Lara Neumeier und Nemuel Feurle klettern schwierige Bigwall-Route frei

Lara Neumeier und Nemuel Feurle ist die freie Begehung von El Niño via Pineapple Express Variation (800m, 8a+) in der North America Wall des El Capitan gelungen. Das Duo kletterte die Route ground-up und erreichte nach vier Nächten in der Wand den Gipfel.

Vom 6. bis 10. November realisierten Lara Neumeier und Nemuel Fuerle eine der seltenen freien Begehungen der El Niño – Pineapple Express (800m, 8a+) im kalifornischen Klettermekka Yosemite Valley. Das starke deutsch-österreichische Duo kletterte die Route ground-up, und übte in der Woche vor dem Push lediglich die ersten drei Crux-Seillängen.

Grund zum Feiern: Lara Neumeier und Nemuel Feurle freuen sich über ihre freie Begehung der El Niño - Pineapple Express (800m, 8a+). Bild: Lara Neumeier
Grund zum Feiern: Lara Neumeier und Nemuel Feurle freuen sich über ihre freie Begehung der El Niño – Pineapple Express (800m, 8a+). Bild: Lara Neumeier

Am 4. November brachten sie Vorräte zu den Calaveras Ledges und schufen damit die Voraussetzungen für ihre fünftägige Begehung. In den leichteren Seillängen wechselten sie sich im Vorstieg ab, alle wichtigen Crux-Seillängen stiegen sie beide vor. Zu den härtesten Seillängen der Route zählen:

  • Black Dike
  • The Missing Link
  • Galapagos
  • La Niña (die härtesten Seillänge der gesamten Route)
  • Black Cave
  • The Dolphin
  • Lucy is a Labrador

Erfahrungsbericht von Lara Neumeier

«Nach der Begehung von El Corazon am El Capitan im letzten Jahr mit Babsi Zangerl war ich motiviert, eine weitere Bigwall-Route am El Capitan zu versuchen. Ende Oktober kehrte ich mit dem Ziel, El Niño zu klettern, ins Yosemite Valley zurück.

Nachdem wir in der ersten Woche einige Valley-Klassiker geklettert hatten, entschied ich mich spontan, mit Nemuel Fuerle, einem super starken jungen Kletterer aus Österreich, zusammenzuarbeiten.

Obwohl wir noch nie zuvor zusammen geklettert waren, waren wir beide hochmotiviert, die Wand anzugehen und El Niño gemeinsam zu versuchen.

Lara Neumeier

Am 3. November, als sich ein grossartiges Wetterfenster öffnete, beschlossen wir, uns für einen Push vorzubereiten und es zwei Tage später zu versuchen. Der 4. November war unser Vorbereitungstag: Wir besorgten uns am Morgen Essen und Wasser und packten alles ein. Am Mittag gingen wir zur Wand und haulten einen Bag und das Portaledge auf die Calaveras Ledges.

Tag 1

Wir starteten um 5 Uhr morgens mit Stirnlampen und kletterten die ersten Crux-Seillängen (Black Dike, The Missing Link, Galapagos) beide im Vorstieg. Da wir die ersten beiden Schlüsselseillängen bereits die Woche zuvor ausgecheckt hatten, gingen diese recht glatt.

Da ich auch die dritte Crux-Seillänge schon vorher versucht hatte, kannte ich die Beta und punktete sie gleich beim ersten Versuch.

Nemo hatte diese Seillänge noch nicht ausgecheckt und zeigte einen beeindruckenden Flash der Galapagos-Seillänge.

Lara Neumeier

Nachdem wir diese drei Seillängen gepunktet hatten, zogen wir weiter und erreichten bis zum Mittag die Calaveras Ledges. Danach zogen wir weiter auf die Big Sur Ledges, wo wir kurz vor dem Sonnenuntergang unser Portaledge aufbauten.

Das Portaledge: Während fünf Tagen in der Wand das kompakte und exponierte Zuhause. Bild: Lara Neumeier
Das Portaledge: Während fünf Tagen in der Wand das kompakte und exponierte Zuhause. Bild: Lara Neumeier

Tag 2

Der Wecker klingelte um 5:15 Uhr. Das Ziel des zweiten Tages war La Niña, die schwierigste Seillänge der Route. Wir wollten sie frühmorgens im Schatten klettern, um die Sonne zu vermeiden, die den dunklen Felsen sehr schnell aufheizt.

Zuerst hatten wir einige Schwierigkeiten mit der leisten-lastigen Crux, aber nach ein paar Versuchen gelang es mir, die glatten und mit Fledermauskot bedeckten Griffe zu überwinden.

Lara Neumeier

Wir versuchten die Seillänge morgens, aber unsere Haut wurde bereits dünner geworden. Als die Sonne kam, wurde der Felsen zu heiss, also chillten wir den ganzen Tag im Portaledge und warteten darauf, dass der Schatten am Abend zurückkam.

Mit der warmen Sonne in der Wand war an eine freie Begehung der schwierigen Seillängen nicht zu denken. Bild: Nemuel Feurle
Mit der warmen Sonne in der Wand war an eine freie Begehung der schwierigen Seillängen nicht zu denken. Bild: Nemuel Feurle

Am späten Nachmittag versuchte Nemo die Seillänge als erster, hatte aber noch keine gute Beta für die Crux-Sequenz gefunden. Ich versuchte es danach und zu meiner Überraschung konnte ich die Seillänge beim zweiten Versuch durchsteigen!

Danach war Nemo super motiviert, es nochmal mit meiner Beta zu probieren, und stieg sie ebenfalls auf Anhieb durch. Mit diesem Erfolg gingen wir erleichtert ins Bett, bereit für den nächsten Tag.

Es ist vollbracht: La Niña, die schwierigste Seillänge der Route, ist befreit. Bild: Nemuel Feurle
Es ist vollbracht: La Niña, die schwierigste Seillänge der Route, ist befreit. Bild: Nemuel Feurle

Tag 3

An diesem Tag kletterten wir einige herausfordernde 5.12er-Seillängen bis zur nächsten Crux-Seillänge, der Black Cave. Ich war am Zug, diese als Erste zu versuchen, und ich fiel beim ersten Versuch nur wenige Züge vor dem Stand.

Nachdem ich die Route geputzt hatte, flashte Nemo sie glatt, und auch ich konnte sie im zweiten Versuch klettern, gerade noch bevor es dunkel wurde. Wir kletterten noch eine Seillänge im Dunkeln und richteten dann das Portaledge ein.

Tag 4

An diesem Tag kamen wir langsamer voran, da es einige schwierige Seillängen gab und das Seil im Dolphins Chimney festhing. Trotzdem war es ein grossartiger Tag, und wir kamen dem Gipfel näher! Am Abend erreichten wir Lucy is a Labrador, die letzte Crux-Seillänge. Wir entschieden uns jedoch dazu, sie für den nächsten Tag aufzusparen.

Nemuel
Obwohl Nemuel Feuerle und Lara Neumeier zuvor noch nie zusammen geklettert waren, funktionierten sie als Seilschaft bestens. Bild: Lara Neumeier

Tag 5

Wie jeden Morgen weckten wir uns um 5:15 Uhr und waren motiviert, im Schatten zu klettern. Ich ging nochmals die Züge der letzten Crux-Seillänge Lucy is a Labrador durch und kletterte die Seillänge. Jetzt war Nemo dran, und er flashte sie wieder!

Von hier an hatten wir nur noch ein paar leichtere Seillängen bis zum Gipfel vor uns. Um 14 Uhr standen wir auf dem Gipfel des El Capitan.

Was für ein Gefühl, den Gipfel des El Cap zu erreichen, nachdem wir mehrere Nächte an der Wand geschlafen hatten!

Lara Neumeier

Wir hatten für unsere Begehung sieben Tage eingeplant, also hatten wir noch jede Menge Essen und Wasser übrig und genossen ein wohlverdientes Mittagessen auf dem Gipfel. Der Abstieg war anstrengend, aber der Gedanke an eine heisse Dusche, leckeres Essen und ein bequemes Bett, das uns im Valley erwartete, hielt uns auf Kurs.

Die Hände sind von den langen Tagen in der Wand gezeichnet. Bild: Nemuel Feurle
Die Hände sind von den langen Tagen in der Wand gezeichnet. Bild: Nemuel Feurle

Eine der schwierigsten Routen am El Cap

Ursprünglich 1998 von Alex und Thomas Huber eingerichtet, ist El Niño mit 27 Seillängen und Schwierigkeiten bis 8a+ eine der anspruchsvollsten Routen am El Capitan. Die Variante Pineapple Express, die 2018 von Sonnie Trotter geklettert wurde, hat El Niño schliesslich in seiner Gesamtheit «befreit», indem sie acht Meter blanken Granit links der Big Sur Ledge mit einer neuen 3-Seillängen-Variante umging. Die Variante beinhaltet die berüchtigte La Niña-Seillänge, den schwierigsten Abschnitt der Route.

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Credits: Titelbild Lara Neumeier

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