sleepwalker 

Nur eine Woche später folgte der nächste Coup: Galla holte sich mit »Return of the Sleepwalker«, ebenfalls in den Red Rocks, seine zweite 9A. Der Boulder ist eine Sit-Start-Variante des Klassikers »Sleepwalker« (8C+) von Jimmy Webb aus 2019. Daniel Woods eröffnete die deutlich schwerere Low-Start-Version im Jahr 2021 und schenkte den USA damit ihre erste 9A. Die erste Wiederholung gelang Will Bosi im Februar 2024, gefolgt von Noah Wheeler und Simon Lorenzi. Erst im vergangenen Monat hatte Ryuichi Murai die fünfte Begehung verbucht – nun reiht sich Zach Galla als nächster Wiederholer ein. 

Zweimal 9A in nur einer Woche 

Nach dem Durchbruch an Shaolin fiel für Galla spürbar Druck ab: »Shaolin zu klettern fühlte sich an, als wäre mir eine riesige Last von den Schultern genommen worden. Endlich war mein Kopf frei und der ganze selbst auferlegte Druck war weg.« Mit dieser neu gewonnenen Leichtigkeit wandte er sich erneut Return of the Sleepwalker zu – einer Linie, die ihm lange unerreichbar erschienen war. Dieses Jahr jedoch fühlte sich der Boulder für ihn vollkommen anders an. Entscheidend war eine neue Lösung für einen Schlüsselzug: »Ich konnte im Stehen mit der rechten Hand einen Crump erreichen, der vorher einfach unerreichbar war. Dadurch konnte ich einige Untergriffe und die Zwischengriffe für den Schlüsselzug an den Sloper überspringen. Sobald ich meine neue Methode gefunden hatte, konnte ich den Boulder schnell zusammensetzen.«

Ist 9A gleich 9A? 

Besonders spannend ist Gallas Vergleich der beiden 9A-Boulder. Zwar empfand er Return of the Sleepwalker als körperlich anstrengender, doch der Durchstieg gelang schneller als bei Shaolin. »Return fühlte sich härter an, ließ sich aber besser kontrollieren. Shaolin lebt von Präzision – das machte den Durchstieg schwieriger«, erklärt Galla. Auch zur Grad-Diskussion äußert er sich differenziert: Der Unterschied zwischen einer harten 8C+ und einer soften 9A sei minimal und stark von individuellen Faktoren abhängig. Für ihn steht jedoch fest, dass sowohl Return als auch Shaolin im Vergleich zu 8C+ eine klare Steigerung darstellen.
»Unabhängig von den Zahlen gehören beide zu den schwierigsten und besten Bouldern, die ich je geklettert bin. Dass mir beide innerhalb einer Woche gelungen sind, fühlt sich an wie ein Traum.« Mit zwei 9A-Begehungen in kürzester Zeit hat Zach Galla eindrucksvoll unterstrichen, dass er zu den ganz Großen der aktuellen Boulderelite gehört.

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Credits: Titelbild: Archivbild – Zach Galla in 8C+ »the Process«

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