Voie Petit | Europas wohl schwerste hochalpine Route erstmals solo geklettert

Dem Belgier Siebe Vanhee ist die erste Solo-Begehung von Voie Petit am Grand Capucin gelungen, eine der herausforderndsten hochalpinen Kletterrouten in den französischen Alpen.

Siebe Vanhee hat sich erneut einer schweren Tour in den Alpen gewidmet – und mal wieder allein. Der Bigwall-Spezialist aus Belgien hat schon einige schwere Mehrseillängenrouten innerhalb nur eines Tages solo geklettert, darunter Une Jolie Fleur dans un Peau de Vache (8b, 300m) in den Gorges du Verdon oder El Pilar del Cantábrico (8a+, 500m) am Pico Urreillu.

Danach fühlte er sich «bereit für ein größeres Abenteuer». Eine schwere und hoch gelegene Route sollte es sein – und wieder eine Begehung an einem Tag, im ground-up Stil.

Ich liebe die logistischen und taktischen Challenges beim Lead-Solo.

Siebe Vanhee
Liebt die großen Wände: Siebe Vanhee (Bild Bernardo Gimenez/Julien Nadiras)

Voie Petit: eine Route, der ihr Ruf vorauseilt

Fündig wurde Vanhee schließlich in der Mont Blanc-Region der französischen Alpen. Voie Petit (8b, 450m) ist eine schwere Multipitch-Route am 3.838 Meter hohen Grand Capucin, einem der schwierigsten zu besteigenden Berge der Alpen: «Der klettertechnische Anspruch und die Höhe, auf der die Route liegt, sind legendär.»

Der Grand Capucin gilt als der am schwierigsten zu besteigende Berg der Alpen (Bild Bernardo Gimenez/Julien Nadiras)

Petit Voie wurde 1997 von Arnaud Petit, Stephanie Bodet, Pascal Gaudin und Jean-Paul Petit etabliert und schließlich 2005 von Alexander Huber befreit. Huber, damals einer der besten Bigwall-Kletterer der Welt, nannte sie die «wahrscheinlich schwerste Route auf dieser Höhe in Europa».

Für seine Solo-Begehung stellte sich Siebe Vanhee zwar auf die geplante Ein-Tages-Aktion ein, nahm aber vorsichtshalber einen Schlafsack und einen Kocher mit. Eine Entscheidung, die sich später auszahlen würde.

Ich habe sehr schnell gemerkt, dass Voie Petit nochmal eine andere Herausforderung ist.

Siebe Vanhee

Am Tag seines Versuchs, dem 24. Juni, wurde Vanhee trotz bester Wetterbedingungen schnell klar, dass der Granit von Voie Petit ganz anders ist als seine bisherigen Solo-Erfahrungen am Kalkstein: «Die Seillängen verliefen sehr verschlungen durch viele Dächer, ein Problem fürs Abseilen und Nachholen meines Haulbags.»

Um zu verhindern, dass sein Haulbag oder Seil an einem der vielen Felswinkel hängenbleibt, musste der 33-Jährige oft eine Seillänge zwei- bis dreimal nachziehen – erst an einem Haken, dann weiter zum nächsten.

«Ich bin nicht fürs Klettern in der Sonne gemacht»

Trotz aller Vorsicht passierte bei seinem zweiten Versuch in der fünften Cruxseillänge (8a+/8b) genau das: Vanhees Seil steckte 20 Meter unter ihm fest. Die einzige Option: umkehren, das Seil befreien und einen dritten Versuch geben.

Zu diesem Zeitpunkt lag der Fels bereits in der prallen Sonne und der Belgier kam bei den steigenden Temperaturen ordentlich ins Schwitzen.

Wer hätte gedacht, dass es auf 3.500 Metern so heiß wird?

Siebe Vanhee
(Bild Bernardo Gimenez/Julien Nadiras)

Doch nicht so «petit»: Vanhee muss übernachten

Nach einem taktischen Mittagsschlaf wagte Siebe Vanhee sich erneut in die (jetzt schattige) fünfte Seillänge – diesmal mit Erfolg. Auch die sechste und siebte Seillänge verlangten dem Bigwall-Spezialisten noch einige Versuche ab, bis er schließlich gegen 19 Uhr zum Feierabend gezwungen war.

Ich war schon ein bisschen enttäuscht, dass ich von fast jeder Seillänge aufs Maul bekommen habe.

Siebe Vanhee

Auch wenn damit sein Ziel einer Eintagesbegehung (und sogar eines potenziellen Onsights) von Voie Petit verfehlt war, ging Vanhee an Tag 2 mit mehr Ruhe an die verbleibenden der insgesamt 16 Seillängen heran. Nach zwei weiteren Stürzen wurde der Belgier schließlich gegen 11 Uhr morgens mit einem unglaublichen Ausblick auf dem Gipfel belohnt.

Schwere Multipitch-Solos sind ein Weg, um mich selbst besser kennenzulernen.

Siebe Vanhee

Film über Begehung im Frühjahr 2026

Bei seinem ersten Solo von Voie Petit wurde Siebe Vanhee von einem Kamerateam begleitet – der von Edelrid produzierte Dokumentationsfilm erscheint nächstes Frühjahr.

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Credits Titelbild: Bernardo Gimenez/Julien Nadiras

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