Nina Caprez gelingt die dritte Wiederholung der schweren Mehrseillängenroute Headless Children im Klettergebiet Rätikon.

Die Schweizer Allround-Kletterin Nina Caprez ist zurück in ihrer Heimat und macht mit schweren alpinen Routen kurzen Prozess. Als dritte Person gelingt ihr die Rotpunkt-Begehung der 260 Meter langen Mehrseillängentour Headless Children (8b – Topo) an der Schijenfluh im Rätikon.

Im Jahr 2017 machte ihr das Wetter einen Strich durch die Rechnung

Nina Caprez hat die Tour vergangenes Jahr ins Auge gefasst und einige Versuche unternommen: “Das Wetter war vergangenes Jahr nicht sehr stabil, weshalb ich einen ernsthaften Durchstieg verschieben musste”, erklärt Nina gegenüber LACRUX. So kehrte sie im September diesen Jahres zurück und investierte drei Tage, bis es mit dem Durchstieg klappte.

Nina Caprez im Interview über Headless Children

Wir haben mit Nina Caprez über die Mehrseillängentour an der Schijenfluh gesprochen und sie gefragt, was die Herausforderungen für sie persönlich waren.

Die Stelle aus dem Dach raus ist ziemlich wackelig. War das die Schlüsselstelle für dich?
An dieser Stelle habe ich lange probiert, aber als ich die Beta mal raushatte, gings eigentlich von alleine. Es war halt einfach ein schwerer Bouder, bei dem man eine bewegliche Hüfte braucht und ein gutes Körperfeeling. Die Zähne habe ich mir aber so richtig an einer schweren Boulderstelle mit kleinen Leisten (7c+) ausgebissen. Das war für mich klar die Schlüsselstelle und es würde mich nicht erstaunen, wenn die Stelle eher mit 8a bewertet würde.

 

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Was war generell die grösste Herausforderung?
Wie immer in so einer langen Tour: Man muss die ganze Tour gut kennen und so locker klettern, als ob man in einem Klettergarten wäre. Die Längen sind sehr athletisch und wenn man da verkrampft ist, dann wirds eng mit dem Durchstieg.

In einer grossen Wand fühle ich mich am wohlsten – Nina Caprez

Gab es eine Art Rezept für den Durchstieg?
Ich war drei Tage zuvor in Paris für einen Vortrag und hatte einfach extrem Lust zu klettern. Zurück im Rätikon war das Wetter eigentlich nicht so gut und ich hätte noch bessere Bedingungen abwarten sollen. Aber die Lust und Freude am Klettern waren einfach zu gross. Als ich dann die 8b-Länge durchgestiegen bin und an der Dachkannte hing, hats zu Hageln begonnen. Ich hatte dann echt Glück, dass ich die Länge auch im nassen Zustand noch fertigklettern könnte. Danach hats echt heftig zu regnen begonnen, sodass ich zum regensicheren Stand zurückkehren musste. Dort haben wir dann zwei Stunden lang Nüssli gegessen und einfach gehofft, dass es auftut. Und das hat es dann auch. Mein Partner kletterte dann die 8b-Länge und ich habe die Schlingen rausgenommen, damit wir Material für die letzten zwei Seillängen hatten. Diese beiden Längen halbnass zu klettern war dann nochmals eine ziemliche Herausforderung. Aber zum Schluss ging alles gut.

Du scheinst top fit zu sein. Trainierst du spezifisch vor Projekten/Routen wie Headless Children?
Ich bin dieses Jahr einfach wieder soooooo etwas von motiviert fürs Klettern und lange Projekte klettere ich eh am liebsten. In den Wintermonaten war ich sehr viel in der Halle am Boudern und am Seil, dann fünf Wochen in Griechenland und meine letzte Reise in einer der schwersten Mehrseillängentouren der Welt, Tough enough, war sicher ein gutes Training.

 

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 In dieser Stelle heisst das Motto “Füsse voran”!

Headless Children wurde in den 90er-Jahren eingerichtet

Die Route wurde in den Jahren 1997-1999 von Marco Müller, Koni Mathis, Rüdisser Bruno eingerichtet und von Mark Amann erstmals rotpunkt geklettert. Danach hörte man lange Zeit nichts mehr von den neun Seillängen an der Schijenfluh. Erst im Jahr 2016, als der Österreicher Kilian Fischhuber die Tour erstmals wiederholte, wurde wieder über die Route gesprochen. “Ein Freund hat mir Fotos gezeigt und ich wollte sofort alles über die Route wissen. Zu diesem Zeitpunkt hab ich jedoch noch nicht daran gedacht, es zu versuchen. Das ist erst ein paar Tage später gekommen“, erzählt Kilian.

Video der Begehung von Headless Children durch Kilian Fischhuber

Credits: Titelbild Stefan Kürzi

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