Zurück am Seil: Stefano Ghisolfi klettert »The Ratstaman Vibrations« (9b)

Nachdem der Italiener im Frühjahr einige der schwersten Boulder der Schweiz abgehakt hat, tickt er nun seine zwölfte 9b: Chris Sharmas »The Ratstaman Vibrations« in Céüse.

Wer Stefano Ghisolfis Fels-Aktivität der vergangenen Monate verfolgt hat, könnte ihn beinahe für einen reinen Boulder-Spezialisten halten. Der 33-jährige Italiener wiederholte allein dieses Jahr vier 8Cs und eine 8C+ – darunter auch Tessiner Klassiker wie »Dreamtime« und »The Story of Two Worlds«.

Jetzt, wo es auf den Hochsommer zugeht, widmet sich Ghisolfi erneut dem Leadklettern, wo er mit vier 9b+ Begehungen zur absoluten Weltspitze gehört. In Céüse ist ihm nun »The Ratstaman Vibrations« gelungen – seine insgesamt zwölfte 9b und kein leichte Vertreter des Schwierigkeitsgrades.

Stefano Ghisolfi klettert »The Ratstaman Vibrations« (9b) | Bilder: Sara Grippo

Dritte Begehung des Sharma-Klassikers

Ghisolfis Wiederholung von »The Ratstaman Vibrations« ist erst die dritte Begehung der 30 Zug langen Route in Céüse. Eingebohrt wurde die Linie im Sektor Face de Rat bereits 2012 von Chris Sharma, der das Projekt freigab. In den Jahren darauf bissen sich einige der stärksten Kletterer wie Seb Bouin, Charles Albert und Sharma selbst die Welt die Zähne an der Route aus, die lange als potenzielle 9c gehandelt wurde.

Erst 2022 gelang Alex Megos die Erstbegehung von »The Ratstaman Vibrations«, die er als »eine der besten Linien irgendwo im 9b Bereich« bezeichnete. 2025 zog Yannick Flohé mit der ersten Wiederholung nach, der ebenfalls nur Lob für die Route übrig hatte.

Ghisolfis Boulder-Training zahlt sich aus

Stefano Ghisolfi hatte bereits in 2022 einige Tage in dem Projekt verbracht. Bei seinem zweiten Trip nach Céüse brauchte er sechs weitere Sessions bis zum Druchstieg. Zweimal fiel Ghisolfi dabei kurz vor Schluss – und ließ buchstäblich Blut, um die Route in seiner insgesamt achten Session zu klettern.

Sowohl Megos als auch Flohé schätzten »The Ratstaman Vibrations« als eher schwer für den Grad ein. Flohé beschrieb die Linie als Kombination aus einer 9a Route und einem 8A Boulderproblem.

Dass es bei ihm dieses Mal so schnell ging, schreibt Stefano Ghisolfi seinem Boulder-Training der vergangenen Monate zu. »Mit dem Training haben sich beide Schlüsselstellen okay angefühlt«, sagte der Italiener gegenüber 8a.nu.

Stefano Ghisolfi klettert »The Ratstaman Vibrations« (9b) | Bilder: Sara Grippo

Vorbereitung für den nächsten Flatanger-Trip

Seine gute Boulder-Form will Ghisolfi bald an der wohl schwersten Routen der Welt unter Beweis stellen. Im August und September reist er erneut ins norwegische Flatanger, um weiter an »Silence« zu arbeiten. Die steile 45-Meter-Route hat eine Boulder-Crux, die zwischen 8C und 8C+ bewertet wird. Ghisolfi konnte die Sequenz bereits isoliert klettern.

Auch der Schotte Will Bosi projektiert gerade die spektakuläre Linie in der Hanshelleren-Höhle, die Adam Ondra 2017 als erste 9c der Welt etabliert hatte. Dass »Silence« dieses Jahr seine erste Wiederholung sehen könnte – ganz unwahrscheinlich ist es nicht.

Das könnte dich interessieren

+++

Credits Titelbild: Sara Grippo

Aktuell

„DüDaDo im Nirgendwo“ (8a+) – Neue Alpine Mehrseillänge von Schild & Bacchetto

Jonas Schild und Anja Bacchetto haben am Scheideggwetterhorn eine neue alpine Mehrseillängenroute eröffnet. „DüDaDo im Nirgendwo" (8a+) führt in neun Seillängen über den Epp-Pfeiler. Im September gelang Schild die freie Begehung.

Weltcup-Saisonabschluss in Chile: Garnbret und Utelli gewinnen im Lead, Doppelgold für China im Speed

Beim Weltcup in Santiago de Chile holten die Chinas Zhao Yicheng und Lijuan Deng Gold im Speed. Das letzte Set Lead-Goldmedaillen an Janja Garnbret und an den Überraschungssieger der Herren, den Schweizer Jonas Utelli. Alle Ergebnisse vom Wochenende sowie das finale Gesamtranking im Überblick.

Alpenverein zum Klimagesetz: Ohne Konsequenzen wirkungslos

Während in Salzburg junge Menschen beim Klimastreik auf die Straße gehen, stellt sich der Österreichische Alpenverein hinter seine Jugend: Das geplante Klimagesetz brauche verbindliche Konsequenzen, sonst bleibe es wirkungslos.

Neues Mitglied im 9A-Club: Ritsu Kayotani wiederholt „No One Mourns the Wicked“

Dem 20-jährigen Japaner ist die mittlerweile fünfte Begehung der Linie in Colorado gelungen. Für Kayotani ist es der erste Boulder im Schwierigkeitsgrad 9A – der steht allerdings seit Yannick Flohés Abwertungsvorschlag auf 8C+ zur Debatte.

„DüDaDo im Nirgendwo“ (8a+) – Neue Alpine Mehrseillänge von Schild & Bacchetto

Jonas Schild und Anja Bacchetto haben am Scheideggwetterhorn eine neue alpine Mehrseillängenroute eröffnet. „DüDaDo im Nirgendwo" (8a+) führt in neun Seillängen über den Epp-Pfeiler. Im September gelang Schild die freie Begehung.

Weltcup-Saisonabschluss in Chile: Garnbret und Utelli gewinnen im Lead, Doppelgold für China im Speed

Beim Weltcup in Santiago de Chile holten die Chinas Zhao Yicheng und Lijuan Deng Gold im Speed. Das letzte Set Lead-Goldmedaillen an Janja Garnbret und an den Überraschungssieger der Herren, den Schweizer Jonas Utelli. Alle Ergebnisse vom Wochenende sowie das finale Gesamtranking im Überblick.

Alpenverein zum Klimagesetz: Ohne Konsequenzen wirkungslos

Während in Salzburg junge Menschen beim Klimastreik auf die Straße gehen, stellt sich der Österreichische Alpenverein hinter seine Jugend: Das geplante Klimagesetz brauche verbindliche Konsequenzen, sonst bleibe es wirkungslos.