Gebrochene Rekorde, sechs deutsche Medaillen und Spannung bis zum Schluss: Das war die WM in Seoul, Südkorea. Alle Ergebnisse aus den vier Disziplinen auf einen Blick.
Vom 20. bis 28. September wurden bei den 19. IFSC Climbing World Championships und den 9. Paraclimbing World Championships in Seoul Wettkämpfe im Paraclimbing, Lead, Speed und Bouldern ausgerichtet. Wir haben euch die wichtigsten Ergebnisse der Woche und aller Disziplinen zusammengefasst.
Janja Garnbret holt Doppel-Gold in Boulder & Lead
Nur wenige dürften an ihr gezweifelt haben: Mit einem souveränen Auftritt zeigte Janja Garnbret erst im Lead und dann im Bouldern, dass der Weltmeister-Titel in beiden Disziplinen ihr gehört. Die Slowenin kletterte im Lead-Finale als einzige Athletin bis zum Top und sicherte sich schon wie 2019 in Hachioji und 2016 in Paris die WM-Goldmedaille. Einen Tag später ließ Garnbret auch beim Bouldern nichts anbrennen und verteidigte mit dem einzigen Top an W4 ihren Weltmeistertitel aus Bern zwei Jahre zuvor.
Ein ganz besonderer Titel. Nach Olympia 2024 wusste ich nicht, ob ich noch ein Jahr mit so viel Wettkampfdruck aushalte.
Janja Garnbret
Garnbret etablierte sich im Lead vor ihrer Teamkollegin und der Jugendweltmeisterin von 2024, Rosa Rekar, die wiederum Lokalmatadorin Chaehyun Seo auf Platz 3 verwies. Mit Erin McNeice, Annie Sanders und Zélia Avezou waren auch Großbritannien, die USA und Frankreich im Lead-Finale vertreten. Lucka Rakovec nahm als dritte Finalistin aus dem starken slowenischen Team teil.

Dramatisches Boulder-Finale für Oriane Bertone
Das Boulder-Finale der Damen blieb spannend bis zum Schluss: Frankreichs Oriane Bertone baute mit ihren Flashes der ersten drei Boulder früh Druck auf ihre Konkurrenz auf und kam dem Weltmeistertitel kurz zum Greifen nah. Trotzdem sollte ein Top an W4 einfach nicht sein – und die Französin ließ die Tür offen für Garnbret, die als einzige Finalistin alle Boulder toppte. Das Podium teilten sich Garnbret und Bertone mit US-Athletin Melina Costanza, die ihre erste Erwachsenen-WM mit Bravur bestritt.

Sorato Anraku sichert sich Weltmeister-Titel im Bouldern
Das Boulder-Drama für Team Frankreich sollet sich beim Finale der Herren am Sonntag noch einmal wiederholen: Mejdi Schalck toppte die ersten drei Boulder schneller als seine Rivalen Sorato Anraku und der Liebling des koreanischen Publikums, Dohyun Lee. Trotzdem blieb der goldbringende Top an M4 für den Franzosen aus – und Anraku zögerte nicht, den Sack im zweiten Versuch zuzumachen. Es ist der erste Weltmeistertitel des 18-jährigen Japaners, der im Lead auf Platz 10 knapp das Finale verpasste.
Ich wusste, dass ich den letzten Boulder machen muss und bin froh, das geschafft zu haben. Normalerweise werde ich da immer nervös, aber dieses Mal ging es gut.
Sorato Anraku

Dohyun Lee gewinnt vor Heimpublikum im Lead
Im Lead sicherte sich ein Dohyun Lee in Topform den Highpoint von 43+ gemeinsam mit Satone Yoshida. Weil Lee im Halbfinale weiter geklettert war als der Japaner, bescherte der Gleichstand im Finale dem Koreaner seinen ersten Weltmeistertitel – vor einem begeisterten Heimatpublikum in Seoul. Es ist zudem die erste WM-Medaille im Lead für einen männlichen Athleten aus Südkorea. Lee beendete seine erfolgreiche WM später mit einer Bronzemedaille im Bouldern.
Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Das ist meine Heimatstadt und meine Eltern und Freunde sind hier – das bedeutet mir so viel.
Dohyun Lee
Team Japan stellte mit Taisei Homma und Neo Suzuki zwei weitere Lead-Finalisten, ergänzt um Spaniens Alberto Ginés López, Italiens Giovanni Placci und Frankreichs Sam Avezou, der wie seine Schwester Zélia auf Platz 6 kletterte. Jakob Schubert aus Österreich strebte im Finale sein drittes WM-Gold in Folge an, landete aber durch einen frühen Fußrutscher auf Platz 7.

Zweimal Boulder-Finale für Deutschland
Mit 35 Athlet*innen in allen vier Disziplinen war Team Germany in Seoul breit aufgestellt. Im Lead kletterten Yannick Nagel und Anna Maria Apel bis ins Semifinale, das Lead-Finale blieb jedoch ohne deutsche Präsenz aus. Anders im Bouldern: Mit zwei Tops im Halbfinale sicherte sich Apel knapp den Einzug ins Finale, wo sie sich auf Platz 6 verbessern konnte.
Bei den Herren boulderte sich Thorben Perry Bloem als Siebter ins Finale und konnte dort seine Platzierung halten. Die restlichen Boulder- und Lead-Starter*innen von Team Germany waren zuvor in der Qualifikation der extrem stark besetzten WM ausgeschieden.
Speed: Damen-Weltrekord, Silber für Carmanns
Beim Speed-Klettern purzelten in Seoul über wenige Tage hinweg die Rekorde: Aleksandra Miroslaw brach ihren eigenen Weltrekord mit einer neuen Bestzeit von 6,03 Sekunden – und kratzte so nah wie nie an der 6-Sekunden-Marke. Die polnische Ausnahmekletterin und Olympiasiegerin aus Paris sicherte sich in Seoul ihren dritten WM-Titel.
Im Speed-Finale der Herren holte Leander Carmanns die einzige deutsche Medaille der WM außerhalb des Paraclimbings. Der 20-jährige Düsseldorfer musste zwar mit Silber hinter Jianguo Long aus China zurückstecken, stellte aber im Achtelfinale mit seiner persönlichen Bestzeit von 4,86 Sekunden einen neuen deutschen und europäischen Rekord auf.
Fünf deutsche Medaillen im Paraclimbing
Bei der 9. Paraclimbing-WM wurden Medaillen in 19 Starterkategorien vergeben. Ein starkes deutsches Team konnte davon zwei Goldmedaillen, eine Silbermedaille und zwei Bronzemedaillen für sich verbuchen. Die verschiedenen AU-Kategorien beschreiben Einschränkung oder Amputationen der oberen Gliedmaßen der Teilnehmenden, die B-Kategorien beinhalten Starter*innen mit Sehbehinderungen. In den RP-Kategorien starten Athlet*innen mit neurologischen bzw. physiologischen Einschränkungen.
- Gold: Kevin Bartke, AU2
- Gold: Rosalie Schaupert, AU3
- Silber: Korbinian Franck, RP1
- Bronze: Philipp Hrozek, RP2
- Bronze: Luisa Grube, B2
Nächste WM: Brno 2027
Die World Championships finden anders als der Weltcup nur alle zwei Jahre statt. Als Austragungsort für 2027 wurde bereits Adam Ondras Heimatstadt Brno in Tschechien bekanntgegeben.
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Credits Titelbild: Emiliano Villani/IFSC

