Maud Vanpoulle gelingt schwere Bigwall-Route »Eternal Flame« im Karakorum-Gebirge

Der französischen Kletterin und Alpinistin Maud Vanpoulle ist ein seltener freier Durchstieg der Route »Eternal Flame« (650m, 7c+) am Trango Tower gelungen. Die Linie im Karakorum-Gebirge gilt als eine der schwersten Bigwall-Routen der Welt. Besonders ungewöhnlich: Vanpoulle und ihr Kletterpartner reisten von Frankreich aus per Auto an.

Es gibt nur wenige Mehrseillängenrouten, die weltweit bekannter sind als »Eternal Flame« im pakistanischen Karakorum-Gebirge. Ihre Berühmtheit schuldet die Route an der Südwand des 6.251 Meter hohen Trango Tower (auch: Nameless Tower) nicht nur ihrer markanten Linienführung, sondern auch ihrem hohen klettertechnischen Anspruch in extremer Höhe.

Mit ihrer erfolgreichen Begehung von »Eternal Flame« Ende Juni gehört nun auch Maud Vanpoulle zu dem erlesenen Kreis von Elite-Kletterinnen und -Kletterern, die die Linie bewältigt haben. Für die geprüfte Bergführerin aus Frankreich ist es der Höhepunkt einer monatelangen Expedition und ihrer Karriere als Alpinkletterin.

Maude Vanpoulle am Nameless Tower in Pakistan | Bild: Archives Vanpoulle

Mit dem Auto von Frankreich nach Pakistan

Dass die Expedition von Vanpoulle und ihrem Kletterpartner Guillaume Lagier eine ganz besondere war, zeigt auch ihr ungewöhnlicher Reiseweg: Anstatt zu fliegen starteten die beiden im März 2026 in Frankreich und legten die 12.500 Kilometer nach Pakistan mit dem Auto zurück.

Unterwegs durch Europa und Zentralasien bestiegen und befuhren sie verschiedene spektakuläre Skirouten, darunter die Südwand des Ushba (4.737 m) in Georgien. Auch gelang ihnen die Erstbefahrung der Südwestflanke des Patkhor (6.083 m) in Tadschikistan, bevor sie schließlich im Juni das gewaltige Trango-Massiv und ihr langersehntes Ziel erreichten – den Nameless Tower.

Die Bedingungen, die Vanpoulle und Lagier bei »Eternal Flame« vorfanden, waren zunächst nicht gerade ideal: »Es lag viel Eis und Schnee«, so Vanpoulle. Das Warten auf ein gutes Wetterfenster zahlte sich schließlich aus – dank ausreichend Geduld und Entschlossenheit beider Seilpartner.

Die Besteigung war ein perfektes Spiegelbild unserer gesamten Reise: Entscheidend waren Geduld, Ausdauer und die Akzeptanz von Langsamkeit.

Maude Vanpoulle
Maude Vanpoulle und Guillaume Lagier kletterten »Eternal Flame« | Bild: Archives Vanpoulle

Für Vanpoulle und Lagier geht es nach diesem Meilenstein zurück nach Frankreich – erneut mit dem Auto. Welche Kletterziele auf der Heimreise noch auf sie warten, verrät das Duo allerdings noch nicht.

»Eternal Flame«: Faszination und Mythos

Dass »Eternal Flame« auch für erfahrene Kletterer eine extreme Herausforderung ist, zeigt ein Blick in ihre Historie. Die Erstbegeheung realisierten Kurt Albert, Christof Stiegler, Wolfgang Güllich und Milan Sykora im September 1989. Sie bewerteten die 24 Seillängen starke Linie daraufhin mit VI, 7b+, A2 – das machte sie zum damaligen Zeitpunkt zu einer der schwersten hochalpinen Kletterrouten der Welt.

eternal-flame-nameless-tower
650 Meter, 24 Seillängen, Schwierigkeiten bis 7c+ und das alles auf 6000 Metern Höhe: »Eternal Flame« am Nameless Tower | Bild: Paolo Sartori

Bis zur ersten freien Begehung von »Eternal Flame« sollte es noch fast exakt 20 Jahre dauern. Diese gelang den Brüdern Thomas und Alexander Huber im August 2009 innerhalb von vier Tagen – und in einem außergewöhnlich langen guten Wetterfenster. Alexander Huber bezeichnete die Linie daraufhin als »beste und schönste Freikletter-Route auf dieser Erde«. Als Sportkletterroute ist sie mit 7c+ bewertet.

Nach den Hubers haben auch Edu Marin (2022) sowie Babsi Zangerl und Jacopo Larcher (2022, im Flash1) die Route frei geklettert. 2024 gelang Stefano Ragazzo das erste Rope-Solo der Linie innerhalb von neun Tagen. Im September 2025 kletterte eine vierköpfige Seilschaft aus Sachsen, bestehend aus Rosa Windelband, Hanna Kallweit, Sebastian Gantz und Julius Brunner, »Eternal Flame« gemeinsam rotpunkt. Brunner gelang dabei eine Rotpunktbegehung aller insgesamt 24 Seillängen.

Das könnte dich interessieren

+++

Credits Titelbild: Archives Vanpoulle

  1. Zangerl und Larcher kletterten alle Seillängen im Onsight, aber hatten die ersten beiden Seillängen schon 2021 frei und im Flash-Stil geklettert. ↩︎

Aktuell

Hard Sends: Sébastien Bouin bei der Erstbegehung von „Le Chant des Muses“ (9b)

Im April 2026 gelang Bouin die Begehung seines Projekts "Le Chant des Muses" an der Romeyer-Wand in der Drôme. Ein Film von Black Diamond zeigt den französischen Ausnahmekletterer hinter den Kulissen und seinen Weg bis zum Durchstieg.

Silvan Schüpbach: Neue, wilde Kletterroute im Berner Oberland

Silvan Schüpbach und Janluca Kostner haben „Untergang der Titanen" (8a) in der Nordwand des Gross Wellhorns erstmals vollständig frei geklettert. Die 600-Meter-Route in den Berner Alpen bleibt über 20 Seillängen konstant schwer.

Eneko und Iker Pou: Erste freie Begehung von „Vicios Ocultos“

Eneko und Iker Pou haben "Vicios Ocultos" (7c, 285 m) am Tiro Pedabejo in den Picos de Europa erstmals frei geklettert und zwar ein Jahr nachdem die baskischen Brüder die sechs Seillängen selbst eröffnet hatten.

Scarpa BLACKBIRD: Carbon-Zwischensohle für die kleinsten Leisten

Sechs Jahre hat Scarpa an ihrem neuen Kletterschuh entwickelt. Das Herzstück ist die erste carbonverstärkte Zwischensohle der Italiener – gebaut für Präzision auf kleinsten Tritten, ohne dass der Schuh brutal eng sitzen muss.

Hard Sends: Sébastien Bouin bei der Erstbegehung von „Le Chant des Muses“ (9b)

Im April 2026 gelang Bouin die Begehung seines Projekts "Le Chant des Muses" an der Romeyer-Wand in der Drôme. Ein Film von Black Diamond zeigt den französischen Ausnahmekletterer hinter den Kulissen und seinen Weg bis zum Durchstieg.

Silvan Schüpbach: Neue, wilde Kletterroute im Berner Oberland

Silvan Schüpbach und Janluca Kostner haben „Untergang der Titanen" (8a) in der Nordwand des Gross Wellhorns erstmals vollständig frei geklettert. Die 600-Meter-Route in den Berner Alpen bleibt über 20 Seillängen konstant schwer.

Eneko und Iker Pou: Erste freie Begehung von „Vicios Ocultos“

Eneko und Iker Pou haben "Vicios Ocultos" (7c, 285 m) am Tiro Pedabejo in den Picos de Europa erstmals frei geklettert und zwar ein Jahr nachdem die baskischen Brüder die sechs Seillängen selbst eröffnet hatten.