Neue Kletterroute am Südpfeiler der Cima dal Largh eröffnet

Marcel Schenk und David Hefti gelingt am 5. Juli 2019 die erste freie Begehung des Südpfeilers an der Cima dal Largh (7b/7b+ / 6c obl.), einem historisch bedeutenden Gipfel des Bergells.

Ein Bericht von Marcel Schenk und David Hefti von www.govertical.ch

Schon die Bergführerlegende Christian Klucker war von der wilden Spitze des Cima dal Largh angetan. Es brauchte etliche Versuche und Erkundungen bis er zusammen mit Mansueto Barbaria am 29. Juni 1891 auf dem höchsten der drei Gipfel stand.

Fast achtzig Jahre später, am 26. August 1974 eröffneten Flury Koch und Paul Muggli eine für die damalige Zeit sehr schwierige Route über den markanten Südpfeiler. Damals wurde die Kletterei grösstenteils mittels technischer Hilfsmittel überwunden, wobei viele Haken und Holzkeile geschlagen wurden. Dass diese zwei Begehungen von wahren Meistern der damaligen Kletterkunst begangen wurde, sieht man noch heute auf Grund der perfekten Linienwahl.

Die Cima da Largh. Über die Kante links verläuft die Route des Südpfeilers.

Die Cima da Largh. Über die Kante links verläuft die Route des Südpfeilers.

Wir haben haben uns die erste freie Begehung zum Ziel gesetzt. Das heisst, jede einzelne Seillänge ohne Belastung von Haken und Seil zu klettern. Der Gipfel steht in einer wilden, abgelegenen Gegend. Demnach ist der Zustieg lange. Wir können jedoch von den grossen Schneemengen des Frühjahrs profitieren. Mühsame Geröllfelder sind noch schneebedeckt und ermöglichen ein zügiges Steigen. Kurz vor der Furcela Bacun geht die Sonne auf und taucht die Bergeller Granitberge für kurze Zeit in schönste Rottöne. Kurz darauf stehen wir am Fuss des steil in die Höhe ragenden Südpfeilers. Der Fels ist roströtlich. Wir können davon ausgehen, dass die Felsqualität ausgezeichnet sein wird.

Letzte Vorbereitungen am Einstieg des Südpfeilers

Letzte Vorbereitungen am Einstieg des Südpfeilers.

Die ersten hundert Meter klettern wir zügig hoch. Hier beginnen die steilsten Meter des Südpfeilers. Schon vom Standplatz aus sehen wir, dass die Route nach einem perfekten Riss in einen kompakten Pfeiler übergeht. Dies wird bestimmt die Schlüsselstelle sein. Wie schwierig das sein wird, ob wir dem gewachsen sind oder ob es überhaupt frei kletterbar ist, steht noch in den Sternen.

Marcel Schenk beim Auschecken der Schlüsselseillänge

Marcel Schenk beim Auschecken der Schlüsselseillänge.

David steigt motiviert ein und kämpft sich nach oben. Dabei stürzt er mehrmals und sucht nach neuen Griffen und möglichen Abfolgen. Kurz vor dem nächsten Stand ruft er runter: «Das geht frei!» Marcel klettert von oben gesichert und reinigt mit seiner kleinen Bürste die notwendigen Griffe und Tritte. Die genauen Bewegungen werden einstudiert und auch er ist der Meinung, dies sollte frei kletterbar sein.

David Hefti in den perfekten Risse der Schlüsselseillänge

David Hefti in den perfekten Risse der Schlüsselseillänge.

Nach zwei weiteren Seillängen erreichen wir den Gipfel. Wir bestaunen die gewaltige Aussicht und exponierte Lage des Cima dal Largh. Die Gipfelrast fällt heute kurz aus, denn unser Projekt wollen wir noch heute abschliessen. So seilen wir uns wieder ab bis zur Schlüsselseillänge.

Schon nach den ersten Klettermetern ist der Fokus wieder voll und ganz auf die einzelnen Bewegungen gerichtet. Feinste Griffe und kleinste Strukturen für die Füsse bringen Marcel Meter für Meter höher. Die einzigartige Felsqualität lässt unsere Kletterherzen höherschlagen. Die ersten schwierigen Züge des zehn Meter hohen, glatten Felspanzers sind geschafft. Nun folgt eine Reihe toller Kletterbewegungen, welche zum finalen Griff im nächsten Risssystem führen. Von unten kommen motivierende Zurufe. Mit einem letzten Schub nach oben erreicht Marcel das seichte Podest des nächsten Standes

Marcel Schenk klettert in der zweiten Seillänge

Marcel Schenk klettert in der zweiten Seillänge.

David braucht noch einen Versuch mehr. Doch auch ihm gelingt kurz darauf die freie Durchsteigung der Schlüssellänge. Die Freude ist riesig. Entspannt und überglücklich sitzen wir auf dem kleinen Felsband und geniessen die herrliche Aussicht bis zum fernen Monte Rosa.

Topo der Route am Südpfeiler der Cima dal Largh

Topo der Route am Südpfeiler der Cima dal Largh

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Credits: Bild und Text Marcel Schenk und David Hefti – www.govertical.ch

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