Im September 2022 folgte Jakob Schubert der Einladung von Adam Ondra zu einem Trip ins einzigartige Sportklettergebiet Flatanger nach Norwegen. Die gemeinsame Mission dieses Duo war nichts Geringeres als eine der schwierigsten Routen der Welt zu projektieren: Project Big. Im nachfolgenden Video liefert Jakob Schubert eindrückliche Bilder und Emotionen von seiner Zeit in Flatanger.

Adam Ondra fühlte sich lange eingeschüchtert von den Dimensionen der Linie, die er noch vor Silence einrichtete. Und nicht anders erging es Jakob Schubert, als er der Einladung von Adam Ondra folgte. «In den ersten Tagen war ich definitiv überwältigt von der Länge, den vielen Schwierigkeiten und der Komplexität der Route Project Big

Schubert war sich nicht sicher, ob er einer so schwierigen Route gewachsen ist. Nach zwei Wochen des Aufenthaltes begann sich die Situation zu ändern. Plötzlich begann sich das Gefühl einzunisten, ein Durchstieg sei möglich, wenn auch mit viel Arbeit verbunden. Doch wie viel?

Jakob Schubert projektiert Project Big (9c?) in Flatanger | Video

Jakob Schubert im Interview über Project Big in Flatanger

Was bedeutet das Projekt Big für dich?
Ich würde sagen, Flatanger ist das Yosemite des Sportkletterns. Die Qualität des Felsens, das Potenzial, die Anzahl der schwierigen Routen, es ist einfach außergewöhnlich. Es ist ein wunderschöner Ort mit Blick auf die Fjorde und das Meer, die Höhle ist riesig, sie ist steil und bietet so viele schwierige Routenoptionen; als Kletterer ist dies ein Ort, an den man immer wieder zurückkehren möchte.

Was macht Project Big so schwierig?
Die Schwierigkeit von Project Big liegt definitiv darin, dass es eher ein Kraftausdauertest ist. In anderen Routen gibt’s einen Boulder gefolgt von einer Rastoption. Hier ist circa in der Mitte der Wand ein knapp 15 Meter langes Stück, das durchgehend relativ schwer ist mit dem kräftigen Boulder am Ende. Mit einem Zug geht’s auf einen Aufleger und von dort noch weiter auf eine Leiste, bei der wir aktuell noch fallen. Das ist vielleicht der Schlüsselzug der Route. Danach sind es immer noch 15 oder 20 Meter Kletterei, aber nur etwa 8a – da haben wir nicht die große Sorge, dass wir nochmal rausfallen.

Welche Rolle spielt der mentale Aspekt bei so einem Projekt? 
Wenn man so nah an einem Projekt dran ist und es schon oft ausprobiert hat, macht es nicht mehr so ganz viel Spaß; es ist eher der Ehrgeiz und die Motivation, die einen bei der Stange halten, weil man es wirklich zu Ende bringen will. Wenn man sehr nah dran war und weiß, dass man es schaffen kann, sind die Versuche definitiv eine größere mentale Herausforderung. Bei den No-Hand Rests hat man kleine Pausen, in denen man Zeit zum Nachdenken hat und feststellen kann: «Du bist stärker, jetzt könnte es klappen» oder «Ich habe mich hier schon einmal besser gefühlt». In einen einzigen Versuch spielen eine ganze Menge mentaler Aspekte hinein.

Wie geht man an ein Projekt dieser Größenordnung heran?

Mit Strategie und Taktik wie beim Schachspielen. Project Big fühlt sich manchmal genauso an. Man braucht eine Strategie, wie viele Versuche pro Tag man unternimmt, wie viele Ruhetage man einlegt, wie man sich aufwärmt, wie man mit den Wetterproblemen, mit der Reibung und all diesen Dingen umgeht, aber dann muss man auch taktische Entscheidungen auf der Strecke treffen. Beim Schach habe ich einen Computer, der mir hilft, aber bei dieser Reise habe ich etwas, das fast so gut ist wie der Schachcomputer, nämlich Adam Ondra. 

Wir sind beide extrem motivierte Kletterer und können stundenlang über die Route reden, voneinander lernen und uns gegenseitig pushen. Dass er die Beta mit mir geteilt hat, hat mir am Anfang so viel Zeit gespart, aber ich habe das Gefühl, dass wir zusammen an der Route gewachsen sind und sehr nah dran sind.

Auf dem Weg zu einer der härtesten Sportkletterrouten der Welt hat das Duo in diesem ersten gemeinsamen Take von Project Big wieder ein paar weitere Kästchen abgehakt. «Alles, was ich brauche, sind trockene Bedingungen, dann kann ich voll durchstarten!» – das ist mehr als ein Versprechen des Vorstiegsweltmeisters Jakob Schubert: «Es ist das letzte noch nicht gekletterte Projekt in der Höhle und es ist nicht irgendein Projekt, es ist eines der größten in Flatanger und sollte geklettert werden. Wir werden beide zurückkommen und diese Route irgendwann klettern, das ist sicher!»

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