Gefrorene Wasserfälle, steile Zustiege und kalte Standplätze: Norwegen gehört zu den eindrucksvollsten Zielen für Eiskletternde in Europa – stellt aber auch hohe Anforderungen an Ausrüstung und Bekleidung. Eiskletterin Anna hat sich auf einen Wintertrip durch Norwegen begeben und die zwei Modelle von Mountain Equipment getestet.
Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Mountain Equipment entstanden.

Durch Norwegen mit dem Camper: Zur rechten Zeit am richtigen Ort
Für unseren Eisklettertrip nach Norwegen wollten wir uns auf keine Region festlegen, sondern immer dorthin fahren, wo die Bedingungen gerade am besten sind. Also buchten wir einen Camper mit Standheizung, der von Bergen nach Tromsø überstellt werden musste. So kamen wir zu einem Luxuscamper zum Dirtbag-Preis. Die Strecke war damit zwar vorgegeben, doch entlang der Route lagen ohnehin die meisten unserer Wunschziele.
Unterschätzt hatten wir allerdings die Dimensionen. Als Österreicherin bin ich es gewohnt, mein Heimatland in rund acht Stunden mit dem Auto zu durchqueren, mein Schweizer Seilpartner schafft seines in vier bis fünf. Norwegen erstreckt sich dagegen über rund 1.800 Kilometer Luftlinie. Dazwischen liegen Fjorde, Gebirge und kurvige, teils holprige Straßen, auf denen wir selten schneller als 70 km/h vorankamen. Was auf der Karte wie ein kleiner Abstecher aussah, wurde schnell zur halben Tagesreise.
In drei Wochen sollte uns die Reise von Bergen über die Eisfälle rund um Lærdal, Oppdal und Sørdalen nach Norden führen. Zum Abschluss wollten wir auf Senja oder in den Lyngenalpen klettern, bevor wir den Camper in Tromsø abgeben mussten. Unterwegs erwartete uns eine große Bandbreite: lange Eisfälle mit steilen Zustiegen, hartes Eis bei sehr tiefen Temperaturen, sonnige, teils tropfende Linien und windige Gipfel auf Skitour. Ideale Bedingungen, um die beiden Isolationsjacken Oreus und Xenith von Mountain Equipment zu testen.

Material und Features
Beide Jacken verfolgen unterschiedliche Konzepte: Die Oreus setzt auf ein innovatives und sehr spezielles, von Mountain Equipment selbst entwickeltes, synthetisches Isolationsmaterial. Es ist sehr leicht, wärmend und atmungsaktiv konstruiert und isoliert dabei fantastisch. Dadurch eignet sie sich besonders für Aktivitäten mit wechselnder Intensität und durch ihr synthetisches Material wärmt sie auch wenn sie nass ist. Ein klarer Vorteil in alpinen Abenteuern, wenn man darauf zählt, dass eine Jacke wärmt, egal was kommt.
Die Xenith dagegen ist eine extrem leichte, aber zugleich äußerst wärmende Daunenjacke. Durch ihre Daunenkammern im Hexagon-Format bietet sie Wärmeleistung bei erstaunlich geringem Gewicht (nur 280 g). Die speziell genähten Kammern sorgen dafür, dass weniger Wärme verloren geht als bei klassischen durchgesteppten Jacken.
Beide Jacken verfügen über eine gut geschnittene Kapuze, die problemlos über einen Kletterhelm passt – ein wichtiges Detail für den Einsatz im alpinen Gelände. Besonders die Oreus verfügt über einen hohen Kragen, der an windigen Tagen ein „Verkriechen in der Jacke” ermöglicht. Der Schnitt beider Jacken ist insgesamt sehr bewegungsfreundlich, was gerade beim Klettern ein entscheidender Vorteil ist.



Anna hat die beiden Jacken auf all ihren Abenteuern gut nutzen können, am Standplatz im Eis, sowie im Vorstieg. Dabei haben die Features wie die Napoleon Brusttasche sie absolut überzeugt. (Foto: Mario Käppeli)
Die bewährte Kombination
In Bergen angekommen, machten wir uns direkt auf den Weg nach Lærdal, wo Eis ohne Ende auf uns wartete. Unseren Trip eröffneten wir mit dem Eisfall Kjørlifossen (WI5/5+, 400m). Bereits in der ersten steilen Seillänge kamen die beiden Testjacken zum Einsatz. Die Xenith trug ich beim Klettern unter meiner Hardshelljacke. Durch ihren schlanken Schnitt fiel sie kaum auf, schränkte meine Bewegungsfreiheit nicht ein und sorgte trotzdem für zusätzliche Wärme an einem wirklich eisigen Tag.

Die Oreus hatte ich zunächst nur als zusätzliche Isolationsschicht dabei – just in case, wie man so schön sagt. Dank ihres geringen Gewichts und kleinen Packmaßes ließ sie sich problemlos mitnehmen. Schon am ersten eisigen Standplatz am Kjørlifossen war ich froh darüber: Die Oreus war schnell griffbereit und spendete genau dann Wärme, wenn ich sie brauchte. Was ursprünglich nur als Reserve gedacht war, wurde im Laufe unserer Norwegenreise zu meiner bewährten Kombination: Xenith beim Klettern, Oreus am Standplatz.
Eis ohne Ende – Praxiseinsatz beim Eisklettern
Lærdal begeisterte uns vom ersten Moment an: lange Eisfälle, perfekte Bedingungen und weit und breit keine anderen Seilschaften. Ein Luxus, den ich aus den beliebten Eisklettergebieten Österreichs kaum kenne. So stürzten wir uns am nächsten Tag gleich in die nächste Tour: Bjørnapallen (WI5, 350 m). Und auch hier wurden wir nicht enttäuscht.
Next Stop: Oppdal. Dort waren die Temperaturen leider um einiges wärmer und wetterbedingt hat’s mit unserem Eisfall nicht geklappt. „Sometimes you win, sometimes you lose“ – wie es so schön heißt. Bei meiner Jackenwahl gab’s jedoch ehrlich nur „win-Momente“ und je nach Einsatzgebiet fühlte ich mich tatsächlich immer passend ausgestattet. Die Xenith zeigte sich tagsüber, wie in Oppdal beim „Eis-Spotting“, als vollkommen ausreichende Option. Die Oreus kam dagegen als Standplatzjacke zum Einsatz, da sie sich leicht und unkompliziert am Gurt befestigen lässt.

Lyngen Alps – mehr als ein Skitourenparadies
Sonne, Sonne, Sonne, kalte Temperaturen, Hammer Eis – ab jetzt fühlte sich‘s wirklich nach Urlaub an. Mit Goldrush (WI5+, 200m), Gehsteig (WI5+, 80m) und einem Eisfall, dessen Namen wir leider nicht ausfindig machen konnten (WI5+, 180m), bewies Lyngen, dass man dort nicht „nur“ bei Skitouren großen Spaß haben kann, sondern sich die Eisfälle genauso blicken lassen können. Unser Highlight: die Nordlichter. Ich dachte eigentlich, dass ich diese bereits gesehen hätte…aber dass Nordlichter auch SO sein können, hätte ich nie erahnt. Vor lauter Begeisterung stürmten wir auf schnellstem Wege zum Camper, fuhren den Lichtern quer über die Insel hinterher und nutzen den Abend noch für ein paar leichte Eismeter unter spektakulärem, grünem Licht. Danke liebes Leben, dass wir sowas erleben durften!

In Lyngen bewies mir die Oreus, warum sie meine Wahl bei herausfordernden Bedingungen ist: Wir hatten sehr niedrige Temperaturen, aber gleichzeitig über Mittag viel Sonnenschein. Das Resultat war bittere Kälte am Morgen und tropfende nasse Eisfälle am frühen Nachmittag.

Während die Jacke mir im Süden des Landes noch als Standplatzjacke diente, brauchte ich sie im Norden unbedingt als wärmende Schicht unter der Hardshelljacke – teilweise sogar zusätzlich zur Xenith. Im Eisfall Goldrush wurde ich zudem von Kopf bis Fuß geduscht und war am Standplatz froh, dass die Oreus auch wärmt, wenn sie einmal nass ist.

Bei windigen Skitouren zum Sonnenaufgang auf Lyngen habe ich mich besonders gefreut, mich in der Oreus verkriechen zu können. Was sich auch als praktisch erwiesen hat, ist die Napoleon-Brusttasche der Oreus. So war mein Handy immer griffbereit, um die ersten Sonnenstrahlen und die herausragende Kulisse als Foto festhalten zu können.
Resümee & Take-away
Die Oreus eignet sich besonders für bewegungsintensive Aktivitäten an kalten Tagen. Egal ob beim Mixed-/Eisklettern, bei Skitouren, als Standplatzjacke oder im Klettereinsatz: Die synthetische Aetherm™-Isolation bietet ein sehr gutes Verhältnis aus Wärme, Atmungsaktivität und Verlässlichkeit in herausfordernden Bedingungen.
Die Xenith überzeugt hingegen durch ihr geringes Gewicht und schmales Design, bei verhältnismäßig hoher Wärmeleistung. Die Jacke lässt sich klein verpacken und trägt unter einer Hardshell kaum auf.
Im Praxistest beim Eisklettern und auf Skitour hat sich die Kombination beider Jacken als überraschend funktional erwiesen: Die Xenith als leichte Wärmeschicht beim Klettern, die Oreus als zusätzliche Isolation an eisigen Standplätzen. Gemeinsam haben mich die beiden Jacken von Mountain Equipment zuverlässig durch die unterschiedlichsten Winterbedingungen Norwegens begleitet.

Und Norwegen selbst? Hat uns restlos begeistert! Trotz unzähliger Straßenkilometer und zahlreicher Eiskletter- und Skitouren blieb die Zeit viel zu knapp, um all unsere Wunschziele zu erreichen. Einige der vielversprechendsten Klettergebiete mussten wir schweren Herzens auslassen – umso mehr Gründe, wiederzukommen und noch mehr von Norwegens unglaublicher Eisvielfalt zu entdecken.
Die beiden Jacken im Überblick
Mountain Equipment Oreus Jacket
Gewicht: 340g
Außenmaterial: 100% Recyceltes Polyamid
Füllung: 100% Recyceltes Polyester
Special feature: Innovative Aetherm™ Isolation – unglaublich warm bei leichtem Gewicht, auch dann, wenn sie feucht ist. Verbindet Wärmeleistung von Daune mit der Unempfindlichkeit von Kunstfaser
Ideal als Standplatzjacke oder als Isolationsjacke an wirklich kalten Tagen beim Eis-/Mixedklettern, Bergsteigen oder Skitourengehen
Stärken:
+ geringes Gewicht
+ hohe Wärmeleistung
+ wärmend wenn feucht/nass
+ praktische Taschen (Napoleontasche, große seitl. Taschen außen und innen)
+ komprimierbar mit integrierter Aufbewahrungstasche und Befestigungsmöglichkeit für den Klettergurt
+ helmkompatible Kapuze mit hohem Kragen
+ unkompliziertes Waschen möglich (synthetische Jacke)
Schwächen:
– dünnes Außenmaterial (bei höherer Belastung/Exponiertheit Hardshell nötig)

Mountain Equipment Xenith Jacket
Gewicht: 280g
Außenmaterial: 100% Polyamid – Helium 10D fabric (windabweisend)
Füllung: 100% Down Codex® zertifizierte Daune
Special feature: Daunenkammern im Hexagonformat für minimalen Wärmeverlust – dadurch sehr warm bei äußerst geringem Gewicht
Ideal als zusätzlicher Layer für kältere Tage im alpinen Gelände, oder als Alltagsjacke im Herbst & Winter
Stärken:
+ sehr geringes Gewicht
+ Verhältnismäßig starke Wärmeleistung und geringer Wärmeverlust durch Hexagonkammern
+ praktischer Schnitt, der viel Bewegungsfreiheit ermöglicht
+ helmkompatible Kapuze
+ kleines Packmaß (Daune)
+ vielseitig einsetzbar im Alltag & am Berg
Schwächen:
– begrenzte Wärmeleistung bei längeren Standzeiten
– Waschvorgang komplizierter (wie bei allen Daunenjacken)
– keine Napoleontasche
– keine integrierte Befestigungsmöglichkeit für den Klettergurt (dafür extra Packtasche in lässigem Hexagon Design)

Über die Autorin: Anna Truntschnig

Anna Truntschnig kommt aus Kärnten und hat das Klettern 2016 für sich entdeckt – seitdem lässt es sie nicht mehr los. Am Alpinismus begeistert sie, dass er so vielseitig ist: Eis, Mixed, Fels – jede Disziplin verlangt etwas anderes, es gibt immer etwas Neues zu lernen und genau das reizt sie. Drei Jahre lang war Anna Teil des Naturfreunde-Alpinkaders mit Abschlussexpedition in Kirgistan. Für Anna vereint Klettern Abenteuerlust, Freude an der Bewegung und Miteinander – denn die schönsten Augenblicke sind für sie jene, die man zusammen erleben darf.
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