Vor der Arbeit kurz eine Rope-Solo Erstbegehung im Eis

Der angehende Bergführer Juho Knuuttila ist bekannt für seine kühnen Begehungen im anspruchsvollen Eis- und Mixed-Gelände des hohen Nordens. Im Dezember kletterte er mit Alexander Nordvall Arctic Circus (M6, WI6) am Rånkeipen. Vor wenigen Tagen kehrte er frühmorgens an die Wand unweit von Narvik zurück, um vor der Arbeit noch eine weitere wilde Mixed-Linie erstzubegehen – im Alleingang.

«Nachdem ich letzten Monat mit Alexander Nordvall Arctic Circus (M6, WI6) am Rånkeipen geklettert bin, war ich gefesselt vom Gedanken, zu dieser Wand zurückzukehren», erzählt Juho Knuuttila. «Es gab nur wenige andere mögliche Routen, aber um sie sicher zu erreichen, musste man sich abseilen und dann klettern.»

Unweit von Narvik realisiert Juho Knuutila am Rånkeipen die Rope-Solo-Erstbegehung von Polar Vortex. Bild: Juho Knuutila
Unweit von Narvik realisiert Juho Knuuttila am Rånkeipen die Rope-Solo-Erstbegehung von Polar Vortex. Bild: Juho Knuuttila

Rope-Solo statt Free Solo

Gesagt, getan. Am frühen Morgen des 4. Januar klettert Juho Knuuttila über die Normalroute auf den Rånkeipen. Das Whiteout habe seine Stimmung nicht gerade angehoben. Als er jedoch damit begann, auf die Kante unterhalb der geplanten Linie abzuseilen, begann er sich besser zu fühlen.

«Ich hatte keine Ahnung, ob ich zu meinen Skis würde zurückkehren können. Plan B war es, die geladenen Rinnen und Couloirs hinunter nach Råndalen zu navigieren.»

Juho Knuuttila

Eigentlich hatte er damit gerechnet, den grössten Teil der Linie Free Solo zu klettern. «Aber als sich die einfach aussehenden Rampen dann als glatte, mit Pulverschnee bedeckte Platten entpuppten, hatte ich keine andere Wahl, als wieder zurück zu klettern und auf Rope-Solo umzustellen.»

Entgegen seiner Erwartungen trifft Juho Knuutila in der Wand auf äusserst anspruchsvolle Verhältnisse. Bild: Juho Knuutila
Entgegen seiner Erwartungen trifft Juho Knuuttila in der Wand auf äusserst anspruchsvolle Verhältnisse. Bild: Juho Knuuttila

«Die intensivsten Stunden meines Lebens»

Das anspruchsvolle Gelände forderte seinen Tribut und so brauchte Juho Knuuttila zwei Stunden für die ersten 50 Meter, die ihn zur ersten grossen Eisstruktur führten. Die überhängende Kante sei nicht gerade die Art von WI5 gewesen, die er sich erhofft hatte.

Und es ging im gleichen Stil weiter: Dry tooling, dünne Eistraversen, kleine Überhänge und frei hängende Eiszapfen. «Ich benötigte weitere zwei Stunden, um mich das wilde Gelände empor zu kämpfen.» Als er endlich einfacheres Gelände erreichte, war fast das ganze Seil aufgebraucht.

«Ich säuberte die Seillänge, kletterte im leichteren Eis zum Gipfel und fuhr um 13.30 Uhr erschöpft, aber glücklich zur Arbeit hinunter. Ich hatte gerade einige der intensivsten Stunden meines Lebens erlebt.

Juho Knuuttila
Die Linie von Polar Vortex (M6, WI6) am Rånkeipen Südwestlich von Narvik. Bild: Juho Knuutila
Die Linie von Polar Vortex (M6, WI6) am Rånkeipen südwestlich von Narvik. Bild: Juho Knuuttila

Das Resultat seines abenteuerlichen Alleingangs taufte Juho Knuuttila Polar Vortex. Die Schwierigkeiten seiner Erstbegehung liegen bei M6, WI6. Und somit wäre auch die Frage geklärt, was ein Profi-Alpinist frühmorgens vor der Arbeit macht.

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Credits: Titelbild Juho Knuuttila

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