Die fünfte 9c der Welt? Jorge Díaz-Rullo schlägt Schwierigkeit für »Café Colombia« vor

Nach mehr als vier Jahren Arbeit an seinem Lebensprojekt hat der Madrilene Jorge Díaz-Rullo am 13. März 2026 die Erstbegehung von Café Colombia im Sektor Racó de la Finestra in Margalef realisiert. Nun schlägt er den Grad 9c vor und ordnet die Route damit an der Spitze des Sportkletterns ein.

Die Bewertung einer Linie ist nie einfach, besonders bei einem Projekt, das mich jahrelang an meine Grenzen gebracht hat. Ich spüre eine große Verantwortung auf mir, vor allem, weil es sich um eine der schwierigsten Routen der Welt handelt. Deshalb halte ich es für wichtig, innezuhalten und sorgfältig nachzudenken.

Jorge Díaz-Rullo

Historische Erstbegehung nach 240 Tagen

Am 13. März 2026 realisierte Jorge Díaz-Rullo nach 240 Projekttagen die Erstbegehung von »Café Colombia« im Sektor Racó de la Finestra in Margalef. Der Durchstieg gelang an einem Frühlingsnachmittag mit optimalen Bedingungen – das Ende eines mehr als vier Jahre langen Prozesses. Die finale Crux, ein 8B-Boulder nach einer langen 9b/+-Passage mit kaum Ruhepositionen, stoppte ihn seit den ersten Durchstiegsversuchen im Frühjahr 2023 immer wieder. Trotz der Rückschläge zweifelte Díaz-Rullo nie grundsätzlich an der Machbarkeit. In seiner 240. Session fügte sich schließlich alles zusammen und heute verkündete der 27-Jährige, nach einiger Bedenkzeit, den Schwierigkeitsgrad 9c für sein Langzeitprojekt.

Eine extreme Ausdauerlinie in Margalef

Café Colombia wurde ursprünglich vom kolumbianischen Kletterer Anghelo Bernal auf der rechten Seite der Wand gebohrt. Die Route ist rund 30 Meter lang, im Überhang und besteht aus etwa 40 Zügen im technisch anspruchsvollen Stil, der Margalef auszeichnet. Díaz-Rullo begann im Herbst 2021 mit der Arbeit an der Route und investierte 240 Tage über mehr als vier Jahre, bis ihm schließlich der Durchstieg gelang.

Kleine Pockets und Zwei-Finger-Löcher sind der Hauptbestandteil der Linie | Bild: Adri Martínez

Geklettert wird auf gestreckten Positionen, überwiegend an kleinen Zwei-Finger-Löchern und Pockets. Präzise Fußarbeit sei bei der Linie ebenso entscheidend, wie Fingerkraft. Nur wenige Ruhe- und unangenehme Körperpositionen verlangen ein durchgängiges Energiemanagement. Die finale Crux präsentiert eine besonders komplexe Sequenz, in der jeder Zug zur Grenzerfahrung wird, so Díaz-Rullo. Besonderns, da die Linie bis zu dem Punkt schon ein wirkliches Ausdauer-Testpiece ist.

»Das Schwerste war für mich, wie fordernd die Route ist«, erklärt der 27-Jährige Madrilene. »Wenn mein körperliches Niveau auch nur leicht abfiel, konnte ich bestimmte Züge nicht machen; wenn ich ein bisschen Fingerkraft verlor, konnte ich die Griffe nicht mehr halten; und wenn meine Ausdauer nachließ, wurde das Zusammenfügen der Sektionen unmöglich. Dazu kommt, dass der Rhythmus so intensiv ist, dass man sich nicht den kleinsten Fehler erlauben kann.«

Ein Vorschlag für die Spitzenklasse des Sportkletterns

Nach der Analyse der Route und dem Vergleich mit eigenen Referenzbegehungen an der Spitze des Sportkletterns hat Díaz-Rullo entschieden, einen Grad von 9c vorzuschlagen, obwohl er einräumt, dass die Schwierigkeit sogar höher sein könnte. Der spanische Kletterer verfügt über umfangreiche Erfahrung auf höchstem Niveau, mit mehr als 90 gekletterten Routen im 9. Grad und über einem Dutzend Begehungen zwischen 9b und 9b+.

Die Route ist extrem schwer und hat mich an eine Belastungsgrenze gebracht, wie keine Linie vorher – sie ist nicht vergleichbar mit den 9b und 9b+-Routen, die ich bisher geklettert bin

Jorge Díaz-Rullo

»Ich habe das Gefühl, es könnte über 9c hinausgehen, aber ich habe keine echten Referenzen, um das einzuschätzen. Deshalb habe ich entschieden, 9c vorzuschlagen – ich denke, das ist der vernünftigste und ehrlichste Ansatz. Von da aus müssen wir auf zukünftige Wiederholungen warten, welche mich wirklich freuen würden«, schreibt er auf Instagram.

Abgesehen vom Grad macht mich vor allem die Tatsache glücklich, so etwas erreicht zu haben.

Jorge Díaz-Rullo

Steckbrief Café Colombia

Standort: Racó de la Finestra, Margalef (Tarragona, Spanien)
Vorgeschlagener Grad: 9c
Länge: ca. 30 Meter
Züge: ca. 40
Haken: 17 + Umlenker
Projektstart: Herbst 2021
Projekttage: 240

Jorge Díaz-Rullo vor der ünerhängenden Wand in Margalef. | Bild: Adri Martínez

Die anderen 9c-Routen der Welt

Mit Café Colombia gibt es weltweit fünf Routen mit dem Grad 9c – keine einzige davon wurde bisher wiederholt. Die neueste, Sean Baileys »Duality of Man«, wurde erst Anfang dieses Jahres eröffnet. Damit ist Café Colombia der zweite Vorschlag für den härtesten Grad im Sportklettern im noch jungen 2026.

Silence (9c) – Flatanger, Norwegen

Adam Ondra bohrte und kletterte 2017 als Erster die 45 Meter lange Route in der Hanshelleren Höhle – die erste 9c der Klettergeschichte. Die erste Boulder-Crux stufte Ondra damals als härteste 8C ein, die er je geklettert ist. Ob er das auch noch so sieht, nachdem er nun vier 8C Boulder geflasht hat, ist eine gute Frage. Bis heute ist Silence unwiederholt.

DNA (9c) – Verdon-Schlucht, Frankreich

Sébastien Bouin legte über 250 Versuche und 150 Tage in seine 50 Meter lange Dachroute in der Verdonschlucht, bevor er die Erstbegehung im April 2022 realisierte. Die Route beginnt mit einer 8c-Sequenz, durchläuft zwei knackige Boulder-Cruxen und endet in einer weiteren langen 8c-Passage. Bouin schwankte lange zwischen 9b+ und 9c und entschied sich schließlich für den mutigeren Vorschlag.

B.I.G. (9c) – Flatanger, Norwegen

Jakob Schubert holte sich am 20. September 2023 die Erstbegehung des anderen von Adam Ondra gebohrten Projektes in der Hanshelleren Höhle und gab der Route den Namen B.I.G. Nach langer Diskussion – Schubert und Ondra hatten beim gemeinsamen Erarbeiten zwischenzeitlich 9b+ für realistisch gehalten – sprach sich Schubert für 9c aus, auch gestützt auf Ondras Einschätzung. Er bezeichnete es als den »größten mentalen Kampf« seiner Karriere.

Duality of Man (9c) – Dry Canyon, Arizona, USA

Der neueste Vorschlag im 9c-Club. Sean Bailey kletterte sein Projekt in Arizona Gerüchten zufolge schon im Frühjahr 2025 – und hielt die Neuigkeit bis zur Mellow Film Tour im Februar 2026 geheim. Die ca. 30 Meter lange Route beginnt in Nathaniel Colemans »Lee Majors« (9a) und beinhaltet eine 8C-Boulder-Crux. Duality of Man wäre die erste 9c außerhalb Europas, sofern der Grad bestätigt wird.

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Credits Titelbild: Adri Martínez

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