Janja Garnbret hat in Arco die Route »Puro Dreaming« (8c+/9a) im ersten Versuch geklettert. Der Grad der Route ist derzeit umstritten – Garnbrets Begehung ist vermutlich der schwerste Flash einer Kletterin aller Zeiten.
Der slowenischen Ausnahmekletterin Janja Garnbret ist der Flash von »Puro Dreaming« (8c+/9a) in Arco gelungen. Eigentlich wollte sie in Italiens Klettermekka »Excalibur« (9b+) versuchen, entschied sich aber aufgrund suboptimaler Bedingungen dagegen. Im Sektor Massone stieg die zweifache Olympiasiegerin nach dem Warm-Up in »Puro Dreaming« ein – und kletterte völlig überraschend im ersten Versuch bis zum Umlenker.
Quasi-Onsight von Garnbret
Der Outdoor-Fotograf Björn Pohl war an diesem Tag vor Ort, um Garnbret am Fels (und eigentlich in »Excalibur«) abzulichten. Als Augenzeuge berichtete er auf Instagram von ihrer unglaublich schnellen Begehung. Besonders beeindruckend: Die 26-Jährige hatte zuvor nur minimale Beta vom italienischen Kletterer Michele Caminati erhalten, im Flash aber dann größtenteils improvisiert. Pohl nannte die Begehung daher einen »Semi-Onsight«.
Janjas Begehung war eher ein Onsight als ein Flash.
Fotograf Björn Pohl

Schwierigkeitsgrad ist umstritten
»Puro Dreaming« wurde 2017 von Alfredo Webber eingebohrt und 2018 von Adam Ondra befreit, woraufhin der Tscheche den Grad 9a vorschlug. Anders als der Erstbegeher nutzten die darauffolgenden Wiederholer Kneepads – und der Grad pendelte sich bei 8c+/9a ein. Trotzdem haben seitdem auch einige Kletterer die Route als softe 9a getickt.
Wie Ondra verzichtete auch Janja Garnbret auf die Nutzung von Kneepads, was beide Begehungen deutlich vergleichbarer macht. Verschiedenen Berichten zufolge war zuletzt außerdem ein Griff aus der Route ausgebrochen, was sie jetzt wieder schwerer machen soll. Beide Punkte sprechen dafür, Garnbrets Begehung mit 9a zu bewerten – zumal sie zuvor kaum Beta hatte. Dei Slowenin selbst bezeichnete die Route in ihrem Instagram-Post als »8c+?«.

Das Thema Kneepads sorgt regelmäßig bei schweren Routen für Diskussionen, wenn es um deren Bewertung geht. Auch »Change« (9b/+) und »Bibliographie« (9b+) wurden ursprünglich ohne Kneepads erstbegangen und später von Kneepad-Trägern abgewertet. Dass es künftig verschiedene Grade für beide Modi gibt, ist aktuell nicht wahrscheinlich, wird aber innerhalb der Szene immer öfter diskutiert.
Garnbret wäre dritter Mensch, der 9a flasht
Sollte »Puro Dreaming« ohne Kneepads langfristig als 9a gehandelt werden, wäre Janja Garnbret die erste Frau und der dritte Mensch, der eine Route in diesem Grad geflasht hat. Gelungen ist dies bisher nur Adam Ondra (»Super Crackinette« 2018 und »Peščena ura« 2024) und Alex Megos (»Intermezzo« 2021 und »Mr. BIG« 2025).
Egal, wie die Debatte um den Grad letztlich ausgeht: Janja Garnbret hat mit ihrem Flash von »Puro Dreaming« nur einen kleinen Vorgeschmack auf das gegeben, was sie am Fels leisten kann. Die starke Slowenin kletterte 2021 als erste Frau 8c onsight und hat seitdem drei weitere Routen in diesem Grad geonsighted. Beim Bouldern gelang ihr 2024 die erste weibliche Begehung von Bügeleisen Sit (8C) im Maltatal.
Wir dürfen uns also ruhig auf mehr gefasst machen: Der Terminkalender der 26-Jährigen ist die nächsten Monate frei vom Wettkampf-Stress – und die Saison am Fels hat gerade erst begonnen.
Das könnte dich interessieren
- Garnbret und Anraku gewinnen in Koper | Lead-Weltcup
- 100 Routen in 24 Stunden: Janja Garnbret sammelt Spenden für sportlichen Nachwuchs
+++
Credits Titelbild: Björn Pohl

