Im Frühjahr 1975 markierte Kurt Albert erstmals im Frankenjura den Einstieg einer Route mit einem roten Punkt. 50 Jahre später ist der Begriff »Rotpunkt« der Begehungsstil des Freikletterns schlechthin. Deshalb wurde es von kletternden im Frankenjura in Obertrubach am vergangenen Wochenende gebührend gefeiert: Mit einem Fotoprojekt und einem Film zum Thema Freikletter-Geschichte.
Was bedeutet Rotpunkt klettern?
Vor dem Rotpunkt-Zeitalter wurde mit technischen Hilfsmitteln geklettert. Beim sogenannten Techno-Klettern nutzt man Steighilfen wie Trittleitern und Schlaghaken zum treten und festhalten. Mit dem Rotpunkt-Stil revolutionierte Kurt Albert 1975 das klettern im Frankenjura. Der rote Punkt, den er neben einzelne Routen malte, bedeutete, dass er diese Route frei geklettert war, also ohne belastende oder fortbewegende Hilfsmittel. Haken und Seil dienten jetzt nur noch der Sicherung, nicht mehr dem Vorankommen oder Ausruhen.
Das etablierte sich schnell zum neuen Standard: Der Rotpunkt wurde zur Leitidee des modernen Kletterns. Fast alle heutigen Sportkletterrouten, egal ob an natürlichen Felsen oder in Hallen, werden nach Rotpunkt-Ethik begangen.

50 Jahre Freiklettern – Ein Grund zum Feiern
Seit mehreren Jahren schon hat sich die leidenschaftliche Kletterin und Fotografin Daga von »Im Schatten – Visual Storytelling« das Ziel gesetzt das 50-Jährige Jubiläum des Freikletterns gebührend zu würdigen. So entstand vor ca. 5 Jahren die Idee zu ihrem Fotoband: Frankenjura: Ein halbes Jahrhundert Löcher ziehen. Das ganze Projekt stand unter dem Motto »50 Fotos von 50 Kletterern in 50 Routen zum 50. Jubiläum vom Rotpunkt.«
Daga war fasziniert von der Geschichte, die im Frankenjura steckt. Von den klassischen Routen, über die Pioniere des Freikletterns bis hin zum roten Punkt. Für sie ist das alles Geschichte die erzählt und erhalten werden soll, vor allem jetzt wo die Klettercommunity immer weiter wächst.
Früher hat man sich am Lagerfeuer bei der Oma Eichler Geschichten erzählt und die gehen langsam verloren und das finde ich schade. Deshalb möchte ich die nochmal erzählen.
Die 50 Kletter:innen die in ihrem Buch abgebildet sind haben alle einen Bezug zum Klettern im Frankenjura, was dem ganzen Projekt einen weiteren nostalgischen Touch gibt. Für die Künstlerin ist das ganze ein Projekt für die Community: »Entweder du machst es mit Leidenschaft, oder du machst es gar nicht.« Erzählt sie uns auf der Vernissage mit einem Lächeln.

Vernissage in der Schlöttermühle, Obertrubach
Am vergangenen Samstag eröffnete Dagas Ausstellung in Obertrubach und dafür lud sie die Community ein, zum Klettern, Lagerfeuer, Kaffee und Kuchen. Ein schönes Event, welches nochmal den Kern ihres Projektes – die Community, deutlich gemacht hat.

Die Ausstellung ist außerdem weitaus mehr als nur 50 Bilder: Daga hat ausführliche Interviews mit ihren Modellen geführt, über das Klettern, die ausgewählten Routen und ihre persönlichen Beziehungen zum Frankenjura.
Wir durften außerdem die ersten 30 Minuten von Dagas Film über den Rotpunkt-Gedanken sehen, in welchem Urgesteine des Freikletterns im Frankenjura und weltweit wie Norbert Bätz, Stefan Glowacz, Milan Sykora, Jerry Moffat, Antoine Le Menestrel, Stefan Koch, Andi Hoffmann und Manfred Eichhorn voller Leidenschaft über die ersten Rotpunkt Jahre, Kurt Albert und die damalige Community erzählen.
Alles in allem ein sehr persönliches, leidenschaftliches Projekt und einen Besuch definitiv wert. Alle 50 Bilder und ihr Buch sind noch bis zum 28.09.2025 in der Schlöttermühle, Obertrubach ausgestellt und laden zu einem Besuch nach einer ausgiebigen Klettersession ein!
Mehr Infos zu dem Projekt, der Ausstellung und den Kletternden findet ihr hier.
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Credits: Bilder Lacrux Redaktion

