In diesem Artikel gibt’s eine bunte Mischung von Themen, die euch beim Bigwallklettern, Technoklettern oder ganz allgemein in großen Wänden weiterhelfen können. Es handelt sich um keine Lehrschrift, sondern um ausgewählte Tipps und Tricks, als Ergänzung zum gängigen Know-how. Viel Spaß beim Lesen – und Träumen von der nächsten Wand!
Transparenzhinweis von Fritz Miller: In diesem Beitrag erwähne ich ein paar Produkte, unter anderem der Fa. Edelrid, mit der ich zusammenarbeite. Zu anderen hier erwähnten Produkten oder deren Herstellern gibt es keine Verbindungen. In allen Fällen handelt es sich um ehrliche Beschreibungen.

Ausrüstung, Kleidung und Schuhwerk
Kleidung
Wichtig sind lang geschnittene Oberteile mit guten Stretch-Eigenschaften, die beim Klettern nicht aus dem Gurt rutschen. Nicht zu viele Schichten übereinander tragen. Drei Schichten plus Isolationsjacke zum Drüberziehen am Stand und im Biwak sollten ausreichen. Bei Jacken ggf. Kordelstopper am Bund entfernen und den Gummizug stattdessen verknoten. Das reduziert Druckstellen unterm Klettergurt! Klettert man bei sonnigem Wetter und hohen Temperaturen, ist ein Sun Hoodie sinnvoll (statt einer Fleece-/Softshelljacke). Für mehrtägige Touren Shirt und Socken am besten mit hohem Merinoanteil. Socken nicht zu kurz wählen, denn oft fährt der kalte Wind von unten in die Hosenbeine…

Schuhe
Mit der Kombi Approachschuhe + bequeme, etwas festere Kletterschuhe fährt man meist nicht schlecht. Sollte die Sohle eurer Approachschuhe im Bereich der Großzehen-Innenseite überstehen, kann man diese zurückschleifen (lassen), und steht dann deutlich besser auf kleinen Tritten. Für üble Zustiege mit schweren Lasten wie auch für harte Aid-Routen bevorzuge ich allerdings Leichtbergstiefel. Bei der Kletterperformance ist man ziemlich nah dran am Approachschuh, im weglosen Gelände ist man sicherer unterwegs und man steht entspannter in der Leiter. Fürs Klettern, egal ob frei oder technisch, ist eine geringe Profiltiefe sehr vorteilhaft.

Bigwallgurt
Beim Bigwall– und Technoklettern ist ein bequemer Klettergurt essenziell. Insbesondere beim Klettern mit Leiter und Fifi (Highstep in die zweite Stufe) kommt ein starker Zug auf die Hüfte. Entscheidend ist deshalb ein stabiler Bauchgurt, der die Last großflächig auf die Außenseiten der Hüfte verteilt. Die Stabilität des Bauchgurts ist auch von Bedeutung, wenn viel Hardware in den Materialschlaufen transportiert wird. Ich verwende den Edelrid Helios, der recht leicht und gut faltbar ist. Darüber hinaus ist er mit einer stabilen Ice-Clipper-Durchführung ausgestattet – ein wichtiges Feature für den Transport des Hammers und auch fürs Winterklettern.
Halbautomat für Bigwalls: Grigri oder Pinch?
Hängt das Seil in großen Schlaufen runter, ist das Ausgeben mit Gaswerkmethode mühevoll. Besser funktioniert es im „Tube-Style“. Hierbei schneidet das Pinch deutlich besser ab als das Grigri. Weiterer Vorteil Pinch: Beim Abseilen an dünnen Seilen (z. B. Haulseil) wie auch mit schweren Lasten hat man zusätzliche Bremskraft dank der Seilführung durch die Einkerbung. Tipp: Anders als beim Sportklettern wird das Gerät nicht direkt, sondern mittels Karabiner am Sicherungsring eingebaut. Beim Abseilen das Bremsseil durch einen zusätzlichen Karabiner laufen lassen, welcher im Sicherungsring unterhalb des Geräts eingehängt wird. Offiziell gilt fürs Pinch ein Mindestdurchmesser von 8,5 mm, das Abseilen mit der beschriebenen Technik funktioniert aber auch sehr gut mit etwas dünneren Seilen. Doch auch das Grigri hat im Bigwalleinsatz seine Pluspunkte: Es ist etwas leichter und kompakter.

Klemmkeilentferner
Pro Seilschaft sollten zwei Klemmkeilentferner mit auf die Reise gehen. Es sind wichtige Allround-Werkzeuge, beispielsweise fürs Auskratzen von Rissen und Fädeln von Schlingen. Der Klemmkeilentferner des Nachsteigers sollte stark genug sein, um mit dem Hammer draufschlagen zu können. Fürs Lösen der kleinsten Keile ist es entscheidend, dass der sich die Materialstärke nach unten reduziert. Sonst kann man ihn am Microkeil nicht ansetzen!
Beaks/Peckers
Die wichtigsten Haken fürs Technoklettern! Drahtschlingen entfernen (Ausnahme: Tomahawks – dort sind sie gut gemacht), dann unten wie auch oben kurze Reepschnur-Schlingen einknoten. Unten am besten Kevlar. Die oberen Schlingen sind zum Anhängen am Gurt und dienen beim Einschlagen in Verschneidungen als Abstandshalter, so dass man den Beak besser trifft. Beaks nach der Tour geradeklopfen und entgraten. Von Zeit zu Zeit auch die Schlingen erneuern. Die gängige Zahnung führt leider dazu, dass die Spitzen abbrechen. Oftmals kündigt sich dies durch einen feinen Riss an. Der Beak kann dann gekürzt und weiterverwendet werden.

Screamer (Bandfalldämpfer)
Seit 2025 gibt’s endlich wieder Screamer auf dem europäischen Markt: Die Edelrid G-Screamer sind leicht, kompakt und können vielseitig eingesetzt werden. Hauptanwendungsbereich ist der Einsatz als Screamer-Exen für zweifelhafte Zwischensicherungen. Ab 3 kN reißen die Nähte auf, die Belastung des Fixpunktes wird so unter 4 kN gehalten. Beim Technoklettern sind sie ab A3 absolut empfehlenswert und es ist gut, wenn man eine Handvoll dabeihat.
Rollen-Exe
Die Geheimwaffe gegen Seilzug in Zickzack-Seillängen. Im dargestellten Setting mit Edelrid Axiom Rollenkarabiner und Nineteen G Karabiner ist diese Rollen-Exe kaum schwerer als eine gewöhnliche Expresschlinge. Ihre Wirkung bei verwinkeltem Seilverlauf ist jedoch enorm! Zwei bis drei Stück reichen locker aus.

Kurze Schlingen
Kurze Schlingen sind hilfreich für die unterschiedlichsten Anwendungen:
- Abbinden von Normalhaken.
- Fädeln von Normalhaken, wenn kein Karabiner geklippt werden kann.
- Verlängern von Cams oder einhängen von Haken, wenn die Exen zur Neige gehen.
- Als Schlingen für Lower-Outs.
- Organisation der Hardware.
- Legen von Klemmknoten.
- Einhängen von Seilklemmen beim Simultanklettern.
- Verlängertes Einhängen des Abseilgeräts beim Abseilen mit Hintersicherung
Folgende Typen habe ich im Einsatz:
- 30-er Dyneemaschlingen (8 mm Breite).
- Schlingen aus 6-mm-Kevlarreepschnur, Nutzlänge 20 – 25 cm, locker verknotet, so dass sich die Knoten schnell öffnen lassen.
- Für aufwändige Projekte zusätzlich ein paar ganz kurze Schlingen aus 5-mm-Reepschnur, zum Bündeln von Backup-Material.

Schlingen für Hooks
Für Talon und Cam Hooks verwende ich gerne selbstgeknotete Schlingen aus dünnem Dyneema-Material: ausrangierte Bandschlingen aufschneiden und mit doppeltem Spierenstich verknoten (für diese Anwendung ist die Knotenfestigkeit locker ausreichend).
Der BD Cliffhanger ist vergleichsweise stark gebaut und auch weiter „heruntergezogen“. Ab und zu kann man diesen Hook an Felsschuppen festklopfen und in Kombination mit einem Screamer als Fixpunkt belassen. Aus diesem Grund habe ich hier eine noch stärkere Schlinge aus Mischgewebe eingeknotet.
Knotet man die Schlingen so ein, dass der Sackstich am Hook ansteht (wie im Bild zu sehen beim BD Grappling Hook), dann muss die Schlinge so stark sein, dass sie gut klemmt, also nicht herausrutschen kann. Die Schlingen generell kurz halten.

Matten für Wandbiwaks
Die sinnvollsten Matten fürs Bigwallklettern sind dünne Evazote-Schaummatten, Materialstärke 5 – 10 mm. Je nach Einsatzzweck können sie noch etwas zugeschnitten werden. Eine kürzere Matte ist besser zum Auskleiden des Haulbags geeignet und beansprucht logischerweise weniger Stauraum. Eine leichte Verjüngung zum Fußende hin macht ebenfalls Sinn, genau wie ein oder zwei mit Panzertape verstärkte Löcher zum Sichern der Matte gegen Verlust.

Sicherungstechnik und Haulsystem
Wechsel von HMS-Fixpunktsicherung zu Körpersicherung
Bei Trad-Ständen oder niedrig positionierten Standhaken starten wir oftmals mit HMS-Fixpunktsicherung und wechseln später, wenn zuverlässige Zwischensicherungen geklippt sind, zur Körpersicherung mit Halbautomat. So kann man auch vorgehen, wenn der Vorsteiger deutlich schwerer ist als der Sicherer. Bei heiklen Routen mit schlechter Absicherung ist es generell wichtig, dass der Sicherer Helm und Handschuhe trägt. Er könnte bei einem großen Sturz an die Wand geschleudert werden bzw. könnte es bei HMS-Fixpunktsicherung zu erhöhtem Seildurchlauf kommen!
Ohmega-Dummy
Die viele Hardware am Gurt des Vorsteigers führt schnell zu kritischen Gewichtsunterschieden. Eine simple Lösung (bei Bohrhakenständen): Körpersicherung mit Halbautomat + Edelrid Ohmega als Dummy. So wird der Sicherer im Sturzfall nicht so heftig in den Stand geschleudert!

Das Haulsystem
- Eine zweite Rollenseilklemme mitnehmen: Als Backup im Verlustfall, als Seilklemme fürs Bodyhauling oder als Rücklaufsperre beim Verstauen des Haulseils in den Tillit Seilsack. Ich verwende die leichten, kompakten Spoc Klemmen, die für kleine bis mittlere Lasten geeignet sind. Zwei mittlere Haulbags mit Wasser und Material für drei bis vier Tage konnte ich mit den Spocs immer ohne Probleme haulen.
- Ein Trick für kürzere Seillängen: Der Nachsteiger hängt das Pinch/Grigri ans Haulseil. Der Vorsteiger zieht es dann mit dem überschüssigen Haulseil hoch und kann es fürs Bodyhauling nützen. So wird die zweite Rollenseilklemme nicht fürs Bodyhauling benötigt und kann stattdessen als Umlenkung und Rücklaufsperre fürs Verstauen des Haulseils eingesetzt werden.
- Haulseil: Das Starling Protect Halbseil (8,2 mm) von Edelrid hat sich für mich als ideales Haulseil erwiesen. Es ist griffig, geschmeidig, relativ leicht und dennoch stark genug für größere Lasten wie auch zum Fixieren von Seillängen. Der Kevlar-Anteil sorgt hierbei für zusätzliche Sicherheit, sollte das Seil über Kanten laufen.
- Knotenschutz: Der Flaschenhals einer 1-l-PET-Flasche hat die richtige Größe. Nicht zu knapp abschneiden, besser etwas länger lassen! Den scharfen Rand mit Ducttape abkleben und eine 3-mm-Reepschnur einknoten. Mit dieser Reepschnur verbindet man dann Haulbagwirbel und Knotenschutz.
- Lower-Out-Line: Besser eine zusätzliche 6-mm-Reepschnur verwenden, nicht das überschüssige Haulsseil. Oftmals reichen 10 Meter Länge. Bei langen Quergängen kann die Leine auch verlängert werden, indem man eine zweite Reepschnur anknotet.
- Tillit Seilsack: Ein genialer Helfer beim Arbeiten mit dem Haulseil. Seilchaos am Stand gehört damit der Vergangenheit an!

Verpflegung und Wasser
Verpflegung für mehrtägige Touren
Nicht zu sehr auf Riegel, Süßkram und Instant-Nahrung setzten. Möglichst natürliche Lebensmittel einpacken: Brot, Käse, Nüsse, Trockenfrüchte, Äpfel, Haferflocken, Milchpulver… Außerdem immer mit dabei: zuckerfreie Kaugummis, Teebeutel, Instant-Kaffee, Isotonisches Getränkepulver und Brühwürfel.
Jetboil Modifikationen und Tipps
Über die Jahre hatten wir einige Probleme und mehrere Totalausfälle mit dem Jetboil. Aber da ich nichts Besseres kenne, verwende ich ihn eben weiter… Wichtig ist, dass man seinen Kocher sichern und bei Bedarf auch aufhängen kann. Mit Kabelbindern, dünner Reepschnur und zwei Mini-Karabinern lässt sich ein ganz einfach ein Hängekit basteln (siehe Bild). Spitzzange bereithalten, zum Zuziehen der Knoten. Ist der Bajonettverschluss zwischen Kocher und Topf zu leichtgängig, dann das Blech etwas verbiegen, sodass die Verbindung sicher hält!
Becher: Der mitgelieferte Becher (Schutz des Wärmetauschers) ist bei mir meist recht bald gebrochen (Ausnahme: jene Ausführung aus schwarzem, nicht transparentem Kunststoff). Doch es gibt eine deutlich bessere Alternative zum Original: Der Faltbecher X-Cup von Sea to Summit, 250 ml Volumen, passt beim Transport in den Topf mit rein, zusammen mit einer kleinen Kartusche und dem Kocher. Es handelt sich hierbei um ein Auslaufprodukt, aber es gibt aktuell noch Restbestände.
Gaskartuschen: Es kommt beim Schraubkartuschensystem immer wieder vor, dass gewisse Kocher auf gewissen Kartuschen nicht funktionieren. Ich überprüfe deshalb immer vor der Tour, ob auch wirklich Gas durchkommt.
Gasmenge für die 2er-Seilschaft: Mit dem beschriebenen Setting und bei milden Temperaturen reichen 100 g gerade so für drei Biwaks. Zum Schneeschmelzen im Winter mindestens die 3-fache Menge kalkulieren!

Wasserflaschen, Trinkflaschen und Wassersäcke
Bestens geeignet sind Einweg-PET-Flaschen mit einem Volumen von zwei Litern. Sie lassen sich gut plattdrücken und neuerdings ist sogar der Deckel befestigt… Dazu noch ein paar kleinere, handlichere Flaschen einpacken. Rechtzeitig damit beginnen, die Zuckerplörre zu trinken und dann die Flaschen sammeln! Etikett entfernen und eine Aufhängung aus dünner Reepschnur anbringen (ein kräftiger Schnürsenkel tut es auch…). Die Schlinge um den Flaschenhals wird mit dem Höhlenknoten (engl. Poacher’s Knot) oder dem 3-fach gelegten Barrel Knot gebildet.
Eine 0,5-l-Nalgene-Flasche pro Person ist angenehm zum Teekochen, als kleine Flasche für den Stand und als Wärmflasche im Biwak. Zu beachten ist, dass der Plastikbügel zwischen Flasche und Deckel nicht fürs Anhängen konzipiert wurde. Es funktioniert zwar, aber man darf ihn nicht zu sehr belasten. Wenn man öfters unterwegs ist, lohnen sich auch die robusten Wassersäcke von Ortlieb, die bereits mit einer starken Griffschlaufe ausgestattet sind. Hier empfiehlt sich ebenfalls die 2-l-Variante.

Wassermengen pro Person und Tag (für mehrtägige Touren mit Biwaks)
Es handelt sich hier um eigene Erfahrungswerte. Das Wasser zum Kochen ist bereits eingerechnet. Man wird bei dieser Kalkulation etwas dehydrieren, sollte aber nicht leiden müssen.
- Kaltes Wetter: 1,5 l, ab 3 Tagen 2 l
- Gemäßigte Bedingungen (eher kühl/schattig): 2 l, ab 3 Tagen 2,5 l
- Warmes Wetter und viel Sonne (z. B. El Capitan im Herbst): 3 l
Hände schützen und pflegen
Handschuhe und Tape
Schmerzende Hände und Hautverletzungen sind kein Spaß, doch kann man den meisten Problemen ganz gut begegnen. An erster Stelle steht: Handschuhe tragen!

- Risskletterhandschuhe: Insbesondere für Granitrouten mit vielen Handrissen (bestes Beispiel: Nose am El Cap).
- Aidkletterhandschuhe mit freien Fingerkuppen: Wichtig für Routen mit schwieriger oder anhaltender Technokletterei. Dieser Typ kann selbst gebastelt werden aus abgenutzten dünnen Lederhandschuhen (Fingerkuppen abschneiden und mit locker gelegtem Leukotape verstärken).
- Sicherungshandschuhe aus Leder. Diese Allrounder sind sehr wichtig und können zum Sichern, Abseilen, Cleanen und auch für strapaziöse Zu- und Abstiege sowie für leichte Freikletterei verwendet werden. Wichtig: sie sollten ein gutes Griffgefühl bieten und das An- und Ausziehen muss schnell gehen!
Außerdem etwas Leukotape am Gurt tragen, um bei Bedarf schnell reagieren zu können. Besser gleich tapen, anstatt zu warten, bis das Problem größer wird.

Handcreme
Die geschundenen Hände am Abend mit Creme pflegen. Die Haut erholt sich dann über Nacht besser und es begünstigt die Heilung kleiner Hautverletzungen. Am besten sind meines Erachtens feste Cremes zum Einreiben, die extra für Kletterer in kleinen Aludöschen angeboten werden. Sehr teuer leider, aber dennoch absolut empfehlenswert für die Wand!
Fingernägel
Vor der Tour Nägel schneiden, aber keinesfalls zu kurz (es würde das schmerzhafte Ablösen der Fingernägel begünstigen). Eingerissene Fingernägel versorgen: Mit dem kleinen Victorinox Classic SD (nur 21 g) hat man eine Schere und Nagelfeile dabei und das Messer funktioniert nebenbei auch als Seilmesser für Notfälle.
Hygiene und andere Zwischenfälle
Poop Tube (Alternativen)
Improvisiertes „Poop Tube“: Aus einer 1-l-PET-Flasche und Duct Tape kann man ein improvisiertes „Poop Tube“ basteln, für eine Ladung. Zu beachten ist, dass man einiges Tape braucht, und natürlich Plastiktüten (am besten schwarze Müllbeutel, ca. 30 l Volumen). Man verrichtet sein Geschäft in einen ersten Müllbeutel und packt dann alles in einen zweiten. Die Flasche aufschneiden (nur soweit wie nötig), befüllen und mit Duct Tape verschließen.
Für mehrere Ladungen haben wir ein kleines Schraubfass (Kanufass) dabei, welches leicht und stabil ist, gut angehängt werden kann und im Abstieg in den Haulbag passt. Die Billigvariante: ein 5-kg-Gurkenfass mit Schraubdeckel. So haben wir einmal im Yosemite-Valley improvisiert und es hat problemlos funktioniert.

Handdesinfektion
Händewaschen ist in der Wand schwierig. Eine kleine Flasche (50 ml) Handdesinfektionsmittel tut es aber auch und sollte mitgeführt und bei Bedarf verwendet werden!
Ungeziefer
Im Voralptal (Urner Alpen) gab es in manchen Jahren viele Stechmücken. Während des Zustiegs zum Poncione d’Alnasca (Tessin) hatten wir es mehrfach mit einer immensen Anzahl an Zecken zu tun, so dass wir in der Wand mehrere entfernen mussten. Im Zweifelsfall also Insektenschutzspray und Pinzette einpacken.
Gemischtes
Elektronik
Smartphone in den Flugmodus und nur wenn wirklich nötig in die Finger nehmen (Papiertopo mitnehmen!). Transport des Smartphones wenn möglich in einer Brusttasche, vor allem wenn es kalt ist. Gerät am besten gegen Verlust sichern. Für mehrtägige Touren eine kleine Powerbank und ein kurzes Ladekabel nicht vergessen! Bei Touren im Herbst oder Winter haben wir immer eine kleine Reservestirnlampe dabei. Wichtig: Die Stirnlampen im Haulbag immer sperren!

Kleinzeug
Proviant, Kleinzeug usw. in kleine Taschen und Beutel packen, die über Schlaufen zum Anhängen verfügen. Gut geeignet sind z.B. die Beutel, in denen Klettergurte verpackt sind. Bei diesen ist sogar der Inhalt sichtbar, so dass man nicht lange rumsuchen muss! Für Reservekleidung eignet sich ein leichter Drybag, der mit einem Reepschnurring zum Anhängen ausgestattet werden sollte.
Standplatzordnung
Bei materialintensiven Projekten am besten eine kurze Daisychain zwischen die Standhaken hängen, an die man das Reservematerial klippt. So kommt man schnell rann, wenn der Vorsteiger was braucht.

Dritte Leiter mitführen
Für viele Routen reicht es, wenn der Vorsteiger zwei Leitern hat und der Nachsteiger keine. Doch für lange, komplexe Routen empfiehlt sich eine dritte, leichte Leiter, welche der Nachsteiger bei sich trägt, beispielsweise fürs Nachsteigen von Traversen oder Dächern. Außerdem ist die dritte Leiter ein Backup, sollte doch mal eine verloren gehen. Für diesen Fall wäre es ideal, wenn die Abstände der Stufen zu denen der beiden „Hauptleitern“ passen.
Tape
Kleine Mengen Duct Tape können übers Feuerzeug gewickelt werden. Für etwas größere Mengen habe ich ein Alu-Röhrchen mit Reepschnur-Aufhängung, zum Anhängen am Gurt. Zusätzlich hängt noch etwas Leukotape/Fingertape mit dran, um kleinere Verletzungen der Finger direkt abkleben zu können.

To-Do-Liste und Packliste
Zuletzt noch der wichtigste Oberstrebertipp: Bereitet eure Touren frühzeitig mit einer To-Do-Liste und einer detaillierten Packliste vor!
Text: Fritz Miller, November 2025
Über den Autoren

Fritz Miller, geboren 1984 in Reutlingen, ist professioneller Bergführer und Allroundalpinist. Er bestieg schwierige Gipfel in Patagonien und im Karakorum, kletterte den legendären „Weg durch den Fisch“ solo und im Winter und blickt auf Speedbegehungen einiger großer Alpenklassiker zurück, beispielsweise einer Winterbegehung der Eiger Nordwand in gut fünf Stunden. Gemeinsam mit seiner Frau Michaela schaffte Fritz die Erstbegehung der extrem schwierigen Winterdirettissima der Zugspitze Nordwand. Seine Erfahrungen gibt Fritz als Nachwuchstrainer des Alpenvereins und Autor von Fachartikeln weiter. Er lebt mit seiner Familie in Feldkirch, Österreich.





