Ferien sind zum Klettern da: Leo Cea (13) punktet »Underground« (9a) in Arco

Schulferien bedeuten für Leo Cea vor allem eins: endlich Zeit für schwere Projekte am Fels. Über die Osterfeiertage gelang dem 13-Jährigen mit »Underground« eine der historischsten Touren in Arco – und seine siebte 9a.

Leo Ceas jüngste Begehung steht wohl auf der Wunschliste von vielen Kletterinnen und Kletterern: »Underground« liegt im Sektor Massone und gilt als eine der historischsten Routen in Arco. Unter den Wiederholern sind Top-Kletterinnen und -kletterer wie Laura Rogora, Filip Schenk, Alex Megos, Stefano Ghisolfi, Janja Garnbret oder Adam Ondra. Seit Ostern zählt auch der 13-jährige Leo Cea dazu.

Zum allerersten Mal in Arco war Leo erst vor knapp einem Vierteljahr. Kurz vor Weihnachten punktete er dort innerhalb von nur drei Sessions »Pure Dreaming« (8c+/9a), erstbegangen 2018 von Adam Ondra. Gleichzeitig startete er schon während des Wintertrips erste Versuche in »Underground«, einer der bekanntesten Linien in Arco.

»Underground« ist eine ganz besondere Route. Sie hat mich von Anfang an fasziniert.

Leo Cea
»Underground« liegt in einem ehemaligen Steinbruch – das merkt man der Route an. (Bild: René Cea)

»Underground«: Route mit Kult-Status

»Underground« wurde 1998 von dem Südtiroler Manfred Stuffer erstbegangen und galt lange als schwerste Route Italiens – nach einigen Quellen auch als erste 9a des Landes. Sie liegt in einem ehemaligen Steinbruch im Gebiet Massone und ist daher keine natürliche Linie. Trotzdem ziehen kräftigen und vielseitigen Bewegungen. der rund 20 steilen Klettermeter jedes Jahr ambitionierte Wiederholer an.

Die Route führt durch drei Bouldersequenzen (8A, 7B+, 8A), zwischen denen es jeweils relativ gute Ruhepositionen gibt. Ursprünglich hatte der Erstbegeher für »Underground« den Grad 8c+ vorgeschlagen, aber nach Wiederholungen von Yuji Hirayama, Tomasa Mrazka und Christian Bindhammer wurde die Linie in Richtung 9a aufgewertet. 2020 gelang Alex Megos der bis heute einzige Flash.

Kingline: Leo Cea klettert »Underground«, seine siebte 9a (Bild: @bigwave.tommi)

Gute Vorbereitung zahlt sich aus

Für Leo Cea war auch der historische Stellenwert von »Underground« eine große Motivation, die Route zu probieren. Am meisten forderte in dabei die erste und physisch schwerste 8A-Schlüsselstelle. »Es war nicht einfach, meine eigene Beta zu finden«, erzählt der 13-Jährige. »Die Methode, die Erwachsene normalerweise benutzen, hat für meine Körpergröße nicht funktioniert.«

Das sind sehr kräftige Bewegungen, bei denen man gleichzeitig extrem präzise sein muss.

Leo Cea

Nach ersten Versuchen in den Weihnachtsferien reiste Leo im Februar erneut an – dieses Mal nur für »Underground«. Aber das Frühjahrswetter spielte so wenig mit, dass er gar nicht alle Schlüsselstellen probieren konnte. »Trotzdem hat der Trip sehr geholfen, um die Linie besser zu verstehen«, sagt Leo. Bis zur nächsten Arco-Reise über Ostern stand dann gezieltes Training auf dem Plan.

Die intensive Vorbereitung sollte sich auszahlen: Kaum aus dem Auto ausgestiegen und am Fels angekommen, kletterte Leo Cea am 30. März sein Projekt im zweiten Versuch. »Die Osterferien waren der perfekte Moment, um zurückzukommen«, erzählt Leo. »Das Wetter war gut und ich habe mich sehr gut vorbereitet gefühlt.«

Leo Cea über den Grad: »9a passt für mich«

Was die Schwierigkeit von »Underground« angeht, hält es Leo mit der Mehrheit der Wiederholerinnen und Wiederholer. Zwar wird die Linie auf 8a.nu unter dem ursprünglichen Grad 8c+ geführt, aber die meisten Kletterern bewerten sie als softe 9a. Für Leo steht fest: Bei seiner Körpergröße von 144,5 cm und Spannweite von 150,5 cm passt der höhere Schwierigkeitsgrad.

Ich stimme eher dem Grad 9a zu – genauso wie Klettererinnen wie Laura Rogora, die eine ähnliche Körpergröße haben.

Leo Cea

Nachdem das Hauptprojekt gleich zu Beginn des Trips abgeschlossen war, sammelte er weitere Massone-Klassiker – »Super Maratona« (8b+) im zweiten Versuch und »X-Large« (8c) im dritten Versuch. Mit »Pungitopo« (8c+) sicherte sich der 13-Jährige außerdem eine Linie an der Red Point Wall, die sich zunehmend zum modernen Klassiker entwickelt.

Leo Cea in »Pungitopo« (8c+), einem neueren Arco-Klassiker (Bild: René Cea)

Leo Cea: mit 13 Jahren auf dem Weg zum Profikletterer

Leo Cea ist im Heimatland seines Vaters, Chile, aufgewachsen und zum Klettern gekommen. Seit fast einem Jahr lebt die sechsköpfige Familie im Frankenjura – auch, weil es in Europa mehr Möglichkeiten für den 13-Jährigen gibt, sich in schweren Routen zu versuchen. Dort trainiert der junge Ausnahmekletterer auch gemeinsam mit Alex Megos in der Frankenjura Academy.

Wie lassen sich Klettern auf so hohem Niveau und eine normale Kindheit vereinen? »Uns ist wichtig, Leos Entwicklung altersgerecht zu unterstützen – durch ein Umfeld aus Familie, Trainern und Mentoren«, sagt Vater René Cea. »Auch wenn Leos Kletter-CV natürlich beeindruckend ist, darf man nicht vergessen, dass er seine ganze Jugend noch vor sich hat.«

Während der Schulzeit punktet Leo also regelmäßig harte Touren in Franken, aber in den meisten Ferien geht es für die Familie zu verschiedenen Kletter-Hotspots in Spanien, Italien oder Frankreich. »Aktuell ist das Ziel, dass Leo Routen von 8c bis 9a in möglichst vielen unterschiedlichen Stilen kennenlernt, damit er als Kletterer vielseitig bleibt«, erklärt René Cea. Gefördert wird Leo unter anderem von der gemeinnützigen Benno Kittl Stiftung.

Ziel für 2026: erste 9a+ im Visier

Dass sich Leo Cea zuletzt ausgerechnet »Underground« und »Pure Dreaming« als Projekte ausgesucht hat, ist kein Zufall. Das Linkup beider Routen, »Pure Dreaming Plus«, ergänzt »Pure Dreaming« um den Start von »Underground«. Die rund 50 Meter lange Kombination ist mit 9a+ bewertet – ein Grad, den sich Leo für 2026 selbst als Ziel gesetzt hat.

Ich möchte dieses Jahr gerne meinen Schwierigkeitsgrad weiter steigern und eine 9a+ klettern.

Leo Cea

Die ersten Versuche in »Pure Dreaming Plus« über Ostern liefen zunächst vielversprechend. Kurz darauf kam es jedoch zu einem Griffausbruch in der oberen Crux, der die Route jetzt praktisch unmöglich macht. »Das hat mich schon etwas frustriert«, sagt Leo.

Dass solche Dinge als Kletterprofi aber einfach dazugehören, weiß er längst: »Das ist eben Felsklettern – man muss sich anpassen. Aber genau diese Ungewissheit macht alles lebendiger und noch spannender«.

Leo Cea (13) ist einer der jüngsten Profikletterer der Welt (Bild: René Cea)

Leo Ceas Tickliste wächst weiter

Für seine erste 9a+ wird also eine andere Linie herhalten müssen. Bis dahin wird Leo Ceas Liste an beeindruckenden Begehungen immer länger. Mittlerweile stehen darauf nicht nur sieben 9as, sondern auch 14 Routen im Grad 8c oder 8c+ sowie 23 Linien im Grad 8b oder 8b+.

Leo Ceas schwerste Begehungen (Auswahl):

  • »Víctimas Pérez« (9a), Margalef, 2025
  • »Trip tik tonik« (9a), Gorges du Loup, 2025
  • »Tecnoqueen« (9a), Chile, 2025 (Erstbegehung)
  • »Era Vella« (9a), Margalef, 2024
  • »Tecnoking« (9a), Chile, 2024 (Zweite Begehung)
  • »Underground« (8c+/9a), Arco, 2026
  • »Pure Dreaming« (8c+/9a), Arco, 2025
  • »Pungitopo« (8c+), Arco, 2026
  • »Kawaschuwu« (8c+), Frankenjura, 2026
  • »Puro Contacto« (8c+), Chile, 2024
  • »X-Large« (8c), Arco, 2026
  • »Wallstreet« (8c), Frankenjura, 2025

Uncut-Video: Leo Cea klettert »Underground«

Das könnte dich interessieren

+++

Credits Titelbild: Leo Cea / @bigwave.tommi

Aktuell

Petzl Steigeisen im Test: Leopard, Leopard Hybrid und Dart – für jeden Einsatz das passende Steigeisen

Ich bin mittlerweile seit mehreren Jahren überzeugter Petzl-Steigeisen-Nutzer. Ob auf Skihochtouren, klassischen Hochtouren oder beim Eisklettern – bisher haben mich die verschiedenen Modelle stets zuverlässig begleitet. Umso gespannter war ich auf die neue Steigeisengeneration 2026 mit den Modellen Leopard, Leopard Hybrid und Dart.

Gold für Israel und Frankreich beim letzten Boulder-Weltcup der Saison in Salt Lake City

Beim Boulder-Weltcup in Salt Lake City holte Newcomer Yonatan Katz in seinem ersten Finale überraschend Gold für Team Israel. Bei den Damen gewann Oriane Bertone endlich ihren ersten Weltcup der Saison. Alle Ergebnisse vom Wochenende sowie das finale Gesamtranking im Überblick.

Alpenverein zieht Bilanz: Hüttensommer erneut im Plus

Die Hütten des Österreichischen Alpenvereins steuern nach dem Rekordjahr 2025 auf ein weiteres Nächtigungsplus zu. Die Bilanz zum Hüttensommer 2026 zeigt aber auch: Trockenheit, Stornierungen und No-Shows bleiben Baustellen.

9c – Das sind die härtesten Sportkletterlinien der Welt

Der Schwierigkeitsgrad 9c (5.15d) steht im Sportklettern für die absolute Spitze menschlicher Leistungsfähigkeit am Fels. Weltweit gibt es nur fünf Routen, denen dieser Grad aktuell zugeschrieben wird – mit »DNA« hat Jakob Schubert vergangene Woche die erste davon wiederholt. Wer is eigentlich aktuell im Club der 9c-Kletterer und wer versucht sich einen Platz in dieser elitären Gruppe zu sichern?

Petzl Steigeisen im Test: Leopard, Leopard Hybrid und Dart – für jeden Einsatz das passende Steigeisen

Ich bin mittlerweile seit mehreren Jahren überzeugter Petzl-Steigeisen-Nutzer. Ob auf Skihochtouren, klassischen Hochtouren oder beim Eisklettern – bisher haben mich die verschiedenen Modelle stets zuverlässig begleitet. Umso gespannter war ich auf die neue Steigeisengeneration 2026 mit den Modellen Leopard, Leopard Hybrid und Dart.

Gold für Israel und Frankreich beim letzten Boulder-Weltcup der Saison in Salt Lake City

Beim Boulder-Weltcup in Salt Lake City holte Newcomer Yonatan Katz in seinem ersten Finale überraschend Gold für Team Israel. Bei den Damen gewann Oriane Bertone endlich ihren ersten Weltcup der Saison. Alle Ergebnisse vom Wochenende sowie das finale Gesamtranking im Überblick.

Alpenverein zieht Bilanz: Hüttensommer erneut im Plus

Die Hütten des Österreichischen Alpenvereins steuern nach dem Rekordjahr 2025 auf ein weiteres Nächtigungsplus zu. Die Bilanz zum Hüttensommer 2026 zeigt aber auch: Trockenheit, Stornierungen und No-Shows bleiben Baustellen.