Toby Roberts gewinnt in emotionalem Bouldern & Lead Finale Olympiagold

In einem Finale voller Überraschungen sichert sich der erst 20-jährige Toby Roberts die Goldmedaille an den Olympischen Spielen in Paris. Der Brite gewinnt vor dem japanischen Youngster Sorato Anraku und dem 6-fachen Weltmeister Jakob Schubert.

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Das Bouldern & Lead Finale der Männer war an Spannung kam zu übertreffen: Erst gerieten beim Bouldern die Klettergrössen Jakob Schubert und Adam Ondra ins Hintertreffen und alles sah nach einem Sieg einer der jungen Athleten – allen voran Sorato Anraku – aus. Dann kämpfte sich Jakob Schubert mit einer gewaltigen Performance im Lead zurück aufs Podest und Toby Roberts drehte richtig auf.

Rangliste Bouldern & Lead Finale Männer

  • Toby Roberts, GBR, 155.2 Punkte
  • Sorato Anraku, JPN, 145.4 Punkte
  • Jakob Schubert, AUT, 139.6 Punkte
  • Colin Duffy, USA, 136.4 Punkte
  • Hamish McArthur, GBR, 125.9 Punkte
  • Adam Ondra, CZE, 120.1 Punkte
  • Alberto Ginés López, ESP, 116.2 Punkte
  • Paul Jenft, FRA, 78.4 Punkte

Die Young Guns haben die Nase vorn

Nach dem Boulder-Finale sah es ganz danach, als ob der viel diskutierte Generationenwechsel im Wettkampfklettern eingetreten wäre. Auf den ersten vier Rängen hatten sich mit Sorato Anraku, Colin Duffy, Toby Roberts und Hamish McArthur gleich vier Athleten der neuen Generation in Position gebracht.

Die Klettergrössen Jakob Schubert und vor allem Adam Ondra waren ordentlich ins Hintertreffen geraden. Während beim tschechischen Kletter-Superstar die Medaillenhoffnungen bereits im Boulder-Finale geplatzt waren, konnte der Österreicher auf Rang zumindest noch ein bisschen Träumen.

Nach dem Bouldern war offensichtlich für mich, dass ich bereits verloren hatte. Aber im Lead wenigstens noch eine gute Leistung zeigen können, war mir wichtig.

Adam Ondra

Ebenfalls alles andere als zufrieden mit ihrer Leistung dürften Alberto Ginés López und der Franzose Paul Jenft gewesen sein. Beide fanden nie richtig in den Boulder-Wettkampf und holten an den vier Boulderproblemen jeweils nur zwei Zone-2 sowie einen Zone-1 Punkt. Der Olympiasieger von Tokio sowie auch der achte an der WM in Bern dürften sich da wesentlich mehr erhofft haben.

Sorato, Duffy und Roberts mit Biss und Power

Auffällig stark präsentierte sich der Amerikaner Colin Duffy im Boulder-Finale. Für das Top am ersten Problem benötigte er zwar einige Anläufe, der einarmige Sprung ans Top unterstrich jedoch seine Power. Diese liess er auch am Boulder 4 nochmals aufblitzen, welchen er als einziger toppen konnte.

Freut sich am Boulder 4 über sein Top: Der Amerikaner Colin Duffy. Bild: Lena Drapella
Freut sich am Boulder 4 über sein Top: Der Amerikaner Colin Duffy. Bild: Lena Drapella

Auch Toby Roberts zeigte im Bouldern seine Skills und viel Biss. Beispielsweise am sehr kräftigen und 68 Grad überhängenden Boulder 4. Dort war er der einzige, der sich über das Dach hinaus schieben und in den Zielgriff hineinpressen konnte.

Und der Japaner Sorato Anraku, der trat auf die Matten und flashte gleich mal den ersten Boulder. Was für eine Ansage in diesem starken Starterfeld! Für das Top an Boulder 2 benötigte er sieben Anläufe, dabei zeigte sich jedoch schön, wie schnell er Fehler analysieren und adaptieren konnte. Am Plattenboulder 3 war der 17-jährige der einzige Kletterer, der es bis zum Top schaffte.

Der japanische Überflieger Sorato Anraku demonstriert im Boulder-Finale sein Können. Bild: Lena Drapella
Der japanische Überflieger Sorato Anraku demonstriert im Boulder-Finale sein Können. Bild: Lena Drapella

Mammut 8.7 Crag Sender Dry Rope:
Performance-orientiertes Kletterseil

Rope

Lead-Finale: McArthur legt vor

Eine gute halbe Stunde nach dem Boulder-Finale stieg Hamish McArthur als erster in die Lead-Route ein. Warum der Brite mit der viertbesten Leistung im Bouldern? Weil in der umgekehrten Reihenfolge des Qualifikationsergebnisses gestartet wurde.

Der Brite legte gleich mal ordentlich vor. In einem guten Rhythmus kletterte er durch die unteren Sequenzen. Die von den Routenbauern gebaute Drehung an kleinen Fingerlöchern meisterte er ohne Problem. Erst deutlich über der 60-er Marke verliessen ihn die Kräfte.

Colin Duffy war top motiviert, hoch hinaus zu klettern. Der 20-jährige, der dieses Jahr den Weltcup in Chamonix gewonnen und an der letzten Olympiade 6. geworden war, kletterte ebenfalls ohne Probleme bis zum blauen Abschnitt, fiel dann aber kurz vor dem Highest-Point von McArthur raus.

Magic-Schubert-Moment

Nach Paul Jenft, der noch in der schwarzen Sequenz aufgrund eines taktischen Fehlers nicht mehr Clippen konnte, trat Jakob Schubert auf die Bühne. Der Österreicher, bekannt dafür, an Wettkämpfen zu Höchstform aufzulaufen, machte sich drauf und dran, die Party der Youngsters doch noch zu stören.

Mit zwei Minuten verbleibender Zeit erreichte er die 60er-Marke, schüttelte nochmals ordentlich und kletterte weiter. Wie auf Autopilot, kletterte er immer höher und erst am zweitletzten Griff, zog es auch Schubert die Ellbogen hoch. Vom Rang fünf im Bouldern hatte sich der 33-Jährig sechsfache Weltmeister kurzerhand an die Spitze des Klassements befördert.

Ich bin schon extrem stolz darauf, dass Klettern das zweite Mal bei den Olympischen Spielen dabei ist und ich eine zweite Medaille habe.

Jakob Schubert

Im Interview nach dem Wettkampf sagte Jakob Schubert, dass er trotz seiner Freude schon dem einten oder anderen Top oder Boulder nachtrauere. «Die Boulder-Runde hat mich extrem frustriert, da wäre viel mehr drin gewesen.»

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Roberts holt Olympiagold

Jetzt konnten ihm nur noch Toby Roberts und Sorato Anraku das Spiel vermiesen. Erst hatten aber noch Alberto Ginés López und Adam Ondra ihre Auftritte. Auch wenn sie beide keine Chancen mehr auf einen Spitzenplatz hatten, so gelang es ihnen doch, mit 92.1, bzw. 96 Punkten, richtig starke Lead-Performances rauszuhauen.

Auftritt Toby Roberts: Der 20-jährige gilt wie Schubert als Lead-Spezialist mit einer gewaltigen Ausdauer. Dies zeigte sich dann vor allem im obersten Routenabschnitt. An den letzten Griffen suchte er verschiedene Positionen, um doch noch weiter ziehen zu können. Roberts kam zwar nicht so weit wie Schubert, kletterte mit seinen Punkten aus dem Bouldern aber klar an die Tabellenspitze.

Technisch versiert - wie hier mit einem hohen Hook zum Clippen - klettert Toby Roberts im Lead-Finale der Olympischen Spiele in Paris. Bild: Lena Drapella
Technisch versiert – wie hier mit einem hohen Hook zum Clippen – klettert Toby Roberts im Lead-Finale der Olympischen Spiele in Paris. Bild: Lena Drapella

Als der japanische Überflieger Sorato Anraku in die Route einstieg, rechneten wohl viele mit einem Top. Der 17-Jährige kletterte auch gewohnt locker und ökonomisch. Beim Karussell zeigten sich dann aber erstmals kleine Unsicherheiten. Als er nach der 60-Marke den hohen Hook setzte, um weiter zu ziehen, viel er zur grossen Überraschung bereits hier aus der Wand.

Das starke Duo, das den Klettersport als Zwei-Mann-Show aufgemischt hat: Toby Roberts mit seinem Vater. Bild: Lena Drapella
Das starke Duo, das den Klettersport als Zwei-Mann-Show aufgemischt hat: Toby Roberts mit seinem Vater. Bild: Lena Drapella

Toby Roberts brauchte einige Momente, bis er sein Glück fassen konnte. Erst als ihm sein Trainer einen Finger als Zeichen für den ersten Platz und damit die olympische Goldmedaille hochhielt, brachen die Emotionen über ihn herein.

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Credits: Titelbild Lena Drapella / IFSC

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