Üble Runouts und 30-Meter-Stürze: Louis Gundolf befreit Projekt Lama (250m, 8c+)

Der 22-jährige Tiroler Kletterprofi Louis Gundolf befreit mit Projekt Lama (250m, 8c+) nicht nur eine der schwierigsten Mehrseillängenrouten der Welt, sondern auch eines der letzten Projekte, das Ausnahme-Kletterer David Lama hinterlassen hat.

Projekt Lama (250m, 8c+) befindet sich auf 2.400 Meter Seehöhe in der Laserz Südwand in Lienz, Osttirol. Durchgehend überhängendes Gelände und sehr schlechte Absicherung charakterisieren die Linie, die David Lama 2013 bis 2014 mit einigen Partnern und viel Solo eröffnet und bis auf die mit 8c+ bewertete Schlüssellänge frei geklettert hat. Am 14. August 2023 gelingt es dem jungen Profikletterer Louis Gundolf, dieses Projekt zu vollenden und alle Pitches frei zu klettern.

10 Jahre nach der Erstbegehung durch David Lama, gelingt Louis Gundolf die erste freie Begehung von Projekt Lama (250m, 8c+). Bild: Matteo Mocellin
10 Jahre nach der Erstbegehung durch David Lama gelingt Louis Gundolf die erste freie Begehung der extrem anspruchsvollen Mehrseillängenroute Projekt Lama (250m, 8c+). Bild: Matteo Mocellin

«Die Route bin ich zusammen mit meinem Papa und Bergführer Alfred Dworak am 14. August 2023 erfolgreich gegangen. Wobei ich beim Projektieren oft auch Solo unterwegs war, sprich mit dem umgebauten Grigri – Partner zu finden, die den ganzen Tag „nur“ zum Sichern mitgehen, war schwierig», erzählt Louis Gundolf nach seiner Erstdurchsteigung von Projekt Lama. 

Angsteinflössende Stürze

Die Schwierigkeit der Route ist es, alle Längen frei zu klettern. Das war auch für Gundolf ein Schlüsselpunkt: «Ich habe es in der Wand einfach nie ganz geschafft, mich von der Route davor zu erholen. Dazu kamen sehr angsteinflößende Stürze, da die Zwischensicherungen teilweise sehr weit auseinanderliegen.»

Mein weitester Sturz war 30 Meter

Louis Gundolf

Darum sei er nur mit guten Kollegen und Sicherern gegangen, die wüssten, was sie machen und denen er vertraue. «Danke an dieser Stelle auch nochmal an alle KIOTen in Osttirol für den ganzen Support und die herzliche Aufnahme in eure kleine Gemeinschaft!»

In Projekt Lama (250m, 8c+) finden sich gerade Mal vier Bohrhaken - da braucht es selbst bei bester mentaler Verfassung ein paar zusätzliche "Freunde". Bild: Matteo Mocellin
In Projekt Lama (250m, 8c+) finden sich gerade Mal vier Bohrhaken – da braucht es selbst bei bester mentaler Verfassung ein paar zusätzliche „Freunde“. Bild: Matteo Mocellin

Projekt Lama: Überhängend, knallhart, spärlich abgesichert

Projekt Lama führt in durchgehend überhängendem Gelände durch die Laserz Südwand. Auf ca. 250 Meter Wandhöhe mit jeweils 8 Seillängen finden sich in der Route gerade mal vier Bohrhaken. Die Route ist grösstenteils mit Klemmkeilen und Friends abzusichern. Die geschlagenen Haken stammen teilweise noch von David Lama selbst.

Im ähnlichen Stil befindet sich 100 Meter links von Projekt Lama die Route Safety Discussion, welche für ihre Exponiertheit bekannt und als mentale Herausforderung berüchtigt ist. An deren Zustieg und Felsen ist Louis Gundolf gewöhnt. Als eine von drei Personen weltweit hat er sie 2021 mit Jonathan Lechner bereits im zweiten Versuch komplettiert. Die Erstbesteigung fand 2012 durch David Lama statt. 

Louis-Gundolf-Portrait
Mit Projekt Lama hat der 22-jährige Profikletterer Louis Gundolf eine der weltweit schwierigsten Mehrseillängenrouren erstmals frei geklettert. Bild: Matteo Mocellin

Mental fit genug für risikofreudige Kletterei

Mit dem erfolgreichen Abschluss des Projekt Lama setzt der 22-Jährige aus dem Tiroler Pitztal den nächsten Meilenstein in seiner Karriere. Jede freie Minute hat Louis Gundolf dafür genutzt: «Ich habe die Route letztes Jahr im Frühjahr zum ersten Mal probiert und bin immer, wenn kein Teamtraining oder Wettkämpfe waren, mit meinem alten Golf dort hingefahren, um die Route zu klettern.»

Letztes Jahr im Herbst war zum ersten Mal der Punkt erreicht, an dem ich gemerkt habe, ich bin mental fit genug und kann im Alpinen ebenso frei und risikofreudig klettern wie beim Sportklettern.

Louis Gundolf

Körperlich sei er aber noch nicht bereit gewesen. «Den Winter habe ich daher genutzt, um so viel wie möglich für meine Wettkämpfe zu trainieren, aber im Hinterkopf hatte ich immer das Projekt Lama.»

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Credits: Titelbild Matteo Mocellin

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