Sasha DiGiulian, Matilda Söderlund und Brette Harrington gelingt die erste Frauenbegehung der schwierigen Big-Wall-Route Rayu (610m, 8c) in den Picos de Europa in Spanien. Eröffnet 2020 von den Pou-Brüdern und Kico Cerdá, führt Rayu durch die kontinuierlich steiler werdende Südwand des Peña Santa de Castill.

Die amerikanische Kletterin Sasha DiGiulian schreibt zusammen mit ihrer Landsfrau Brette Harrington und der Schwedin Matilda Söderlund Klettergeschichte: Als erstes reines Frauenteam durchsteigen sie die imposante Big-Wall-Route Rayu (610m, 8c) in den Picos de Europa in Spanien. Gleichzeitig sichert sich das Trio die erst zweite Begehung insgesamt.

«Big Wall Free Climbing ist eine Erinnerung daran, wozu Menschen fähig sind. Das ist es, was wir tun, und deshalb sind wir hierher gekommen. Es ist dieses Gefühl, etwas zu schaffen, das man nicht für möglich gehalten hat.»

Sasha DiGiulian

DiGiulian, Söderlund und Harrington klettern Rayu (8c) | Quelle: Red Bull Content Pool

Knallharte Trad-Linie

Die Big-Wall-Route Rayu (8c) wurde im Jahr 2020 in fünf Wochen von Iker Pou, Eneko Pou und Kico Cerdá eingerichtet. Rayu führt als schwindelerregende und harte Trad-Route mit vereinzelten Bohrhaken durch die kontinuierlich steiler werdende Südwand des Peña Santa de Castilla.

Matilda Söderlund und Sasha DiGiulian sortieren im Base Camp das benötigte Material für die Big Wall Rayu. Bild: Red Bull Content Pool
Matilda Söderlund und Sasha DiGiulian sortieren im Base Camp das benötigte Material für die Big Wall Rayu. Bild: Red Bull Content Pool

Die erste Hälfte der spektakulären Route ist im Bereich 6c angesiedelt und führt zu einem geräumigen, aber scharfen und schrägen Felsvorsprung, an dem DiGiulian und ihre Teamkolleginnen die Nacht verbrachten.

Drei Seillängen oberhalb des Felsvorsprungs befindet sich die Schlüsselstelle im Schwierigkeitsgrad 8c, gefolgt von zwei weiteren technischen Seillängen.

Wie alles begann

DiGiulian, Söderlund, Harrington: Ein starkes Trio

Sasha DiGiulian bat Matilda Söderlund ihre Teamkollegin zu werden, da sie seit langem befreundet sind und die Schwedin bereits 9a-Routen geklettert ist und Boulder bis 8b gezogen hat. Die dritte im Bunde, Brette Harrington, ist vor allem bekannt für ihre imposanten Alleingänge.

Die dreissigjährige Amerikanerin hat unter anderem Chiaro di Luna (6c) am Aguja Saint-Exupery in Patagonien free solo geklettert und eine 8b-Trad-Route in ihrer kalifornischen Heimat am Lake Tahoe gepunktet.

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Sasha DiGiulian im Vorstieg hoch über dem Nebelmeer. Bild: Red Bull Content Pool

Schlüsselstelle wird zum Knackpunkt

Kurz nachdem Sasha DiGiulian und Matilda Söderlund die Route am 12. September Rotpunkt klettern konnten, stiegen die drei Kletterinnen wieder in die Route ein, um Harrington zu unterstützen, damit sie die Schlüsselstelle erfolgreich bewältigen konnte.

Sie unterstützten Harrington vom 16. September bis zum Ende des Trips am 22. September, aber bis dahin gelang es ihr nicht, die 8c-Seillänge durchzusteigen – Es wäre ihre erste Route in diesem Schwierigkeitsgrad gewesen.

«Ich wollte nichts mehr, als dass Brette die 8c schafft. Sie hat es mehr als ein Dutzend Mal versucht und ist jedes Mal an der gleichen Stelle gestürzt.»

Sasha DiGiulian

Abgesehen von der 8c-Crux führte Brette Harrington viele der 13 Seillängen und bewies einen kühlen Kopf, wenn es darum ging, in schwierigem Gelände Sicherungen zu platzieren oder No-Fall-Zones zu überwinden.

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Die Schlüsselstelle von Rayu wartet mit Schwierigkeiten im oberen achten Franzosengrad auf die Begeherinnen. Bild: Red Bull Content Pool

Gemeinsam durchs Abenteuer navigieren

Neben den klettertechnischen Schwierigkeiten und dem scharfen Fels, habe auch das Wetter eine richtige Herausforderung dargestellt, erzählt Harrington. «Die Stürme waren überall zu spüren. Vor der Küste Portugals wütete ein gewaltiger Hurrikan. An manchen Tagen zog Nebel auf, an anderen regnete es, und es gab Gewitterstürme, die ‚chubasco‘ genannt werden.»

«Es war beeindruckend zu lernen, wie man als Team solch abenteuerliche Trad-Seillängen meistert», ergänzt Matilda Söderlund. Einmal habe sie aus versehen einen grossen Block losgetreten, der beinahe Sasha getroffen habe.

Immer wieder begegnete das Trio in Rayu losem Fels. Und fast in jeder Seillängen habe es Passagen gegeben, an der Stürzen nicht möglich gewesen sei, so die starke Schwedin. «Zudem verlaufen die Risse nicht schön parallel, was das Platzierungen der Sicherungen anspruchsvoll machte.»

«Glücklicherweise hatten wir keine üblen Stürze. Wir sprechen sogar bereits über ein nächstes gemeinsames Projekt. Wir ergänzen uns vom Kletterstil her wirklich gut.»

Matilda Söderlund

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Credits: Titelbild Red Bull Content Pool

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