Mit der Serie »Sicher am Berg« klärt der Österreichische Alpenverein (ÖAV) über wichtige Risiken, Unfallszenarien und Präventionsmöglichkeiten im alpinen Gelände auf. Dieses Mal im Fokus: Alpinklettern.
Alpinklettern ist kein Sportklettern – und entsprechend unterscheiden sich auch die Anforderungen, Risiken und Unfallszenarien. In seiner Serie »Sicher am Berg« stellt der ÖAV das alpine Klettern in den Mittelpunkt. Ein Blick auf die häufigsten Unfallursachen, Gefahren und Tipps.
Was ist Alpinklettern?
Die ersten klassischen Alpinkletterrouten gibt es bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie führen meist entlang von markanten Felsformationen wie Rissen oder Verschneidungen und werden mit Normalhaken sowie Kopf- und Sanduhrschlingen abgesichert. Der zentrale Unterschied zum Sportklettern: Bohrhaken kommen hier wenig bis kaum vor – höchstens an Standplätzen.
Beim Alpinklettern besteht damit für die kletternde Person im Vorstieg ein deutlich höheres Risiko im Falle eines Sturzes. In der Regel sind deshalb mobile Absicherungen sinnvoll, um weitere Sicherungspunkte zu schaffen und die Gefahr möglichst einzugrenzen.
Ein Sonderfall ist das alpine Sportklettern: Hier treffen die großen Wände im alpinen Gelände auf die Freikletter-Ethik – gemeint ist das Ideal, eine Route ohne Hilfsmittel zu bewältigen. Diese meist längeren, anspruchsvollen Routen sind ebenfalls überwiegend mobil abzusichern, aber steiler und damit weniger riskant bei einem Sturz. Außerdem sind die Qualität und Anzahl der Sicherungspunkte höher als im klassischen Alpinklettern.

Plaisir-Routen: beliebter Einsteig ins alpine Klettern
Das alpine Plaisir- oder Genuss-Klettern im alpinen Gelände beschreibt Alpinrouten im moderaten Schwierigkeitsgrad (bis max. UIAA 7). Sie sind in der Regel mit zahlreichen Fixpunkten und Bohrhaken ausgestattet, weshalb mobile Absicherungen nicht notwendig sind.
Weil das alpine Plaisir-Klettern immer beliebter wird, werden im Alpenraum derzeit viele neue Routen geschaffen. Risiken entstehen hier vor allem durch Fehler beim Absichern, aber auch aufgrund spontaner Wetterumschwünge in exponiertem Terrain. Trotz leichterer Routen gilt: Das Risiko bleibt höher als in vielen anderen Kletterdisziplinen.
Das Risiko in Plaisirrouten ist deutlich geringer als in klassischen alpinen Kletterrouten, aber immer noch höher als beim Sportklettern, der Halle oder in Klettergärten.
Österreichischer Alpenverein (ÖAV)

Unfälle passieren meist ungesichert in leichten Routen
Ein Blick in die Statistik des ÖAV zeigt: Mehr als 60 Prozent der Unfälle beim Alpinklettern passieren durch einen Sturz beim Aufwärtsklettern. Auffällig ist auch, dass die meisten Unfälle nicht in besonders schweren Routen vorkommen, sondern meist in leichterem Gelände und ohne Absicherung.
Mehr als die Hälfte der Kletterer, die jedes Jahr verunfallen, waren dabei alleine, ungesichert oder gar seilfrei unterwegs. Im 10-Jahres-Mittel sterben laut ÖAV jährlich vier Personen beim klassischen Alpinklettern – das ist mehr als im Sportklettern, Bouldern und alpinen Sportklettern zusammen.
Im langjährigen Schnitt ereignen sich über zwei Drittel der tödlichen Abstürze im Gelände bis zum vierten Schwierigkeitsgrad.
Österreichischer Alpenverein (ÖAV)

Die wichtigsten Risiken im Alpinklettern
Unfallursachen beim Alpinklettern können vielfältig sein. Am leichtesten zu vermeiden sind dabei Fehler beim Abseilen – durch den obligatorischen Partnercheck. Auch Selbstüberschätzung und eine mangelhafte Tourenplanung gehören zu den wichtigsten Unfallgründen, so der ÖAV.
Darüber hinaus spielen auch externe Faktoren beim Alpinklettern eine große Rolle: Insbesondere spontane Wetterumschwünge können aus einem entspannten Tag am Berg schnell ein lebensbedrohliches Szenario machen. Außerdem besteht jederzeit Steinschlaggefahr durch Witterung, Tiere oder vorauskletternde Seilschaften.
Diese Präventionstipps solltest du kennen
- Passende Ausrüstung für das Gelände mitbringen (Schuhwerk, Kleidung, Sicherungen, Proviant)
- Immer Helm tragen – auch vor dem Einstieg in die Wand (Steinschlag!)
- Immer Partnercheck durchführen
- Rechtzeitig anseilen – auch in leichtem Gelände
- Bei Tourenplanung eigenes Niveau realistisch einschätzen
- Immer Wetterbericht vorab checken
- Nur bei stabilem Wetter & Wetterprognose in längere Routen einsteigen
- Im Frühsommer Altschneefelder meiden – wenn nötig Leichtsteigeisen & Spikes nutzen
- Halbseile nutzen, um Gefahr von Seilriss bei Steinschlag zu reduzieren
Alpinklettern: Risiken verstehen & Unfälle vermeiden | SicherAmBerg #01
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Credits Titelbild: ÖAV/Wolfgang Warmuth

