Am 10. und 11. März nimmt der Stefan Glowacz Interessierte mit auf eine multimediale Reise. In den schweizer Kinos Rex in Thun und Arena Cinemas in Basel zeigt er den Film seines jüngsten Abenteuers, dem Projekt Wallride. Wir haben im Vorfeld mit dem Profi-Abenteurer und Extremkletterer gesprochen.

„Mit dem Rad zur Arbeit“ – Das Projekt „Wallride“ von Stefan Glowacz setzt sich als Abenteuer aus über 2500 Kilometern und 50.000 Höhenmetern, mit Kletter-Erstbegehungen in drei Ländern zusammen. Zur Arbeit, das bedeutet für einen Profi-Abenteurer und Extremkletterer meist: in die Berge, zu einer Felswand. Oft in abgelegenen Regionen am Ende der Welt, als Expedition.

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Haben sich mit dem Projekt Wallride eine Herausforderung unweit der eigenen Haustüre gesucht: Stefan Glowacz und Philipp Hans. Foto Stefan Glowacz

Stefan, wenn du heute an das Projekt Wallride zurückdenkst, welche Gefühle und Erinnerungen kommen dir als erstes in den Sinn?

Der Rückblick auf ein abgeschlossenes und erfolgreiches Projekt ist immer wieder mit der Genugtuung verbunden, etwas Aussergewöhnliches geschafft zu haben. Die Ideen für solch komplexe und zeitaufwändige Unternehmungen umzusetzen, sind immer mit vielen Fragezeichen verbunden. Umso mehr freut es einen danach, trotz dieser vielen Fragezeichen, Bedenken und Unsicherheiten das Projekt durchgezogen zu haben.

„Der Wallride war die Erfüllung eines Kindheitstraumes.“

Stefan Glowacz

Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an die eine oder andere Anekdote vom Wallride denke. Sei es das Biwak an der Croda Bianca während unserer Erstbegehung in den Dolomiten, die Abfahrt hinunter ins Engadin über perfekt ausgebaute Flowtrails, oder die Ruhe kurz vor dem Sonnenuntergang irgendwo hoch oben in den Alpen. Der Wallride war die Erfüllung eines Kindheitstraumes.

Ist dein erster Impuls eher: «Ja klar, ich würd morgen grad wieder auf den Sattel springen» oder «na, war schön und gut, jetzt aber lieber was anderes»?

Sofort wieder! Klettern ist zwar meine „Kernsportart“ und meine nach wie vor grösste Leidenschaft, aber gleich danach kommt die Begeisterung fürs Rennradfahren. Obwohl sich beide Disziplinen nicht gerade gegenseitig befruchten, steckt in der Kombination ein grosser Reiz und viel Potential. Philipp Hans und ich bereiten im Moment bereits das nächste Projekt in dieser Kombination vor. Ihr dürft gespannt sein.

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Grenzen ausloten und Hindernisse überwinden: Stefan Glowacz in unwegsamen Gelände.

Fühlt sich ein Abenteuer wie das Projekt Wallride für dich anders an als beispielsweise eine grössere Expedition fernab, die sehr viel Manpower und Ressourcen bindet?

Wallride begann direkt vor der Haustüre und war von der ersten bis zur letzten Pedalumdrehung eine sportliche, logistische und vor allem eine mentale Herausforderung. Diese Unmittelbarkeit hast du sonst bei keinem anderem Expeditionsformat. Natürlich kann man den Wallride nicht mit unseren Grönlandexpeditionen 2018 und 2019 vergleichen.

„Ich bin neugierig auf das für mich Unbekannte hinter dem Horizont; darauf, was ich noch gerne sehen und erfahren möchte.“

Stefan Glowacz

Aber genau diese Vielseitigkeit und Andersartigkeit ist mein grösster Antrieb. Ich fahre nicht gerne zwei Mal an den gleichen Berg. Ich bin neugierig auf das für mich Unbekannte hinter dem Horizont; darauf, was ich noch gerne sehen und erfahren möchte.


Vortrag «Projekt Wallride»

Stefan Glowacz zeigt sein Projekt in zwei ausgewählten Schweizer Kinos. Die Events sind kostenlos.

Termine und Anmeldung

  • Kino Rex, Thun
    Donnerstag, 10. März 2022,
    20.00 bis ca. 22.00 Uhr
  • Arena Cinemas, Basel
    Freitag, 11. März 2022,
    20.00 bis ca. 22.00 Uhr

Du bist bereits 2018 mit Philipp Hans in einem ähnlichen Stil unterwegs gewesen. Seit wann begleitet dich dieser by-fair-means-Gedanke?

Das begann mit meiner ersten Expedition unter diesem Aspekt 1993 in den Cirque of the Unclimbables in Canada. Seither versuchte und versuche ich immer wieder, den Aspekt des bewussten Verzichts auf künstliche Hilfsmittel in meine Expedition zu integrieren.

Die Fragestellung, wie ich am geschicktesten aus eigener Kraft vom letzten Zivilisationspunkt an eine fernab gelegene Wand komme, um eine schwierige Erstbegehung daran zu klettern, ist für mich Ausdruck für ein kreatives Abenteuer.

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By fair Means: Diesen Gedanken versucht Stefan Glowacz bereits seit 1993 in seine Expeditionen zu integrieren.

Ist dies ein Weg, respektive ein Stil, den du auch zukünftig noch stärker verfolgen willst?

Ich schliesse nicht aus, mich auch mal wieder in ein Flugzeug zu setzen, um an einer anderen Ecke der Welt durch eine schwierige Wand auf einen Berg zu klettern. Aber mein Fokus liegt ganz klar auf dem „by fair means“ Aspekt.

Auf eurem Abenteuer habt ihr in den östlichen Dolomiten und in den französischen Alpen Neuland begangen. Nach welchen Kriterien habt ihr genau diese Erstbegehungen ausgewählt?

Ich wollte schon immer einmal eine Erstbegehung in der Marmarole Gruppe der Dolomiten klettern. Dieser Teil der Dolomiten ist bei Kletterern ziemlich in Vergessenheit geraten. Der Pic de Bure in den französischen Seealpen ist ein unglaublich schöner Berg mit grosser Historie.

Für mich spielt die Ästhetik eines Berges und einer Wand eine entscheidende Rolle bei der Auswahl meiner Ziele. Ich bin noch nie durch eine Wand geklettert nur weil sie einen grossen Namen hat.

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Bei Erstbegehungen – wie hier mit Seilpartner Philipp Hans – spielt die Ästhetik einer Linie für Stefan Glowacz eine grosse Rolle.

Kannst du schildern, was da bei dir alles im Hintergrund abläuft, während du solche Erstbegehungen planst?

Sobald ich Bilder von grossartigen Wänden und Bergen sehe, kribbelt es bei mir sofort in den Fingern und ich fange an, imaginäre Erstbegehungen in die Wand zu zeichnen. Wie gesagt spielt die Ästhetik für mich eine tragende Rolle. Nicht nur bei der Auswahl einer Wand oder eines Berges, sondern vor allem bei der Linienführung einer Erstbegehung.

Die Diskrepanz zwischen Planung und effektiver Situation vor Ort wird vermutlich relativ gross sein. Was ist bei euch wie erhofft eingetroffen und wo musstet ihr komplett improvisieren?

Genau dieser Aspekt macht jede Expedition so unglaublich spannend. Natürlich ist es wichtig, jede Unternehmung so professionell und detailliert wie nur irgendwie möglich zu planen. Aber um ein komplexes Unternehmen erfolgreich abzuschliessen, bedarf es sehr viel Flexibilität und Mut für schnelle Korrekturen, Anpassungen und Entscheidungen. Beim Wallride hat sich kein einziger Tag so gestaltet, wie wir ihn geplant hatten.

„Ich sehe mein Leben als eine Aneinanderreihung von Augenblicken und unvergesslichen Erlebnissen. Rückblickend betrachtet, hatte ich bis jetzt ein unglaublich erfülltes und selbstbestimmtes Leben.“

Stefan Glowacz

Was nimmst du persönlich aus dem Projekt Wallride mit?

Ich sehe mein Leben als eine Aneinanderreihung von Augenblicken und unvergesslichen Erlebnissen. Rückblickend betrachtet, hatte ich bis jetzt ein unglaublich erfülltes und selbstbestimmtes Leben. Wenn ich in die Zukunft blicke, dann habe ich, wenn es gut geht, vielleicht noch 20 gute Sommer. Das ist nicht mehr so viel Zeit. Daher lebe ich noch intensiver und bewusster mein Lebensmotto: Lebe Deine Träume und träume sie nicht nur.

Am 10./11. März 2022 kann man dich in Thun und Basel live erleben. Worauf darf man sich freuen?

In Basel und in Thun zeige ich zum ersten Mal den Film Wallride. Er befindet sich gerade in den letzten Zügen der Fertigstellung. Die Zuschauer erwartet ein lustiger, nachdenklicher, inspirierender und spannender Film. 


Vortrag «Projekt Wallride»

Stefan Glowacz zeigt sein Projekt in zwei ausgewählten Schweizer Kinos. Die Events sind kostenlos.

Termine und Anmeldung

  • Kino Rex, Thun
    Donnerstag, 10. März 2022,
    20.00 bis ca. 22.00 Uhr
  • Arena Cinemas, Basel
    Freitag, 11. März 2022,
    20.00 bis ca. 22.00 Uhr

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Credit: Titelbild Stefan Glowacz

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