Alpen droht 2022 Rekordschmelze | Gletscherschwund

Die Hitzewellen im Sommer 2022 haben den Schweizer Gletschern massiv zugesetzt. Die Gletscher lagen zum kalendarischen Sommerbeginn bereits blank bis auf rund 3000 Meter, teilweise noch höher. In den Hochlagen der Alpen sah im Frühsommer aus wie normalerweise Mitte August. 

Dieses Jahr hat eine intensive Hitzewelle bereits im Mai den Alpenraum erfasst. Die Folge war eine rasante Schnee- und Gletscherschmelze, die im Sommer auf hohem Niveau voranschritt.

«Da die Gletscher bereits im Juni bis in Höhenlagen von rund 3000 Metern schneefrei sind, schmolz viel Eis weg.»

Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline

In der Schweiz wurde der zweitwärmste Mai seit dem Jahr 1864 aufgezeichnet. Auch im Juni gab es in den Tälern schon viele Tage mit Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke. Der in diesem Jahr ohnehin sparsam gefallene Schnee schmolz seit Mai noch rasant und schützte das Eis während den Sommermonaten nicht mehr vor der Wärmeeinstrahlung.

Vor rund 30 Jahren ist man auf diesem Teil des Gletscherskigebiets von Zermatt noch den ganzen Sommer über Ski gefahren. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Quelle: WetterOnline, Foto: Dr. David Volken
Vor rund 30 Jahren ist man auf diesem Teil des Gletscherskigebiets von Zermatt noch den ganzen Sommer über Ski gefahren. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Quelle: WetterOnline, Foto: Dr. David Volken

Viele tieferliegende Gletscherzungen wie beispielsweise der Gorner-, Fiescher- oder Aletschgletscher lagen in der Folge aussergewöhlich früh bereits Ende Mai schon bis in Höhenlagen von 2500 Meter schneefrei da. Im Sommer ging die Schmelze ungebremst weiter.

Da die Gletscher bereits bis in Höhenlagen von rund 3000 Metern schneefrei sind, schmolz bereits im Frühsommer viel Eis weg. Entsprechend präsentierten sich die Hochlagen der Alpen bereits im Juni/Juli wie in einem durchschnittlichen August.

5,7 Milliarden Liter Wasser fliessen täglich ab

Das durch die rekordverdächtige Schneearmut fehlende Schmelzwasser führt zu Trockenheit und niedrigen Wasserständen. Die Eisströme der Alpen schrumpfen zunehmend. Das Kühlsystem verliert somit an Kraft. Der beschleunigte Verlust an Süsswasservorrat durch große Abflussmengen führt unter anderem zum Rückgang der Artenvielfalt und auch die Landschaft der Alpen ändert sich.

Der Driestgletscher oberhalb des Grossen Aletschgletschers im Kanton Wallis ist bereits jetzt im Juni schneefrei. Quelle: WetterOnline, Foto: Dr. David Volken
Der Driestgletscher oberhalb des Grossen Aletschgletschers im Kanton Wallis war bereits im Juni schneefrei. Quelle: WetterOnline, Foto: Dr. David Volken

Laut dem Klimaexperten und Meteorologen Dr. David Volken lag der Spitzenabfluss am Grossen Aletschgletscher beispielsweise am Nachmittag des 20. Juni 2022 bei 82.000 Liter Wasser pro Sekunde. Im Tagesmittel waren es immer noch 66000 Liter pro Sekunde. Dies entspräche einem Abfluss von 5,7 Milliarden Liter Wasser pro Tag. Im Vergleich wäre das jeden Tag eine Wassermenge in einer vollen 0,7 Liter-Flasche für jeden Erdbewohner.

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Credits: Titelbild Armin Kübelbeck, CC-BY-SA, Text WetterOnline

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