Historisch: Expeditions-Team erreicht Cho Oyu von nepalesischer Seite aus

Vor wenigen Tagen ist einem siebenköpfigen Expeditionsteam um Gelje Sherpa der Husarenstreich gelungen, den Cho Oyu über eine neue Route auf der nepalesischen Seite zu besteigen. Die Südseite des Cho Oyu gilt als technisch sehr anspruchsvoll und lawinengefährdet.

Am 7. Juni um 20.35 Uhr standen Gelje Sherpa, Alasdair McKenzie, Chhangba Sherpa, Tenging Gyaljen Sherpa, Lakpa Temba Sherpa, Lakpa Tenji Sherpa und Ngima Ongda Sherpa auf dem Gipfel des Cho Oyu. Sie bestiegen den sechsthöchsten Berg der Welt jedoch nicht wie die Allermeisten von Tibet aus über die relativ einfach Nordwestflanke. Nein, dem siebenköpfigen Team ist es gelungen, eine neue Route durch die komplexe und technisch anspruchsvolle nepalesische Südseite zu erschliessen.

Das Expeditionsteam um Gelje Sherpa kletterte über den Südsüdwest-Grat auf den Gipfel des Cho Oyu. Bild: Seven Summit Treks
Das Expeditionsteam um Gelje Sherpa kletterte über den Südwest-Grat auf den Gipfel des Cho Oyu. Bild: Seven Summit Treks

17-Stunden-Push

Am 30. Mai hatte das Expeditionsteam die Route bis auf 7625 Meter Höhe mit Fixseilen abgesichert. Da sie jedoch nicht genug Seil für die weiteren komplexen Wandabschnitte dabei hatten, mussten sie ins Basislager zurückkehren. Am 4. Juni, als alle Vorbereitungen getroffen waren, brach das Team zum Gipfel auf.

Die sieben Bergsteiger starteten am Gipfeltag gegen 2 Uhr in der Nacht vom Lager 4 aus. «Nach einem durchgehenden Push von über 17 Stunden erreichten sie den Gipfel des Cho Oyo», berichtet Mingma Sherpa, der die Expedition vom Basislager aus koordinierte.

Erster Erfolg in 15 Jahren

Die letzte Besteigung des Cho Oyu von der nepalesischen Seite aus liegt ganze 15 Jahre zurück. 2009 war es den beiden Kasachen Denis Urubko and Boris Dedeshko gelungen, im Alpinstil eine neue Linie durch die Südwand zu eröffnen.

Die erste Route durch die Südostwand des Cho Oyu eröffneten die beiden Österreicher Edi Koblmüller und Alois Furtner im Jahr 1978. Damals war der Berg noch gar nicht fürs Bergsteigen freigegeben, weshalb ihre Begehung ohne Bewilligung vonstatten ging.

In den vergangenen Jahren haben verschiedene Teams erfolglos versucht, neue Routen auf der Südseite des Cho Oyu zu etablieren. Darunter auch Gelje Sherpa, der sich angesichts der herausfordernden Bedingungen dreimal zum Rückzug gezwungen sah.

Steil und technisch anspruchsvoll: Die nepalesische Südseite des Cho Oyu. Bild: Gelje Sherpa
Steil und technisch anspruchsvoll: Die nepalesische Südseite des Cho Oyu. Bild: Gelje Sherpa

Neue Ära fürs nepalesische Höhenbergsteigen?

Aus nepalesischer Sicht ist die Besteigung des Cho Oyu über den Südwest-Grat nicht nur bergsteigerisch bedeutend. Die kommerziellen Expeditionsanbieter erhoffen sich von diesem Erfolg mehr Unabhängigkeit von ihrem nördlichen Nachbarn. Bislang waren sie bei Besteigungen über die Normalroute auf der tibetischen Seite komplett der Willkür der chinesischen Behörden ausgeliefert.

Deutliche Worte für die historische Bedeutung dieser Besteigung fand der nepalesische Tourismusdirektor Rakesh Gurung gegenüber Everest Chronicle: «Dies markiert eine neue Ära des Bergsteigens, die Bergsteigern von der nepalesischen Seite aus neue Möglichkeiten eröffnet.»

Inwiefern sich die neue Route fürs kommerzielle Bergsteigen eignet, wird sich noch zeigen müssen. Fest steht, dass die nepalesische Südseite des Berges viel anspruchsvoller und gefährlicher ist als die Normalroute. Dazu Gelje Sherpa: «Diese Route ist extrem schwierig zu klettern. Dies wird die Route für kommerzielle Expeditionen sein, aber nicht für alle Kletterer.»

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Credits: Titelbild Gelje Sherpa

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