Eneko und Iker Pou: Erste freie Begehung von „Vicios Ocultos“

Eneko und Iker Pou haben „Vicios Ocultos“ (7c, 285 m) am Tiro Pedabejo in den Picos de Europa erstmals frei geklettert und zwar ein Jahr nachdem die baskischen Brüder die sechs Seillängen selbst eröffnet hatten.

Sechs Seillängen, zwei lange Tage

Die Route zieht über 285 Meter durch die Wand des 2.189 Meter hohen Tiro Pedabejo. Eröffnet haben die Brüder aus der baskischen Provinz Álava sie im vergangenen Jahr – ground-up und etwa zur selben Jahreszeit wie jetzt die freie Begehung. „Letztes Jahr haben wir die Erstbegehung an zwei langen Tagen gemacht – solchen, an denen man im Dunkeln losgeht und im Dunkeln zurückkommt. Bei der freien Begehung war es genauso.“ erzählt Eneko Pou in der Pressemitteilung der Brüder.

Auch die freie Begehung zog sich demnach über zwei Tage. Am ersten war der Südtiroler Mathias Senfter dabei, doch nicht alle Seillängen gingen frei. Am zweiten Tag – ohne Senfter, der abreisen musste – brachten die Brüder die Sache zu Ende. Ruhiger als bei der Erstbegehung verlief der Durchstieg dennoch. 2025 hatte sich beim Ausstieg aus der vierten Seillänge ein Block bewegt und ein Sturz über 30 bis 40 Meter blieb damals nur knapp aus. Diesmal gab es keinen vergleichbaren Moment.

Unterwegs im Dämmerlicht – die Tage am Tiro Pedabejo begannen und endeten im Dunkeln. | Bild: Iker und Eneko Pou

Potential für einen neuen Klassiker

Die Schlüssellänge kommt früh: Auf eine 5+ zum Einstieg folgt direkt die 7c. Danach geht es mit 7a+, 7b und 7a weiter, den Abschluss bildet eine 6b. Die Pou-Brüder verstehen diese Aufteilung ausdrücklich als vorläufig, präzisieren sollen sie erst künftige Wiederholungen. „Sie zählt zu den schönsten Routen, die wir in diesen Bergen je geklettert sind. Die Linienführung ist fantastisch, die Felsqualität hervorragend, und die Tour bietet sechs Seillängen von echter Klasse. Aus all diesen Gründen – und trotz einer gewissen Ausgesetztheit – sind wir überzeugt, dass sie sich zu einem großen Klassiker entwickeln wird, zumal der Schwierigkeitsgrad nicht extrem ist“, so beschreiben Iker und Eneko die „Vicios Ocultos“. Für Kletterinnen und Kletterer, die alpine Mehrseillängen im siebten französischen Grad suchen, könnte in den Picos damit ein neues Ziel Traumziel entstehen.

In den ersten Metern von „Vicios Ocultos“ – darüber baut sich die Wand auf. | Bild: Iker und Eneko Pou

Zweite Linie am Tiro Pedabejo

Der Gipfel des Tiro Pedabejo liegt zwischen dem leonesischen Valdeón-Tal und dem kantabrischen Liébana. Iker Pou kennt ihn gut: 2019 eröffnete und befreite er hier mit Jon Gurutz Lazkoz und Kiko Cerdá die Bigwall Linie „Dardara“ (7c+/8a, 200 m). „Ein sehr eleganter, schöner und senkrechter Berg“, beschreibt Iker Pou den Tiro Pedabejo, immerhin gehört steile Kletterei zu seinen liebsten Stilen.

Es ist Teil der Philosophie der Pou-Brüder: Sie erschließen nicht nur Routen, sondern kehren auch gerne zurück, um sie frei zu klettern. In den Picos de Europa haben sie das unter anderem bei „Orbayu“ (8c/8c+), „Rayu“ (8c) und „Lurgorri“ (8c) getan. „Das ist doppelte Arbeit, aber so fühlt es sich an wie eine Zehn von Zehn in der Prüfung“, witzelt Iker.


Steile Wandkletterei in einer der Seillängen von „Vicios Ocultos“ am Tiro Pedabejo. | Bild: Iker und Eneko Pou

Der Routenname „Vicios Ocultos“ – übersetzt etwa „versteckte Laster“ – geht auf einen Abend in der Hütte „La Ardilla Real“ in Santa Marina de Valdeón zurück, der ihnen stark im Gedächtnis geblieben ist. „Es war unsere Art, ihnen die Route zu widmen, nach einigen unvergesslichen Tagen in ihrer Gesellschaft in diesem wunderschönen Winkel der Berge von León, den wir so sehr lieben.“

Der Tiro Pedabejo (2.189 m) zwischen Valdeón und Liébana. | Bild: Iker und Eneko Pou

Von Peru zurück in die Picos

Die freie Begehung schließt ein starkes Jahr für die Pou Brüder ab. Zu Sommerbeginn eröffneten die beiden in den peruanischen Anden „Bonustrack“ (WI7/M6/6c, 1.060 Meter) im Alpinstil – nach eigener Einschätzung ihre bislang bedeutendste alpine Leistung. Bis Weihnachten stehen für Eneko und Iker Pou nun vor allem Vorträge an. Und irgendwann, so heißt es aus ihrem Umfeld, müssten sie sich hinsetzen und ihre Routen in den Picos de Europa einmal durchzählen.

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Credits Titelbild: Pou Brüder

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