Jakob Schubert ist zurück. Nach einer Weltcup-Pause greift der 31-Jährige in Salt Lake City wieder an. Dort stehen dieses und nächstes Wochenende zwei Boulder-Entscheidungen auf dem Programm. Im Interview verrät der olympische Bronzemedaillengewinner, warum er mit guten Erinnerungen in die USA gereist ist, welche Zielsetzung er für Salt Lake City hat, wie er seine „Road to Paris“ plant und warum der Weg zu den Olympischen Spielen 2024 nicht nur über München, sondern auch die schwierigsten Felsrouten der Welt führt.

Jakob, wie steht’s aktuell um die Form?

Es geht mir bestens. Ich bin immer noch Corona-frei, aber vor allem bin ich seit einer gefühlten Ewigkeit gesund. Ich habe keine Wehwehchen, kann mein Training komplett durchziehen. Und vor allem: Ich habe eine unglaubliche Leichtigkeit, seit die Olympischen Spiele in Tokio vorbei sind und ich nicht mehr Speed klettern muss. Die dritte Disziplin hat den Körper brutal ans Limit gebracht, jetzt tue ich mir viel leichter.

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„Ich habe eine unglaubliche Leichtigkeit, seit die Olympischen Spiele in Tokio vorbei sind und ich nicht mehr Speed klettern muss.“ Bild: Leo Zhukov/IFSC

Trotzdem hast du den Weltcup in Korea ausgelassen?

Es war schon vor der Saison klar, dass ich entweder den Asien-Trip oder die USA-Reise mache. Ich habe eigentlich zu Asien tendiert, weil es vom Zeitplan besser reingepasst hätte, damit ich dann mehr Zeit habe, mich auf den Vorstieg vorzubereiten. Aber als Japan verschoben wurde, habe ich geswitcht, weil ich in Salt Lake City mit einem Langstreckenflug zwei Weltcups machen kann. Das sind zwei Chancen, weil man im Bouldern eh nie weiß, wie es läuft.

Wie man beim Weltcup-Auftakt in Meiringen gesehen hat …

Ich habe mich brutal gut gefühlt, war enorm fit und vielleicht so gut vorbereitet wie überhaupt noch nie. Auch beim Warmup habe ich mich ready gefühlt, dass ich so richtig zerlegen kann. Aber im Wettkampf war es dann wie so oft im Bouldern. Da ein kleiner Fehler, dort das Problem falsch gelesen und dann habe ich mir auch noch die Hand aufgeschlagen, was es mental extrem schwierig gemacht hat.

„Ich habe mich brutal gut gefühlt, war enorm fit und vielleicht so gut vorbereitet wie überhaupt noch nie.“

Jakob Schubert

Und jetzt Salt Lake City, das im letzten Jahr ein wichtiger Meilenstein auf deinem Weg nach Tokio war?

Ich bin mit super Erinnerungen angereist. Es war nach der Pandemie der erste Bewerb mit Publikum, die Atmosphäre hat richtig gutgetan. Vor allem aber konnte ich mein Potenzial ausschöpfen, bin ins Finale und dort auf Platz drei geklettert. Und es könnte heuer sogar noch besser werden. Im letzten Jahr hatte die Wand eine kleine Fehlkonstruktion, war zu flach. Das haben sie in diesem Jahr geändert, steiler gemacht – das sollte mir noch besser liegen.

„Ich war bis jetzt immer mehr Wettkampf- als Felskletterer, auch wenn da jetzt ein bisschen ein Shift passiert, das kriege ich auch nicht raus.“

Jakob Schubert

Da spricht der Wettkämpfer Jakob Schubert.

Ich war bis jetzt immer mehr Wettkampf- als Felskletterer, auch wenn da jetzt ein bisschen ein Shift passiert, das kriege ich auch nicht raus. Ich liebe den Wettkampf, und alles was dazu gehört. Ein großes Ziel vor Augen zu haben, mich darauf vorzubereiten, hart zu trainieren und auf allen Ebenen besser zu werden. Wenn man es dann bei den Bewerben abrufen kann, ist es umso schöner.

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„Der Felskletterer ist ja auch in mir, der mag auch befriedigt werden.“ Bild Alpsolut Pictures

Trotzdem nimmst du heuer ein bisschen raus, nimmt sich auch der Felskletterer Jakob Schubert seine Zeitfenster.

Der Felskletterer ist ja auch in mir, der mag auch befriedigt werden. Ich denke, dass ich in der Saisonplanung einen guten Mix gefunden habe und freue mich auf die neuen Projekte. Auf die Vorbereitung genauso wie auf die Umsetzung. Das Schöne ist, dass sich beides, das Wettkampf- und das Felsklettern, so gut ergänzt.

„Wenn ich im Competition-Mode bin, mich voll auf einen Wettkampf vorbereite, bringt das eine enorme Fitness. Das hilft am Fels.“

Jakob Schubert

Wie kann man sich dieses Zusammenspiel vorstellen?

Wenn ich im Competition-Mode bin, mich voll auf einen Wettkampf vorbereite, bringt das eine enorme Fitness. Das hilft am Fels. Umgekehrt lernt man am Fels extrem viel dazu, wenn man dort ans Limit geht. Man kann zum Beispiel viel mehr probieren und wird trotzdem effizienter, weil man auf Sachen draufkommt, die man an einer Kletterwand nie erkannt hätte. Und eines ist auch klar …

Nämlich?

Wenn man zu den besten Kletterern der Welt gehören möchte, muss man sich auch am Fels beweisen. Ich will in den Klub der wenigen Kletterer eintreten, die 9c klettern. Das ist eine Prestigesache.

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„Ich will in den Klub der wenigen Kletterer eintreten, die 9c klettern.“ Bild: Leo Zhukov/IFSC

Apropos Prestige: Hat der Olympia-Medaillengewinner schon einen Blick auf die Qualifikation für Paris 2024 geworfen?

Ja, klar. Als Teil der AthletInnenkommission war ich in die Planungen eingebunden. Der größte Unterschied im Vergleich zu Tokio ist, dass der Hauptteil der Qualifikation deutlich später, nämlich erst 2024 stattfindet. Und in einem neuen Format, als Quali-Serie, was sich aber natürlich auf die Vorbereitung auswirkt. Am liebsten würde ich mich gleich wieder bei der WM im nächsten Jahr qualifizieren, da gibt’s drei Plätze. Aber das wird noch schwieriger als 2019 in Japan.

„Die EM vor der Haustüre ist schon mal gut, aber wegen der Premiere des neuen Olympia-Formats ist es umso mehr Highlight für mich.“

Jakob Schubert

Umso wichtiger ist München, wo im August im Rahmen der Europameisterschaft das neue Format, also die Kombination aus Bouldern und Vorstieg, erstmals geklettert wird, oder?

Die EM vor der Haustüre ist schon mal gut, aber wegen der Premiere des neuen Olympia-Formats ist es umso mehr Highlight für mich. Ich möchte jede Möglichkeit nützen, die neue Kombination zu testen. Deshalb ist das Finale in München das ganz große Ziel im heurigen Jahr. In der Vergangenheit habe ich mir bei Europameisterschaften immer ein bisschen schwergetan, mich zu fokussieren. Es hatte nie den Wert, weil doch viele Spitzenleute fehlen. Das wird in München ganz anders sein.

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Credits: Titelbild: KVÖ/Elias Holzknecht

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