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Dem Deutschen Profikletterer David Firnenburg gelingt die zweite Begehung der Route L’isola che non c’è. Die Route liegt in einer Höhle bei Amden und wurde von Fred Nicole vor knapp 10 Jahren, am 14. März 2009, erstbegangen. Wir haben mit David über die Begehung der Route gesprochen. Das Video des Durchstiegs findet ihr am Schluss des Artikels.

Warum hast du die Route L’isola che non c’è als Projekt ausgewählt? Was hat dich an der Route gereizt?
Ich bin das erste Mal auf „Sie“ gestossen, als ich den Film Core von Chuck Fryberger gesehen habe, in dem Fred Nicole in Amden in einer steilen Höhle klettert. In dem Filmabschnitt wird die überhängende Leistenkletterei an feinem Fels, Fred als Meister seines Faches mit ansteckender Aura und die mystisch-verwunschen anmutende Location um die Höhle herum gezeigt. Das hat mich inspiriert und ich wollte Amden auch besuchen kommen. Auch vor dem Hintergrund, da es nur einen Katzensprung von Zürich entfernt ist, wo ich seit einer Weile wohne. Diese Atmosphäre im Film habe ich sofort aufgenommen als ich das erste Mal dort war. Einfach idyllisch und der perfekte Ort, um sich mit voller Konzentration und Ruhe einem schweren Felsprojekt zu widmen.

 

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Die Route ist stark überhängend, sieht ein bissel aus wie Witness the Fitness. Hast du spezifisch für die Route trainiert?
Nein. Ich war mit meinem Bruder Ruben das erste Mal in 2016 in Amden. In 2017 auch ein paar Tage. Und dieses Jahr auch wieder. Ich bin nach Amden immer dann, wenn ich neben dem Hallentraining für die Wettkämpfe (und den dazugehörigen Reisen) und meiner Uni Zeit gefunden habe und das Wetter passte. Es war immer schön, der Stadt zu entfliehen an einen ruhigen Ort mit einem anspruchsvollem Stück Fels. Zum Ende dieses Jahr ist meine Fitness so gut, dass ich wusste, dass ich L’isola zügig klettern kann. Letztes Jahr bin ich bereits in den letzten schweren Zügen gefallen, war damals also schon knapp vor einem Durchstieg. Im Oktober dieses Jahr war ich drei Wochen in Südfrankreich am Fels und habe mir eine gute Ausdauer geholt. Ein paar weitere Wochen mit zusätzlichem Hallentraining für die Deutsche Meisterschaft (DM) im Lead haben meine Form konsolidiert. Der Erfolg mit einem Sieg bei der DM und der Durchstieg von „Classified“ (9a/9a+) im Frankenjura unmittelbar danach haben mich so zuversichtlich gestimmt, dass ich diese Welle der Euphorie mit nach Amden genommen habe und das Teil relativ souverän abhaken konnte. Meine Fitness ist sehr gut, ich durfte nur keine Fehler machen und locker bleiben. Es hat geklappt und der Durchstieg sowie die Zeit in Amden hat mich innerlich wirklich glücklich gemacht. Zur Feier des Tages bin ich noch direkt nach dem Durchstieg in den kalten Fluss gesprungen, so wie ich es meiner Freundin Andrea Kümin versprochen habe.

Im Flachland war es gestern brutal neblig. Wie waren die Bedingungen in Amden bei deinem Durchstieg?
Wie von Zauberhand hat sich bei unserer Ankunft am 15. November 2018 die dichte Nebeldecke geöffnet, es war auf einmal blauer Himmel und Sonnenschein und der Fels komplett trocken. Ich hatte am Morgen noch schlimmeres befürchtet. Dann habe ich mich aufgewärmt, einen Versuch verbraten, weil mein Fuß unerwartet gerutscht ist und danach im zweiten Versuch des Tages die Route durchstiegen. Als wir unsere Sachen zum Abmarsch gepackt haben, hat sich wieder der Himmel zugezogen, der Nebel kam zurück und schlich sich langsam in den Wald und das Bachbett hinein, in dem die Höhle sitzt. Ich musste schmunzeln und war einfach nur dankbar, dass mir eine Chance an diesem Tag gegeben worden ist. Bald wird es auch wieder kälter. Dann frieren mir die Finger bei 25+ Züge ab. Für den milden November bin ich dankbar.

Video von David Firnenburgs Durchstieg der Route L’isola che non c’è

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Credits: Titelbild Lars Scharl

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