Fontainebleau: Feuerwehrmann gesteht Brandstiftung – wie geht es weiter mit dem Wald?

Absurder geht es kaum: Ein 19-jähriger Feuerwehrmann aus Frankreich hat gestanden, den Brand im Wald von Fontainebleau gelegt zu haben. Das Feuer ist mittlerweile unter Kontrolle, aber noch nicht vollständig gelöscht. Experten sagen: Bis sich die »grüne Lunge« von Paris erholt, könnte es Jahrzehnte dauern.

Freiwilliger Feuerwehrmann legte Brand mit Benzin und Reisig

Zehn Tage ist es her, dass der verheerende Großbrand im Wald von Fontainebleau ausgebrochen ist. Mehreren Medienberichten zufolge hat sich nun ein 19 Jahre alter Mann zur Brandstiftung bekannt. Dabei handelt es sich um ein Mitglied der freiwilligen Feuerwehr ohne bisherige Vorstrafen. Der Mann habe gestanden, mit einem Feuerzeug und Benzin Reisig angezündet zu haben. Über das Motiv des 19-Jährigen gaben Polizei und Staatsanwaltschaft bisher nichts bekannt. Für die mehr als 850 Einsatzkräfte in der Region kam die Nachricht über die Identität des Täters als Schock.

Im Zuge der Ermittlungen wurden laut der Staatsanwaltschaft Fontainebleau insgesamt sechs verdächtige Personen in Gewahrsam genommen. Ein weiterer Verdächtiger, 18 Jahre alt, hat inzwischen zugegeben, mit seiner weggeworfenen Zigarette versehentlich ein Feuer verursacht zu haben.

Neue Hitzewelle gemeldet: Situation bleibt angespannt

Der Brand in Fontainebleau gilt seit letztem Mittwoch als unter Kontrolle, aber der trockene Waldboden kokelt vielerorts weiter. Dabei flammen vereinzelte Brandherde – sogenannte »Zombie-Feuer« – immer wieder auf und können sich erneut ausbreiten. Aus diesem Grund sind dort weiterhin viele hundert Feuerwehrmänner und -frauen in Bereitschaft.

Eine Entwarnung für die Region ist erst dann absehbar, wenn der gesamte Wald einen starken Regenschauer erlebt hat. Der lässt aber laut aktuellem Wetterbericht noch lange auf sich warten: Für Ende Juli und Anfang August sind in Fontainebleau Temperaturen von bis zu 44 Grad gemeldet.

Enormer Schaden an Biodiversität

Bei dem Großbrand wurden mehr als 2.000 Hektar zerstört – etwa zehn Prozent des ganzen Waldes. Rund 1.000 Personen mussten zeitweise ihre Häuser verlassen, 15.000 Tier- und Pflanzenarten sind von der Brandkatastrophe betroffen. Experten sprechen von einem enormen Schaden an einer der wichtigsten Schutzräume für Biodiversität in Europa.

Wie viele Tiere den Brand nicht überlebt hätten, ist derzeit noch völlig unklar. Vor allem für Reptilien, Amphibien und Insekten sei es besonders schwer gewesen, den Flammen zu entkommen, sagte eine Sprecherin des nationalen Forstamts (ONF) gegenüber dem französischen Nachrichtenportal RFI. Welche Populationen überlebt haben und inwiefern sie in ihren ehemaligen Lebensraum zurückkehren können, müssen forstamtliche Untersuchungen erst noch zeigen.

Auch der Schaden an der Vegetation ist noch nicht ganz absehbar: Denn viele Bäume, die derzeit noch grüne Blätter tragen, seien am Stamm komplett verbrannt und würden mit hoher Wahrscheinlichkeit sterben, so die Mitarbeiterin des ONF.

Das Problem dabei ist nicht nur der Verlust einzelner Tier- und Pflanzenarten, sondern der Schaden am komplexen Ökosystem des Waldes. Darin spielen insbesondere Insekten eine wichtige Rolle, während der Verlust von Vegetation das ohnehin starke Problem der Erosion weiter verschärft. Auch invasive Pflanzenarten könnten sich nun stärker in der Region verbreiten.

Bis sich der Wald vollständig von dem Brand erholt, könnte es viele Jahre dauern – in einigen besonders betroffenen Arealen sogar Jahrzehnte.

Wald gesperrt, Boulder-Festival abgesagt

Seit dem Großbrand hat das Département Seine-et-Marne den Zugang zum Wald Fontainebleau und Trois Pignons vorerst bis zum 31. Juli gesperrt (Stand: 25. Juli). Dass Besucherinnen und Besucher das Gebiet danach direkt wieder betreten können, ist angesichts der aktuellen Situation unwahrscheinlich.

Das Women’s Bouldering Festival zieht derweil Konsequenzen: In Rücksprache mit dem nationalen Forstamt haben die Organisatorinnen ihr diesjähriges Event im September abgesagt. »Unsere Priorität ist es, den Wald zu schützen«, so die Veranstalterinnen. Dabei gehe es auch darum, mit gutem Beispiel voranzugehen.

Ob Sperrung oder nicht: Wer dieses Jahr einen Bouldertrip nach Fontainebleau geplant hat, sollte sich lieber ein anderes Urlaubsziel suchen – und dem Wald die Ruhe geben, die er jetzt braucht.

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Credits Titelbild: Secours de Seine-et-Marne (SDIS) 77

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