Die peruanischen Behörden haben eine temporäre Sperrung sämtlicher Berg- und Hochtouren in der gesamten Cordillera Blanca angekündigt. Die Maßnahme gilt vom 24. Dezember 2025 bis zum 31. März 2026. Sie betrifft sowohl kommerzielle Anbieter als auch Individualbergsteigerinnen und -bergsteiger.
Wieso eine Sperrung des Gebietes?
Wie andere Bergregionen weltweit ist auch die Cordillera Blanca in Peru vom Klimawandel betroffen. Der Rückgang der Gletscher, mehr offene Gletscherspalten, instabiles Eis und wechselhaftes Wetter haben die Gefahren für Bergsteigende erhöht. Die Parkverwaltung erklärte in einer offiziellen Mitteilung, dass die Entscheidung auf technischen Berichten des Nationalen Instituts für Gletscher- und Hochgebirgsforschung (INAIGEM) basiert. Diese weisen auf einen beschleunigten Gletscherrückgang sowie auf die Zunahme von Gletscherspalten hin. Zudem kommt es vermehrt zur Bildung neuer Gletscherseen und zu zunehmend unvorhersehbaren klimatischen Bedingungen. »Im Vergleich zu den Vorjahren sind die Bedingungen in den Bergen deutlich dynamischer geworden«, erzählt uns Bergführer, Tour-Operator und Hotelbesitzer aus der Region Marco Antonio Lliuya Reyes. »Der Gletscherschwund ist deutlicher sichtbar, wodurch einige klassische Routen weniger vorhersehbar geworden sind. Als Bergführer müssen wir nun sorgfältiger planen und uns ständig an die sich ändernden Bedingungen anpassen«, berichtet er weiter.

Kein Bergsteigen auf Schneebedeckten Gipfeln
Die Maßnahme untersagt sowohl kommerziellen Tourismusanbietern als auch der Allgemeinheit den Zugang zu sämtlichen vergletscherten Bergen der Region. Außerdem verweisen die Behörden auf den wachsenden Druck durch den Bergtourismus selbst. Die »Überlastung durch Hochtourenaktivitäten – sowohl auf autorisierten als auch auf nicht autorisierten Gipfeln« mache Schutzmaßnahmen notwendig, um die Erholung und den Erhalt der sensiblen Hochgebirgsökosysteme sicherzustellen. Rechtliche Grundlage ist das Reglement zur touristischen Nutzung von Schutzgebieten in Peru, das Einschränkungen unter anderem bei übermäßigen Besucherzahlen, widrigen Wetterbedingungen, Gefährdung der Besucherinnen und Besucher sowie bei der Nutzung nicht genehmigter Routen vorsieht.

Bergsteiger Sebastian Staendecke war letztes Jahr in der Cordillera Blanca unterwegs. Er berichtet uns ebenfalls von den Veränderungen in der Region und den Gefahren, die diese mit sich bringen: »Im Zustieg vom Basecamp zum Hochlager des Copa ist die kleine Gletscherzunge verschwunden. Wo früher Eis die Felsbrocken zusammengehalten haben, fliegt heute bei jedem Schritt etwas – von Sand bis faustgroße Brocken oder größeres.«
Gerade für die dort ansässigen Menschen hat der Klimawandel gravierende ökologische und gesellschaftliche Folgen. Der Rückgang der Gletscher gefährdet wichtige Süßwasserreserven für Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft und Energiegewinnung, während sich gleichzeitig instabile Gletscherseen bilden, die das Risiko von Überschwemmungen und Erdrutschen erhöhen.

Sperrungen fallen in die Regenzeit
Nicht betroffen von der Sperre sind tiefer gelegene Kletter- und Tourismusaktivitäten. Zustiege, Trekkingrouten sowie nicht vergletscherte Klettergebiete bleiben durchgehend geöffnet. Das Verbot bezieht sich ausschließlich auf schneebedeckte und vergletscherte Gipfel. Für Hochtouren Fans hier außerdem die gute Nachricht: Die Saison für Touren in der Cordillera Blanca ist von Juni bis September. Also weit außerhalb der temporären Sperrzeiten, die in die Regenzeit der Region fallen. Der Tourismus und der Tourenbetrieb in der Gebirgskette bleiben also weitestgehend unbetroffen.

Das alpine Herzstück der Tropen
Die Cordillera Blanca in den nördlichen Anden Perus ist mit einer Länge von 180 km und über 50 Bergen über 5700 m die höchste Gebirgskette des amerikanischen Kontinents und zugleich die höchste in den Tropen. Sie liegt in der Region Ancash und zählt zu den stärkst vergletscherten Gebirgszügen der Tropen weltweit. Außerdem beherbergt sie mit dem Huascarán (6.757 m) den höchsten Berg des Landes. Der Nationalpark Huascarán ist zudem als UNESCO-Weltnaturerbe ausgewiesen. Mit mehr als dreißig Sechstausendern auf engem Raum vereint sie stark vergletscherte Flanken und technisch anspruchsvolle Routen in einer für die Tropen einzigartigen Dichte. Gleichzeitig ist das Gebirge stets vergleichsweise zugänglich: kurze Zustiege, lokale Infrastruktur und ein etabliertes Bergführersystem machten anspruchsvollen Höhenalpinismus auch für internationale Seilschaften realisierbar. Bekannte Gipfel der Gebirgskette sind der Chopicalqui (6354 m), Tocllaraju (6034 m) und der als schönster Berg der Welt geltende, knapp darunter liegende Alpamayo (5947 m).

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Credits: Titelbild: Sebastian Staendecke


Anscheinend ist die Kompetenz der in Peru aktiven Alpinisten und Alpinistinnen derart gering, dass eine Behörde zur Gewährung deren Sicherheit, einschreiten muss…