Bouldern boomt nicht nur in den Hallen – immer mehr begeisterte Indoorsportler lernen auch beliebte Gebiete wie Magic Wood, das Frankenjura oder die weiter entfernten Rocklands für sich kennen. Mit unseren Tipps kannst du Bouldern am Fels für Mensch und Natur sicher und nachhaltig mitgestalten.
Rund 550 Kletter- und Boulderhallen zählte der DAV 2023 in einer offiziellen Hochrechnung1 – und schätzte die Anzahl der aktiven Kletterinnen und Kletterer in Deutschland auf rund eine Million. Weil insbesondere Bouldern immer beliebter wird, dürften Boulderhallenbesucherinnen und -besucher mindestens die Hälfte von ihnen ausmachen, so der DAV: «Mittlerweile dürfte es deutlich mehr als 500.000 Boulder*innen geben.»
Was macht der Boulderboom mit dem Fels?
Im Gegensatz zu den noch immer neu entstehenden Boulderhallen ist das Felsbouldern im Gegensatz zum -klettern noch deutlich weniger etabliert. Der DAV schätzt auf Basis regelmäßiger Befragungen, dass derzeit nicht ganz jeder dritte Hallenboulderer sein Hobby auch regelmäßig am Fels ausübt.
Derzeit betreiben rund 30 % aller Boulderer ihren Sport auch draußen.
DAV

30 Prozent klingt zwar zunächst nicht nach viel – beachtet man den rasanten Anstieg der Boulderfans in den Hallen, dann sind derzeit trotzdem so viele Menschen wie noch nie zuvor in den verschiedenen Bouldergebieten unterwegs.
Dieser Ansturm ist nicht nur für die Sportler spürbar: Gerade in beliebteren Gebieten gibt es seit einigen Jahren Probleme mit Umweltschutz oder Konflikte mit Anwohnern. Vielerorts, etwa in Fontainebleau oder der Schweiz, ergreifen Gemeinden eigene Maßnahmen, um der Menge der Boulderbegeisterten Herr zu werden. Trotzdem drohen immer wieder Zugangsverbote oder Sperrungen – nicht zuletzt im Frankenjura, wo das Bouldern durch den Boulderappell nur lose reguliert ist und ein heißes Thema bleibt.
Nachhaltiges Bouldern am Fels: Geht scho‘!
Wir haben den ultimativen Guide zusammengestellt und dabei viele verschiedene Aspekte und Perspektiven auf das Bouldern am Fels berücksichtigt. Mit diesem Boulder-Knigge trägst du aktiv dazu bei, dass Felsbouldern nicht nur langfristig mit Umweltschutz vereinbar ist, sondern auch erlaubt bleibt.

Vor dem Bouldern
- Informier dich über gesperrte Gebiete: Für die meisten Bouldergebiete gibt es gut verfügbare, aktuelle Informationen im Internet.
- Guck auf’s Wetter: Das erspart dir unschöne Überraschungen – in Gebieten mit empfindlichem Sandstein ist auch das Bouldern an feuchtem Fels verboten!
- Check deine Anreisemöglichkeiten: Manche Boulderspots sind auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Rad oder zu Fuß erreichbar – die Ecopoint-Bewegung versucht mehr Bewusstsein für eine nachhaltige Anreise zu schaffen.
- Nutze nur ausgewiesene Parkplätze: Viele Topos weisen explizite Parkplätze bzw. eine Parkordnung für das jeweilige Gebiet aus.
- Respektiere die Anwohner vor Ort: Parken auf Grundstücken oder vor Einfahrten ist absolut tabu!
- Augen auf beim Zustieg: Bleib auf den bestehenden Wegen, um Flora und Fauna zu schützen.

Beim Bouldern
- Safety first: Draußen ist keine Boulderhalle! Achte unbedingt darauf, dass du genügend Crashpads (sinnvoll!) auslegst, und halte die Sturzzone frei. Lass dich von Mitbouldernden spotten und lerne, wie du andere am besten spottest. Falls du ein Landing baust, bewege dafür kein Gehölz, das dort von Anwohnern/Grundeigentümern hingelegt wurde (Feuerholz etc.).
- Sparsam chalken & ticken: Chalk (und insbesondere Kolophonium-haltiges Liquid Chalk) verschleißen langfristig Griffe, Boulder und ganze Gebiete. Setz dein Magnesium sparsam ein und respektiere örtliche Verbote!
- Lautstärke beachten: Laute Musik und Power-Screams stören nicht nur andere Boulderer, sondern vor allem tierische Bewohner. Du bist in der Natur zu Gast – benimm dich auch so.
- Bewuchs belassen: Entferne keinen Bewuchs auf oder an Felsen ohne eine Genehmigung/Absprache über die Neuerschließung von Bouldern in dem Gebiet. Wenn Fels oben stark bewachsen ist, lass den Topout sein.
- Lass das Feuer bleiben: Gerade im Sommer ist in vielen Gebieten die Waldbrandgefahr extrem hoch und offenes Feuer (Zigaretten!) streng verboten. Gehe auch ohne Verbot vorsichtig mit Asche und Glut um.
- Was muss, das muss: Wenn du dein Geschäft erledigst, tu es in guter Entfernung zum Fels und hebe ein Loch aus, das du später wieder bedeckst.
- Mach Feierabend, wenn es dunkel wird: In manchen Bouldergebieten sind Nachtsessions zwar nicht explizit verboten, aber nächtliche Ausflüge an den Fels beeinträchtigen den natürlichen Rhythmus vieler Tiere enorm – gerade zur Brut- oder Paarungszeit.

Knigge-Exkurs: soziales Bouldern
- Fragen kostet nichts: Frag nach, bevor du in das Projekt von jemandem einsteigst, der vor dir da war – steig nicht einfach ungefragt ein.
- Keine Boulder blockieren: Wenn du mit einer größeren Gruppe an einem Boulder bist, wechselt euch mit euren Versuchen ab. Wenn sich jemand gerade den Boulder geputzt hat, lass der Person den Vortritt.
- Respektiere das Eigentum der anderen: Lauf nicht mit dreckigen Schuhen über die Pads deiner Mitboulderer und lass auch deinen süßen Hund am besten nicht darüberrennen. Auch bei Chalk, Bürsten & Co. gilt: nachgefragt statt zugelangt.
- Mach die Kletterschuhe sauber: Das ist nicht nur nett gegenüber deinen Mitmenschen, sondern schützt den Boulder langfristig vor Abrieb.
- Niemand mag «Beta-Sprayer»: Du weißt genau, wie der Boulder geht, den gerade jemand anderes probiert? Cool, aber warte ab, ob dich jemand danach fragt. Falls du unbedingt möchtest, biete deine Unterstützung an – und akzeptiere ein «Nein».
- Sei inklusiv: Jeder darf draußen bouldern, egal ob Outdoor-Veteranin oder blutiger Anfänger. Solange alle die Regeln einhalten, sind alle willkommen.
Nach dem Bouldern
- Mach sauber: Bürste das Chalk von den Griffen und entferne Tickmarks, wenn du gehst – auch wenn es nicht deine sind.
- Bring den Müll raus: Nimm sämtliche Abfälle mit, die du am Fels hinterlassen hast. Das gilt auch für Exkremente von deinem Hund.
- Leave no trace: Sofern nicht mit dem Eigentümer abgesprochen, nimm auch dein Equipment (Pads!) wieder mit nach Hause.
- Schlaf nur da, wo es erlaubt ist: Wildcampen ist in den meisten europäischen Bouldergebieten nicht gerne gesehen – Ausnahmen gibt es trotzdem. Informiere dich am besten vorab über Übernachtungsmöglichkeiten.

Örtliche Besonderheiten beachten
Auch wenn du mit unserem Guide nicht viel falsch machen kannst, gilt es trotzdem örtliche Besonderheiten und Regeln des jeweiligen Gebiets zu beachten. Das betrifft beispielsweise Sandstein-Gebiete wie Fontainebleau oder Albarracín, wo das Bouldern an noch feuchtem Fels jedes Jahr massive Schäden hinterlässt und manche Boulder für immer zerstört.
Wenn du dir nicht sicher bist, was in einem bestimmten Gebiet alles (nicht) erlaubt ist, informiere dich vorab: im Topo, aber auch in digitalen Foren oder auf Social Media.
Nützliche Links
- Albarracín: Infos auf 27crags
- Fontainebleaurules auf Instagram: Regeln, aktuelle Sperrungen & News
- Frankenjura: Boulderappell für nördliches Frankenjura & Fichtelgebirge
- Magic Wood: Info-Seite Valferrera
- Ticino Boulder: alle Infos zu Bouldern im Tessin
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Credits Titelbild: DAV/Wolfgang Ehn
- Die Zahlen sind Schätzungen und beruhen auf regelmäßigen Befragungen im DAV-Mitgliedermagazin „Panorama“ und vom DAV in Auftrag gegebenen Befragungen in Kletterhallen. Außerdem beruhen die Schätzungen auf Hochrechnungen von Hallen-Eintrittszahlen. ↩︎

