Simon Deussen zeigt uns im heutigen Beitrag eine innovative Therapiemethode zur Behandlung von akuten und chronischen Sehnenbeschwerden wie z.B. Ellbogen-, Schulter-, Patella-, Achilles-, Fuss- und Plantarissehne: Die Epte-Therapie.

Ein Gastbeitrag von Simon Deussen – Inhaber von PhysioVision Zürich – Mit Unterstützung von Minimum Bouldering und Kletterzentrum Gaswerk

Viele von uns kennen es: Sehnenschmerzen beim Wiedereinstieg oder nach intensivem Training. Man setzt eine Woche aus, probiert Übungen aus dem Netz und passt die Kletterbelastung an. Bei dem einen sind die Beschwerden nun weg, andere stellen entsetzt fest, dass alles nichts geholfen hat. 

Genau in dieser Phase, also zwei bis drei Wochen nach der Überbelastung, findet der Übergang zwischen der Proliferations- und Remodellierungsphase statt. Heilt der Körper hier nicht vollständig, kommt es recht häufig zu langanhaltenden Beschwerden. Was jetzt!?!?! Pause oder weiter klettern? Therapie und wenn ja welche?

Grossteil der Patienten ist rückfällig

Einer der größten Frustrationen in der Praxis ist, dass ein Patient mit Sehnenbeschwerden, trotz aller Bemühungen einfach nicht besser wird und im Alltag und Sport Beschwerden behält. Nicht selten nehmen die Patienten sogar eine Kortisonspritze in Kauf, um wieder beschwerdefrei Sport betreiben zu können. Jedoch ist ein Grossteil dieser Personen rückfällig und es kann zu Beschädigungen der Sehne führen. Es gibt natürlich alternative Injektionen wie z.B. Eigenblutinjektionen, aber auch hier ist die Beweislage und was es dem Sportler bringt recht bescheiden. Es brauchte einfach einen neuen Ansatz.

Mit EPTE wird die Selbstheilung gefördert

Die EPTE-Therapie aktiviert die erste Phase jedes gelähmten Regenerationsprozesses bei einer Tendinopathie. Diese besteht aus der Anwendung galvanischer Mikroströme durch eine Akupunkturnadel. Auf diese Weise greift der Therapeut bei der Anwendung auf das entzündete und/oder geschädigte Weichgewebe (Sehne) und leitet so dessen Selbstheilung (ohne Medikamente) ein. Die Elektrolyse verursacht die Zerstörung des degenerierten Gewebes und löst eine neue entzündliche Reaktionsphase (48 Stunden) aus, die für jeden Regenerationsprozess notwendig ist. Es ist der Organismus selbst, der seine, durch die Wirkung der therapeutischen perkutanen Elektrolyse ausgelöste, Selbstheilung einleitet. Im Prinzip kann man mit der EPTE-Therapie den PH-Wert in der Sehne in einen basischen Bereich bringen. Dadurch reduziert man die Schmerzen meist sofort und sehr deutlich und man kann nach 48 Stunden gemässigt Belasten. Zusätzlich wird ein spezielles EPTE-Tape angelegt und ein Trainingsplan besprochen. Die Therapiesitzung findet einmal pro Woche, über einen Zeitraum von circa 6-8 Wochen statt.

Durch die hohe Erfolgsrate der EPTE-Therapie habe ich keine Patienten, die lange in Therapie sind oder mit den gleichen Beschwerden wiederkommen. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass akute Sehnenprobleme am effektivsten in der 2-3 Wochen nach der Überbelastung behandelt werden sollten. In dieser Phase sind die meisten Patienten bereits nach 1-2 EPTE-Sitzungen nachhaltig beschwerdefrei.

Woher kommt die Behandlungsmethode EPTE?

Die Wiege der EPTE-Therapie liegt in Spanien und ist in den deutschsprachigen Ländern so gut wie unbekannt. Die Abkürzung steht für „Therapeutische perkutane Elektrolyse Therapie“ und wurde genau für diese Sehnenbeschwerden entwickelt.

Der Weg zum Erfolg ist oft schwer

Als ich von dieser neuartigen Therapieform hörte, war ich sehr interessiert und fragte mich:  Soll ich nochmal einen weiteren Ausbildungsberuf über 2 Jahre erlernen und viel Geld in die Hand nehmen? Ist es dann auch wirklich so effektiv wie versprochen? Wird es möglich sein diese Therapie in der Schweiz zu etablieren? Gibt es Widerstand seitens der Ärzte? Genau diese Herausforderungen trieben mich an, Pionierarbeit in der Schweiz zu leisten. 3 Jahre später kann ich nun mit Begeisterung sagen, dass EPTE nicht nur eine weitere Therapiemethode in meinem Köfferchen ist, sondern es hat mein gesamtes therapeutisches Denken und Handeln rund um Sehnenbeschwerden verändert.

So läuft die EPTE-Behandlungsmethode ab

Die Vorteile der EPTE-Therapie

Die EPTE-Therapie ist im Vergleich zu herkömmlichen Therapieformen klar im Vorteil. Bereits direkt nach der Behandlung oder nach 48 Stunden spürt ihr eine deutliche Schmerzreduktion und die Beweglichkeit und Belastbarkeit der Sehne verbessert sich. Ausserdem profitierst du von einer ursachenbezogenen, kürzeren, schadensfreien und nachhaltigeren Therapie im Vergleich zu den “traditionellen” Behandlungsformen.

  • Sehr effizient Technik (wenigen Minuten pro Sitzung)
  • Innerhalb von 48 Stunden Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzmodulation
  • Relativ schmerzfreie Therapie und kaum negative Nebeneffekte
  • Durchschnittliche Behandlungsdauer 6. Sitzungen
  • Training ist weiterhin möglich
  • Geringe Behandlungskosten (im Vergleich) und nur 1. Sitzung wöchentlich
  • Einfach ausführbares Training für Zuhause/Gym
  • EPTE ist kombinierbar mit so gut wie allen anderen Therapien
  • Untersuchung der betroffenen und nicht etroffenen Seite zur individuellen und zielgerichteten Gewebeanalyse durch Sonografie vom Therapeuten

Die EPTE-Therapeutische Perkutane Elektrolyse ist für alle Arten von Patienten indiziert, egal ob Sportler oder Nichtsportler.


Über die Artikelserie

Die Artikelserie mit Simon Deussen greift in regelmässigen Abständen kletterspezifische Gesundheitsthemen auf. Präsentiert wird die Themenreihe von der Boulderhalle Minimum und dem Kletterzentrum Gasswerk.

Über Simon Deussen

Simon Deussen ist Kletter-Physio- und MSc-Manualtherapeut und Inhaber der Praxis Physio Vision in Zürich. Als passionierter Kletterer kennt er die Bedürfnisse von Kletterinnen und Kletterern aus eigener Erfahrung.

www.physio-vision.ch

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