Weltcup Chamonix: Siegeszug für Sanders & Ginés López im Lead, Indonesien dominiert im Speed

Am Wochenende lieferte Weltcup-Gastgeber Chamonix erneut Wettkampf-Spannung vor spektakulärer alpiner Kulisse. Alle Ergebnisse aus den Disziplinen Lead und Speed auf einen Blick.

Speed: Triumph auf ganzer Linie für Team Indonesien

Für das indonesische Nationalteam war der Speed-Weltcup in Chamonix außergewöhnlich erfolgreich. Gleich drei von insgesamt sechs Medaillen gingen an die starke Speedkletter-Nation – davon zwei Goldmedaillen. Bei den Damen sicherte sich Desak Made Rita Kusuma Dewi nach Krakau bereits den zweiten Weltcupsieg in Folge.

Im Finale setzte sich Kusuma Dewi mit einer Zeit von 6,22 Sekunden gegen die Italienerin Giulia Randi (Silber) und die Französin Capucine Viglione (Bronze) durch. Besonders überraschend: Die bisher sehr dominanten chinesischen Athletinnen schieden früh aus, und auch die neue Weltrekordhalterin Emma Hunt verpasste nach einer Niederlage im Viertelfinale das Podium.

Podium der Damen beim Speed-Weltcup in Chamonix| Bilder: Jan Virt/World Climbing

Bei den Männern feierte der Olympiasieger von 2024, Veddriq Leonardo, ein erfolgreiches Comeback aus seiner langen Verletzungsphase: Der Indonesier gewann mit 4,89 Sekunden Gold. Dabei schlug er unter anderem den US-Amerikaner Sam Watson sowie den aktuellen Weltrekordhalter aus China, Zhao Yicheng.

Im Finale setzte sich Leonardo schließlich gegen seinen Landsmann Antasyafi Robby Al Hilmi (Silber) durch. Bronze ging an den Japaner Ryo Omasa – er triumphierte knapp um nur drei Tausendstelsekunden gegen Zhao Yicheng.

Aus dem deutschen Speed-Kader überstand Leander Carmanns als einziger von fünf Athletinnen und Athleten die Qualifikationsrunde. Dort lief der 21-Jährige mit 5,05 und 4,965 Sekunden auf Rang 15. Im Achtelfinale gelang Carmanns kein erneuter Lauf unter sechs Sekunden – er musste sich daraufhin gegen Zhao Yicheng (5,27 Sekunden) geschlagen geben.

Lead: Annie Sanders bleibt unaufhaltbar

Auf dem Weg zu den besten acht Damen überzeugte in Chamonix die Südkoreanerin Chaehyun Seo – noch vor ihrer stärksten Konkurrentin in dieser Saison, Annie Sanders. Im Finale drehte die US-Amerikanerin dann den Spieß um und toppte die Route, überschritt dabei allerdings das Limit von sechs Minuten. Ausreichend für Gold war es trotzdem: Mit einer Wertung von 52+ sicherte sich Sanders ihren dritten Lead-Sieg in dieser Saison. Die 18-Jährige stand 2026 bisher auf sieben von acht Lead- bzw. Boulder-Podiums.

Die Bulgarin Aleksandra Totkova (48 Punkte) gewann hinter Sanders ihre erste Silbermedaille – und ihre zweite Medaille bei einem Erwachsenen-Weltcup überhaupt. 2021 hatte Totkova in Chamonix Bronze gewonnen. Dieses Jahr ging Platz 3 an Chaehyun Seo (47+ Punkte), die damit auf jedem Lead-Podium der laufenden Saison gestanden hat. Nur auf eine Goldmedaille musste die Südkoreanerin in 2026 verzichten.

Podium der Damen beim Lead-Weltcup in Chamonix: Sanders, Totkova & Seo | Bild: Jan Virt/World Climbing

Besonders ungewöhnlich: Alle acht Finalistinnen erreichten die Headwall, also den obersten Teil der Wand. Neben Chaehyun Seo erzielten auch Erin McNeice und Rosa Rekar denselben Punktestand von 47+ und wurden daraufhin anhand ihrer Wertung im Halbfinale platziert. Insgesamt war die Separation bei den Damen in Chamonix eher ausbaufähig – auch im Halbfinale hatte es bereits mehrfach Punktgleichheit gegeben.

Ergebnisse Finale Damen

Mit Jain Kim setzte sich eine weitere Athletin aus Südkorea im Semifinale durch. Die 37-Jährige stand damit zum neunten Mal in ihrer Karriere in einem Weltcup-Finale in Chamonix und wurde Siebte. Die Französin Manon Hily erreichte ebenfalls das Finale – der letzte internationale Auftritt der 32-Jährigen, die seit 2013 an zahlreichen Weltcups im Bouldern, Speed und ihrer Paradedisziplin Lead teilgenommen hat. Vor Heimpublikum verabschiedete sich Hily auf Platz 8 von der internationalen Bühne.

Brooke Raboutou kehrte in Chamonix derweil nach einer Schulterverletzung zurück in den Weltcup. Die US-Amerikanerin verpasste zwar knapp den Finaleinzug, aber wertete ihren neunten Platz dennoch als »persönlichen Erfolg«.

»Ewiger Zweiter« Alberto Ginés López gewinnt endlich Gold

Bei den Herren führte der Slowene Luka Potocar das Feld im Halbfinale vor dem Franzosen Sam Avezou und Spaniens Alberto Ginés López klar an. Im Finale kletterte sich Ginés López wie schon zu oft auf den provisorischen ersten Platz – lediglich Potocar hatte noch die Chance, den Spanier zu schlagen.

Der Slowene machte es spannend bis zum Schluss, fiel jedoch einen Zug früher (38+ Punkte) als der Olympiasieger Ginés López (39+ Punkte), der damit seine langersehnte erste Goldmedaille in einem Weltcup gewann. Der 23-Jährige zeigte sich sichtlich emotional angesichts einer der Höhepunkte seiner Karriere. Ginés López gewann bisher sechs Silber- und fünf Bronzemedaillen im Lead.

Ich habe sieben Jahre auf diesen Moment gewartet – seit meinem ersten Podium. Ich dachte so oft: Vielleicht soll es nicht sein. Dieser Sieg fühlt sich so gut an.

Alberto Ginés López
Sichtlich emotional: Alberto Ginés López gewinnt sein erstes Weltcup-Gold in Chamonix | Bild: Jan Virt/World Climbing
Podium der Herren beim Lead-Weltcup in Chamonix: Ginés López, Potocar & Ramadani | Bild: Jan Virt/World Climbing

Bronze ging an Putra Tri Ramadani (38+ Punkte), der seit seinem Überraschungssieg in Prag diese Saison nicht mehr aus der Weltspitze wegzudenken ist. Ramadani und Potocar erzielten Punktgleichheit, deshalb entschied Potocars höhere Wertung aus dem Halbfinale über Silber und Gold. Für den des 20-jährigen Indonesier Ramadani ist es die zweite Medaille und seine dritte Finalteilnahme bei einem Lead-Weltcup.

Mit Satone Yoshida und Sorato Anraku (Japan) sowie Dohyun Lee (Südkorea) waren drei weitere dominante Herren dieser Saison im Finale vertreten. Spannend machte es dabei Anraku, der »nur« auf Rang 7 in die finale Runde eingezogen war. Im Finale stürzte der 18-Jährige an derselben Stelle wie Yoshida und Avezou und verblieb auf Platz 8.

Besonders bitter verlief das Halbfinale für Österreichs Jakob Schubert, der nach einem Fußrutscher auf dem ungeliebten Platz 9 das Finale knapp verpasste – zum ersten Mal in dieser Saison.

Ergebnisse Finale Herren

Aus dem deutschen Lead-Team erreichten erneut Yannick Flohé und Sebastian Halenke das Halbfinale. Halenke erzielte Platz 18, Flohé Platz 23. Bei den Damen schieden Roxana Wienand (Platz 39) und Ronja Marlene Witt (Platz 54) in der Qualifikationsrunde aus.

Nächste Weltcup-Stationen: Laval und Koper

In der laufenden Saison stehen noch insgesamt sechs Weltcup-Stationen bevor. Die nächsten Termine sind der Para Climbing-Weltcup in Laval im August und der Lead-Weltcup in Koper im September.

DatumEventOrtDisziplinen
28. – 29. AugustPara Climbing WeltcupLavalLead
04. – 05. September Climbing WeltcupKoperLead
11. – 13. SeptemberClimbing WeltcupGuiyang, ChinaSpeed
18. – 20. SeptemberClimbing WeltcupChongqing, ChinaSpeed
16. – 18. Oktober Climbing WeltcupSalt Lake CityBoulder
23. – 25. OktoberClimbing WeltcupSantiago de ChileLead & Speed
World Climbing Serie 2026: sechs weitere Weltcups von August bis Oktober | Bild: Lena Drapella/IFSC

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Credits Titelbild: Jan Virt/World Climbing

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