Sechs Jahre lang hat die Klettercommunity in Buenos Aires für den Erhalt von »La Palestra« gekämpft – zuletzt auch mit Protesten und einer Petition. Am 15. Dezember hat der Abriss der weltgrößten Natur-Kletterwand begonnen, um Platz für den Ausbau der Autobahn zu schaffen. Die Zukunft des urbanen Kletterns in der argentinischen Hauptstadt bleibt unklar.
Anfang dieser Woche erreichte der jahrelange Konflikt zwischen Kletterern, der Stadtverwaltung und einem Bauunternehmen in Buenos Aires einen neuen Höhepunkt. Für eine neue Fahrspur der Stadtautobahn wurde am Montag mit dem Abriss der 43 Jahre alten Kletterwand »Palestra de Andinismo« begonnen. Auch eine Petition mit mehr als 5.000 Unterschriften konnte die weltgrößte natürliche Kletterwand nicht retten. Die Klettercommunity erhebt derweil Vorwürfe gegen Stadt und Baufirma.
Vorwurf: Abriss ohne Genehmigung unrechtmäßig
Der Streit um »La Palestra« begann bereits 2019, als die Ausbaupläne für die Autobahn öffentlich wurden. Wie Climbing Magazine berichtete, blieben erste Proteste und Gespräche mit den Verantwortlichen ergebnislos. Laut Medienberichten lehnte ein Gericht im November einen Eilantrag des Alpinverbands Centro Andino Buenos Aires (CABA) gegen den Abriss ab. Das Urteil sei jedoch noch nicht rechtskräftig, sagen Sprecher des Verbandes – und der Abriss somit unrechtmäßig.
Der Abriss darf erst mit dem finalen Gerichtsurteil stattfinden – und mit einer offiziellen Baugenehmigung.
CABA-Sprecher gegenüber Climbing Magazine
Als der Abriss am 15. Dezember begann, kam es vor Ort zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen Kletterern und der Polizei. Einsatzkräfte sperrten den Zugang zur Wand, damit der Abriss ungestört weitergehen könne, berichten Augenzeugen gegenüber Climbing Magazine. Im September war es in der Stadt zu Protesten von mehr als 100 CABA-Mitgliedern gekommen.
Ungewisse Zukunft für alpines Klettern in Buenos Aires
»La Palestra« ist eine 1982 errichtete Schieferformation aus unzähligen echten Steinen. Die 17 Meter hohe und 40 Meter breite Kletterwand erlaubte realitätsnahes Training in kontrollierter Umgebung – ein Alleinstellungsmerkmal in Buenos Aires, wo felsspezifische Trainingsmöglichkeiten rar sind.
Viele Besucher nutzten die 2.000 Quadratmeter Kletterfläche, um sich auf das Klettern und Sichern in den Anden vorzubereiten. Die Wand wurde auch für die Weiterbildung von Feuerwehrleuten oder dem Militär genutzt. Mit dem Abriss richte sich die Stadt »gegen den Klettersport und gegen die Ausbildung von Fachkräften«, kritisiert der Verband CABA.

Plastik kann diese einzigartige Kletterwand nicht ersetzen.
Centro Andino Buenos Aires (CABA)
Der Abriss der Kletterwand stellt der Klettersport in Buenos Aires vor eine ungewissen Zukunft. Zwar gibt es bereits mehrere Indoor-Hallen in der argentinischen Hauptstadt – und auch die Behörden schlugen 2024 vor, in der Nähe von »La Palestra« eine neue Kletterwand zu errichten. Der Verband CABA lehnte ab und argumentierte, dass die Eigenschaften des natürlichen Felses sich nicht durch künstliche Griffe ersetzen lassen.
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Credits Titelbild: Condores Climbing

