Jetlag, geschwollene Fingerknöchel und Zufriedenheit – so beschreibt Jernej Kruder das Gefühl nach seiner Rückkehr aus Kanada. Drei Wochen verbrachte der Slowene in Squamish, wo er eigentlich den legendären »Cobra Crack« ins Auge gefasst hatte. Anstatt diesem bekannten Riss widmete er sich dann aber »The Shark«
Seit seinem Wettkampf-Karriereende widmet Jernej Kruder seine Zeit mehr und mehr dem Rissklettern und sucht sich immer spannendere Projekte. Dieses Jahr konnte er schon die legendäre Trad-Route Crown Royale (9a) im norwegischen Jøssingfjord von seiner Liste streichen. Im Jahr davor punktete er Linien wie La Bruja (9a) und El Corazon (35 Seillängen, 8a).

Kobras und Haie in Kanada
Ich hatte »Cobra Crack« schon seit Jahresanfang im Kopf. Jedoch konnte ich aufgrund der Natur der Linie nicht wirklich speziell dafür trainieren, immerhin ist es ein Fingerriss.
Jernej Kruder
Kurz vor seiner Reise nach Squamish hatte Kruder noch mit einem Fieber zu Kämpfen. Zum Glück nur für kurze Zeit, sodass er seine Reise antreten konnte. In Kanada angekommen fühlt er sich gut, aber »körperlich nicht auf seinem üblichen Level«, schreibt er uns. Sein ursprünglicher Plan war der »Cobra Crack« eine 45 Meter lange 5.14b, die in einem schmalen Riss an einer überhängenden Granitwand verläuft. Von diesem Ziel musste er sich jedoch verabschieden, da er sich am Finger verletzte und seine Finger nicht in den Riss passten. Eine Alternative ergab sich schnell: The Shark. Die Route wurde von Stu Smith eröffnet und von Connor Herson 2024 erstbegangen, direkt gefolgt von Risskletterlegende Didier Berthod.

Wettlauf gegen die Zeit
The Shark ist ab dem Start gnadenlos: Vom Einstiegsband geht es direkt über in technisch komplexe Bewegungen in einer Verschneidung, gefolgt von einem boulderigen Abschnitt, der bereits viel Kraft kostet und der Fingerriss bietet kaum Rastmöglichkeiten. Es geht wieder mit Dachkletterei, Handklemmern und der Crux der Route.

Kruder investierte fast jeden verbleibenden Tag in das Projekt, verfeinerte kontinuierlich seine Beta und kämpfte mit verletzten Fingern. Superkleber für fehlende Haut und Tape gehörten zu seinen stetigen Begleitern. Erst am allerletzten Tag vor seinem Rückflug gelang ihm der Durchstieg mit nur sechs gelegten Cams.
Der zweite Versuch war besser – ein harter Kampf, bei dem ich einen unsicheren Moment hatte und fiel. Ich hatte nur noch eine Chance, die Zeit lief ab. Nach etwa 20 Minuten Pause tapete ich einen weiteren blutigen Finger und begann zu klettern.
Jernej Kruder
Kruder hatte gerade so noch zeit die Route zu putzen, dann musste er sein Flugzeug erwischen. Es gibt wohl noch einige Mehrseillängen in Squamish, die Kruders Aufmerksamkeit geweckt haben, weshalb wir wohl bald mit seiner Rückkehr nach Kanada rechnen können. Fürs erste ist er jedoch zufrieden mit der dritten Begehung von »The Shark« .
Jernej Kruders Wettkampferfolge
Bevor Jernej Kruder in der internationalen Kletterszene durch spektakuläre Risslinien bekannt wurde, feierte er zahlreiche Erfolge im Wettkampfklettern. 2014 wurde er Vizeweltmeister im Bouldern und noch im selben Jahr gewann er den Rock Master in Arco. 2018 gewann er seinen ersten Boulder-Weltcup und zudem den Gesamtweltcup in dieser Disziplin. 2020 wurde er in Moskau Europameister im Bouldern.
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Credits: Bilder von Jernej Kruder

