Zahlreiche Spitzenkletterer versuchten sich an der Route Steps Across the Border – ohne Erfolg. Seit einem Viertel Jahrhundert wartet die weltweit erste alpine Erstbegehung ohne Bolts im Schwierigkeitsgrad X- (8a) von Darshano L. Rieser und Ingo Knapp an der Marmolada Südwand auf eine vollständige Wiederholung.

Ein Beitrag von Hp. J. Schrattenthaler

Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit Darshano L. Rieser und Ingo Knapp ihr persönliches Meisterwerk ablieferten: die auf den Doppelnamen „Steps across the border/Senkrecht ins Tao“ (X-) getaufte Marmolada-Route, die ihnen (teilweise mit Freund Hp. Jesus Schrattenthaler)  im bestmöglichen Stil gelang: im Vorstieg von unten, ohne Bolts, ohne Cliffpassagen, ohne vorheriges Erkunden von oben, ohne technisches Preprotekten.

Am 11.10.1995 wurde Steps across the border/Senkrecht ins Tao von den beiden Rotpunkt geklettert: als weltweit erste alpine Erstbegehung im X. Schwierigkeitsgrad ohne Bohrhaken.Obwohl namhafte Spitzenkletterer sich an dem Meilenstein versuchten, ist bis heute keine wirklich vollständige Wiederholung bekannt.

Darshano L. Rieser in der Marmolada-Erstbegehung Steps across the border. (Bild Ingo Knapp)
Darshano L. Rieser in der Marmolada-Erstbegehung Steps across the border. (Bild Ingo Knapp)

Much Mayr und Kurt Astner müssen umkehren

Dem Ground-up-Spezialisten Much Mayr glückte mit Seilpartner Kurt Astner im Jahr 2001 zwar fast der Durchstieg, allerdings wurde den beiden der Tag zu kurz und sie mussten auf die drei letzten Seillängen verzichten. Immerhin hatte Much beide Schlüssel-Seillängen im Grad X- gepunktet.

Ähnliches Spiel: Hansjörg Auer und Roberto Benvenuti scheitern knapp

Ähnlich erging es 2007 dem inzwischen leider verunglückten Spitzenalpinisten Hansjörg Auer gemeinsam mit Thomas Scheiber und 2010 dem italienischen Elitekletterer Roberto Benvenuti mit Gefährten.

Alle waren sich einig: Es handelt sich um die wohl schwerste Trad-Mehrseillängenroute.

Alle waren sich darüber einig, dass diese Route das alpin wahrscheinlich äußerst mögliche ohne Bohrhaken im Kalk darstellen dürfte und bestätigten den zehnten Schwierigkeitsgrad. Jetzt, im Oktober 2020, sind 25 Jahre seit der Erstbegehung vergangen.

Ingo Knapp, der maßgeblich an der Erstbegehung von „Steps across the border/Senkrecht ins Tao“ mitwirkte, in der unteren Schlüsselseillänge der boltfreien Zehnerroute in der Marmolada-Südwand (Bild: Darshano L. Rieser)
Ingo Knapp, der maßgeblich an der Erstbegehung von „Steps across the border/Senkrecht ins Tao“ mitwirkte, in der unteren Schlüsselseillänge der boltfreien Zehnerroute in der Marmolada-Südwand (Bild: Darshano L. Rieser)

Diese Touren von Darshano widersetzten sich 30 Jahren einer Wiederholung

Bei Darshano’s zweitem Husarenstück, der inzwischen sagenumwobenen Lärmstangen-Ostwand in den Tuxer Alpen („Irrfahrt der Jugend“, boltfrei, VIII-, 1982, mit Kletter-Athlet Paul Koller) dauerte es immerhin 29 (!) Jahre, bis der Gesamtweltcup-Sieger von 2008, Jorg Verhoeven, gemeinsam mit dem Österr. Staatsmeister Marc Amann, 2011 die zweite Begehung dieser berüchtigten Route einheimsen konnte.

Und bei Darshano’s drittem „Alpin-Denkmal“, wie es Rofanführer-Autor H. Salvenmoser nannte, nämlich der Rosskopf-Nordwandroute „Goldrausch“, mit dem legendären Run out im VIII. Grad, sollten sogar 30 Jahre vergehen, bis das Testpiece, das Darshano mit Hannes Eder und Klettergenie Wolfgang Müller 1982 gelang, 2012 dann endlich von der Seilschaft Hansjörg Auer/Elias Holzknecht von unten bis oben in einem Zug wiederholt. Auer und Holzknecht verpassten der tour sogar einen neuen Ausstieg im IX. Grad, ebenfalls ohne Bohrhaken.

Müssen bei der Marmolada-Route Steps across the border/Senkrecht ins Tao ebenfalls 30 Jahre verstreichen, bis endlich die vollständige Wiederholung dieses ersten  boltfreien Zehners fällt?

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